Bezirk Scheibbs: „Die Motivation vieler Gäste ist groß“. Die Kontrollen der Zutrittsberechtigungen müssen sich noch einspielen, die Wirte hoffen auf das Verständnis und die Mitarbeit der Gäste.

Von Anna Faltner und Karin Katona. Erstellt am 19. Mai 2021 (05:39)
Damit der Gastgarten vom Gasthaus Kummer zur Öffnung strahlt, hat Chef Peter Kummer noch fleißig gekärchert.
NOEN

Das lange Warten auf das Schnitzel beim Wirt ist vorbei. Mit strengen Sicherheitsvorkehrungen – Registrierungs- und Maskenpflicht, Abstandsregeln sowie der 3-G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) – fährt die Gastronomie ihren Betrieb wieder hoch. Wie sich die Wirte auf die Öffnung vorbereitet haben und welche Erwartungen sie für die nächsten Wochen haben, hat die NÖN hinterfragt.

„Können ja nicht die ganze Einrichtung rausnehmen“

Die Tage vor dem Aufsperren hat Familie Kummer vom Gasthaus „Zum grünen Baum“ in Gresten für die letzten Vorbereitungen genutzt, das Einteilen der Tischabstände sowie das Kärchern des Gastgartens. „Wir sperren einige Tische ab, um die Abstandsregeln einzuhalten. Zum Teil sind fixe Bänke vorhanden und wir können ja nicht die ganze Einrichtung rausnehmen“, erzählt Wirtin Renate Kummer.

Ob ein negativer Covid-Test, eine ärztliche Bestätigung einer überstandenen Krankheit oder der Impfpass vorhanden sind, wird erst am Tisch kontrolliert. „Dort kann sich der Gast dann auch mittels QR-Code registrieren. Jeder Gast darf sich 15 Minuten ohne das Vorweisen eines Tests aufhalten. So müssen wir nicht gleich bei der Eingangstür kontrollieren. Das wäre ein Problem, besonders weil viele ohnehin zu wenig Personal haben“, sagt Kummer.

„Wir tasten uns heran. Man kann es aber immer noch nicht einschätzen, ob die Menschen kommen oder nicht.“ Nicole Weißinger, Schliefauhof, Randegg

Ihre Mitarbeiter waren bis jetzt in Kurzarbeit, zwei haben sich in der Zwischenzeit in die Pension und in die Karenz verabschiedet. „Wir bekommen auch wieder einen Lehrling. Bei uns ist noch keine Gefahr in Verzug.“

Für die ersten Wochen hat das Grestner Gasthaus schon einige Reservierungen verbucht, vor allem weil die Öffnung in die Zeit der Erstkommunionen und Firmungen hineinfällt. Ein paar davon bevorzugen aber immer noch das Lieferservice, da im Wirtshaus strengere Regeln gelten. „Teilweise sind die Leute schon motiviert, gleich wieder zu kommen, aber teilweise auch verschreckt. Ich denke, beim ersten Startschuss sind einige noch nicht dabei, die warten noch ab“, meint Kummer.

Mit eher mäßigem Ansturm in ihrem Schliefauhof in Randegg rechnet Wirtin Nicole Weißinger. Erst im Vorjahr hat sie die Rolle der Wirtin von ihren Eltern übernommen. „Das war ein besonderes erstes Jahr. Für mich war und ist es noch immer das Schlimmste, wenn mich jemand anruft und ich muss absagen. Viele Leute wissen mit der Zeit nicht mehr, was beim Wirten erlaubt ist und was nicht. Die Motivation der Gäste und Mitarbeiter wäre groß. Aber ich muss sie dann bremsen, weil vieles ja nicht möglich ist“, sagt Weißinger.

Egal ob Erstkommunion, Firmung oder Begräbnis – Anfragen für die Familienfeier im Wirtshaus gebe es genug. Nur ist das momentan noch nicht möglich. „Wir halten uns strikt an die Vorgaben. Aber wenn man immer wieder absagen muss, dann macht das keinen Spaß.“ Die Kontrolle der „3G‘s“ übernimmt der Seniorchef. Das gesamte Personal, das seit über einem Jahr durchgehend in Kurzarbeit ist, ist wieder mit an Bord. „Die Motivation bei allen ist riesig“, freut sich Weißinger.

Vorerst wird im Schliefauhof nur an den Wochenenden aufgesperrt, so wie schon im Vorjahr. „Wir tasten uns heran. Man kann es halt noch überhaupt nicht einschätzen, ob die Leute kommen werden“, sagt Weißinger. So richtig losgehen könnte es dann aber im Juli. Denn von den 15 Brautpaaren, die im Schliefauhof reserviert haben, hat nur ein Paar abgesagt, alle anderen haben in den Sommer verschoben. „Für meine neun Fremdenzimmer kommen auch laufend Anfragen rein. Die Leute sind motiviert und Österreichurlaub wird auch heuer wieder boomen“, ist sich die junge Wirtin sicher.

Das Bowlingcenter Purgstall profitiert von seiner Lage am Eingang der Erlaufschlucht und vom großen Outdoor-Bereich, der aus zwei stufenförmig angelegten Terrassen mit insgesamt 80 Sitzplätzen besteht. Während des Lockdowns haben Waltraud und Gerhard Buchinger an den Wochenenden Abholservice angeboten. Die Terrasse wurde an den Wochenenden zum „Kiosk“ mit Getränken zum Mitnehmen. Die hauseigene Softeismaschine wurde nach draußen transportiert und erwies sich dabei als besonderer Publikumsmagnet.

Die Eingangskontrollen nach den „3G“-Vorschriften will Familie Buchinger durch das „Wait to be seated“-System durchführen. „Unser Ziel ist es, die Kontrollen gleich beim Eingang vorzunehmen und dann den Gästen ihre Sitzplätze zuzuweisen“, erklärt Waltraud Buchinger. Da die Terrassen aber auch von außen zugänglich sind, werde das Personal die Gäste, die sich ihre Sitzplätze im Außenbereich selbst ausgesucht haben, am Tisch kontrollieren. „Wir haben schon im vergangenen Jahr gesehen, dass die Gäste sehr gut mithelfen, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten“, lobt Gerhard Buchinger seine Gäste. „Wir sind sicher, dass es diesmal wieder so sein wird.“

Für die kommende Saison sind die Buchingers zuversichtlich, auch das Personal konnte gehalten werden. „Wir haben das Glück, dass wir mit einer Kernmannschaft mit tollen Mitarbeitern starten können“, sagen die Bowlingcenter-Betreiber und hoffen auf einen schönen Sommer: „Die Menschen zieht es mehr denn je zuvor ins Freie und in die frische Luft. Das ist unser Vorteil.“

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