Die Kerle unter den „Musidirndln“. Mit Bernhard Erber und Michael Bratfisch mischen sich zwei Männer unter die Marketenderinnen in Gaming und Lackenhof.

Von Claudia Christ. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:34)
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Beim Neujahrskonzert des Musikvereins Gaming erhielt Bernhard Erber (links) seine Marketender-Tracht, die er stolz präsentiert. Michael Bratfisch (rechts) in seiner Tracht. Seit 2017 ist der Elektriker immer wieder als Marketender beim Musikverein Lackenhof im Einsatz.
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Im zünftigen Dirndl und ein Schnapsfass um die Schulter, so ist das typische Bild einer Marketenderin, die traditionellerweise eine Blasmusikkapelle begleitet. Bislang wird diese Aufgabe ausschließlich vom weiblichen Geschlecht übernommen. In den Musikvereinen Gaming und Lackenhof haben aber auch zwei Männer einen Platz in der Frauendomäne gefunden.

Als größter Fan der Gebiergsdorf-Musi ließ sich Bernhard Erber vor zwei Jahren sogar das Logo auf seinen linken Oberschenkel tätowieren.
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Einer davon ist Bernhard Erber. Der Oberndorfer ist seit Jahresbeginn Teil der fünfköpfigen Marketender-Gruppe des Musikvereins Gaming. Und das, obwohl er bis vor zwei Jahren mit der Volksmusik nicht viel am Hut hatte. „Den Anfang hat 2018 alles beim Gartenfest in Feichsen genommen. Da haben wir einfach nur darüber gescherzt, dass die aufgelegten Aufkleber der Gebiergsdorf-Musi sicherlich auch ein schönes Tattoo sein könnten“, erzählt er. Und dann hat Erber die verrückte Idee einfach umgesetzt und sich das Tattoo auf den linken Oberschenkel stechen lassen. Als Fan Nummer „eins“ folgte im Mai 2019 eine Einladung zum viertägigen Blechlawinen-Festival. „Und ab dann hat mir die Blasmusik voll getaugt“, meint der sonst eingefleischte Heavy-Metal-Fan. Was folgte, war eine Einladung des Gaminger Musikvereines zum gemeinsamen Ausflug. Und seither ist er mit dabei.

Die Aufnahme in den Musikverein war auch Thema bei der Vorstandssitzung. „Es ist ja nicht alltäglich, dass ein Musikverein einen Marketender hat, deshalb haben wir in der Sitzung darüber geredet. Danach haben wir Bernhard einstimmig aufgenommen“, erzählt Andreas Fallmann, Obmann des Musikvereines. Die eher scherzhaft gemeinte Aufnahmebedingung, er muss auch ein Musikinstrument lernen, machte Erber mittlerweile auch wahr. „Jetzt lerne ich halt Flügelhorn und vielleicht in zwei, drei Jahren kann ich ja dann als Musiker mit dabei sein.

„Es ist einfach immer eine riesen Gaudi und die Stimmung bei den Ausrückungen und Zeltfesten ist immer besonders gut“Michael Bratfisch

Mit dabei ist auch Michael Bratfisch, nämlich beim Musikverein Lackenhof. Aber nicht als Musikant, sondern ebenfalls als Marketender. Der Zufall wollte es, dass der 25-Jährige die weibliche Marketenderinnen-Riege vor drei Jahren das erste Mal unterstützte. „Eine befreundete Marketenderin ist ausgefallen und ich bin kurzerhand für sie eingesprungen“, erinnert er sich.

Seither ist der gebürtige Lackenhofer Teil der fünfköpfigen Truppe. Mit seiner eigenen privaten Tracht – „Ich will mich ja von den Musikern unterscheiden“ – hat er bislang schon fünf Einsätze mitgemacht und die Musiker angeführt. „Es ist einfach immer eine riesen Gaudi und die Stimmung bei den Ausrückungen und Zeltfesten ist immer besonders gut“, erklärt er seine Motivation mitzumachen.

Ein Instrument selbst erlernen, das war für Bratfisch nie ein Thema. „Mit Ausbildung und Familie bleibt dafür einfach keine Zeit“, sagt der gelernte Elektriker, der im März zum ersten Mal Vater wird.

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