Notfall in der Höhle: Spektakuläre Übung. Höhlen- und Bergretter probten für den Ernstfall in der Ötscher-Tropfsteinhöhle.

Von Claudia Christ. Erstellt am 07. November 2018 (04:00)
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Die Mitglieder der „Höhlenfamilie Gaming“ wurden von Ausbildungsleiterin Elisabeth Etzler über die „Erste Hilfe“- Maßnahmen im Notfall instruiert.
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Zwei Verletzte in der Ötscher Tropfsteinhöhle, das war das Szenario, dem sich 20 niederösterreichische Höhlenretter und 14 Mitglieder der Bergrettung Lackenhof am Samstag stellen mussten.

Bei einer groß angelegten Notfallsübung war es für die Retter notwendig, mit den Gegebenheiten vor Ort zurechtzukommen. Denn die 54 Meter tiefe und 575 Meter lange Schauhöhle, die von der Schindlhütte erreichbar ist, birgt im Ernstfall ihre Tücken. So mussten die Helfer den „Schwerverletzten“ mittels Bahre über die verwinkelte Brückenkonstruktion zum Höhlenausgang manövrieren. Ein kraftaufwendiger Akt, den die Retter aber mit Bravour bestanden haben. Innerhalb von 20 Minuten konnte der Verletzte ins Freie transportiert werden.

Als Beobachter vor Ort (von links) : Franz König (Bergrettung Ortsstellenleiter), Friedrich Fallmann (Ehrenobmann Naturfreunde Gaming), Bürgermeisterin Renate Gruber, Höhlenchef Johann Scharner und Vizebürgermeister Andreas Fallmann.
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„Es ist für uns wichtig, schnelle und reibungslose Abläufe auszuloten und sichere Aufstiegshilfen zu erarbeiten. Diese werden anschließend in einem Notfallplan zusammengefasst“, berichtete Erich Hofmann, Landeseinsatzleiter der Höhlenretter NÖ. Ausbildungsleiterin Elisabeth Etzler von der Bergrettung Lackenhof instruierte zudem das Höhlenführerteam, allesamt Mitglieder der Naturfreunde Gaming, über Erste-Hilfe und Abtransportmöglichkeiten eines Verletzten.

Höhlensaison endete mit 26. Oktober

Acht Männer und zwei Frauen führten bis zum Saisonende insgesamt 3.562 Besucher in die von Tropfsteinformationen geprägte unterirdische Welt. „Bedauerlicherweise ist die Besucherzahl im Vergleich zu 2017 um 450 gesunken. Grund dafür ist, dass wir weniger Kinder begrüßen durften“, zog Höhlenchef Johann Scharner Bilanz. Deshalb rührt Scharner, der heuer sein 20. Jahr als Höhlenchef feiert, für seine Höhle die Werbetrommel: „Wir wollen vor allem Schulen in der Region, aber natürlich auch Familien ansprechen“, erklärt er. Denn während der einstündigen Führung wird viel Wissenswertes vemittelt. Und dass der Abstieg bis zum mystischen See ein unvergessenes Abenteuer für Jung und Alt ist, daran besteht kein Zweifel.