Neue Klinik: „Jackpot“ mit Haken in Scheibbs

Firma Meta eröffnet in Scheibbs eine Privatklinik. Opposition kritisiert Standort und Verkaufspreis.

Erstellt am 10. August 2021 | 16:12
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Die Mieter sind bereits aus dem Haus in der Bahnhofstraße 6 ausgezogen. Bereits Anfang des nächsten Jahres wird hier in zentraler Lage und in Bahnhofsnähe eine neue Privatklinik eröffnet.
Foto: Christ

Nach der Ankündigung der möglichen Praxiseröffnung eines ukrainischen Arztes folgte in der Vorwoche im Gemeinderat die nächste positive Nachricht für die Gesundheitsversorgung der Scheibbser.

Die Firma Meta Beteiligungs GmbH, bei der auch der ehemalige ÖSV-Damenskitrainer Herbert Mandl – ein gebürtiger Göstlinger – mit an Board ist, plant in der Bahnhofstraße 6 einen neuen Standort für eine Privatklinik. Hier sollen künftig pro Tag 130 Patienten mit Physiotherapie, Bewegungstherapie und Logopädie behandelt werden. „Es ist ein Jackpot für unsere Stadtgemeinde“, betonte ÖVP-Bürgermeister Franz Aigner vor dem Gremium stolz.

„Wir begrüßen natürlich, dass wir dieses Institut bekommen, dennoch hat die Sache für uns einen riesigen Haken“
SPÖ-Stadtrat Johann Huber

Diese Ansicht konnte die Opposition jedoch nicht zur Gänze teilen. „Wir begrüßen natürlich, dass wir dieses Institut bekommen, dennoch hat die Sache für uns einen riesigen Haken,“, sagt SPÖ-Stadtrat Johann Huber. Denn der Verkehrswert des in Gemeindebesitz befindlichen Grundstücks mit dem historischen Gebäude wurde mit 292.100 Euro angesetzt.

„Verkauft wird es aber um 180.000 Euro netto“, ärgert sich Huber über den für ihn viel zu geringen Preis. Die Gemeinde verkaufe jetzt das gut ausgelastete Haus „und wir bleiben auf den leer stehenden Häusern in der Stadt sitzen“, sagt Huber. Für die vier bisherigen Mieter, darunter auch das Zentrum „Pro Mami“, „die mehr oder weniger hinausgeschmissen wurden, ist das wie ein Schlag ins Gesicht“, kritisiert Huber.

Dass das Haus im Besitz der Gemeinde verbleiben soll, dafür sprachen sich auch Joseph Hofmarcher und Alice Obermann von BUGS aus. „Das Grundstück ist angesichts der Verkaufssumme ein Geschenk an die Firma“, sagt Hofmarcher. Denn nach den Berechnungen des aktuellen Grundstückpreises wäre ein Verkehrswert für die Liegenschaft von 425.000 Euro realistisch. Hofmarcher hätte sich Varianten wie Pacht, Miete oder Verkauf/Baurecht gut vorstellen können. „Im Sinne unserer Nachfahren wäre hier eine bessere Variante möglich gewesen.“

„Der ursprüngliche Plan für die Privatklinik wäre der Standort über der neuen Billa gewesen. Doch die Herren haben sich in das Objekt in der Bahnhofstraße verliebt.“
Bürgermeister Franz Aigner

Bürgermeister Aigner erklärt: „Der ursprüngliche Plan für die Privatklinik wäre der Standort über der neuen Billa gewesen. Doch die Herren haben sich in das Objekt in der Bahnhofstraße verliebt. Außerdem möchte ich betonen, dass kein Mieter hinaus geworfen wurde. Alle haben adäquate Ersatzwohnungen angeboten bekommen.“ Zudem lasse sich REWE mit dem Umbau der Billa noch Zeit. Zeit, die die Firma Meta nicht hat. Denn sie will bereits Anfang 2022 das Klinikum eröffnen.

Mit den Stimmen der ÖVP wurde der Verkauf der Liegenschaft besiegelt. SPÖ und BUGS stimmten dagegen.