Bezirk Scheibbs: Keine Spur mehr von Uneinigkeit. In manchen Orten im Bezirk Scheibbs waren die Bürger über die Gemeindezusammenlegungen nicht begeistert, heute fühlen sich alle zusammengehörig.

Von Anna Faltner und Karin Katona. Erstellt am 21. April 2021 (05:19)

Vor 50 Jahren fand die bislang letzte große Gemeindezusammenlegungswelle statt. Die NÖN hat sich dieses Jubiläum zum Anlass genommen, um sich die Situation vor Ort genauer anzusehen. Wo ist die Fusion geglückt? Und wie stärkt man den Zusammenhalt der (zusammengelegten) Gemeinden?

Mit 1. Jänner 1971 trat der Beschluss in Kraft, der die Marktgemeinde Wang mit den Gemeinden Reidlingberg und Pyhrafeld vereinte. Der heutige Bürgermeister Franz Sonnleitner (ÖVP) kam zwar erst ein Jahr später zur Welt, ein paar „Überreste“ aus dieser Zeit hat aber auch er in seiner Funktionszeit noch beseitigt. „Wie ich Bürgermeister geworden bin, habe ich alle Familien ersucht, ihre Kinder zu uns in die Volksschule zu schicken. Bis auf ein paar Einzelfälle ist das jetzt auch so“, erzählt Sonnleitner.

„Wir pflegen eine gute Dorfgemeinschaft. Aber als eigener Ort fühlen wir uns nicht.“ Mario Handl, Obmann Dorfverein Feichsen

Denn noch heute gehören vier Rotten (Hofweid, Pyhrafeld, Berg und Kaisitzberg) zum Schulsprengel nach Ferschnitz. Der Ortschef selbst ging als Pyhrafelder ebenfalls in Ferschnitz zur Volksschule. Denn zur Nachbargemeinde aus dem Amstettner Bezirk hatten es die Pyhrafelder weniger weit als nach Wang. „Was die älteren Bürger erzählen, dürfte sich auch die Gemeinde Ferschnitz beworben haben, sich mit Pyhrafeld zusammenzuschließen. Mit einer Gegenstimme fiel der Beschluss dann aber auf Wang.“

Vor etwa 15 Jahren folgte dann auch die Umstellung aller Adressen auf die Wanger Postleitzahl 3262. „Jetzt haben alle drei Katastralgemeinden dieselbe Postleitzahl, bis auf eine Ausnahme. So versucht man halt, dass Wang noch mehr zusammenwächst“, betont der Ortschef. Heute gibt es auch noch zwei Feuerwehren in der Gemeinde, Wang und Pyhrafeld. Von gespaltenen Lagern ist da aber keine Spur.

„Wenn der eine was vom anderen braucht, kann jeder zum anderen gehen – ohne schlechtes Gewissen. Wir arbeiten in vielen Bereichen sehr gut zusammen. Aber natürlich schaut man auch auf die eigenen Interessen“, sagt der Pyhrafelder FF-Kommandant Markus Hohensteiner. Gerade in einer kleinen Gemeinde wie Wang sei das sehr wichtig.

Seit 1971 bilden die ehemals selbstständigen Gemeinden Steinakirchen, Ernegg, Lonitzberg, Außerochsenbach, Zehetgrub die Marktgemeinde Steinakirchen. Von einem Konkurrenzdenken spürt Bürgermeister Wolfgang Pöhacker (ÖVP) nichts: „Das ist alles eine Gemeinde, die Leute haben sich, denke ich, ganz daran gewöhnt. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Katastralgemeinden noch selbstständig sein wollen. Und ich persönlich kenne es auch nicht anders.“

Eine starke Dorfgemeinschaft wird immer noch in der Purg staller Katastralgemeinde Feichsen, die 1971 eingemeindet wurde, gepflegt. „Natürlich fühlen wir uns als Purgstaller“, erklärt Mario Handl, der Obmann des Dorfvereins. „Aber der Zusammenhalt bei uns ist sehr stark. Bei den Festen helfen alle mit, auch bei der Errichtung und Erhaltung unseres Sport-Mehrzweckplatzes.“

Beim Feuerwehrfest, Maibaumkraxeln und beim Dorffest wird gemeinsam gefeiert. Beim Gartenfest der Feuerwehr Feichsen ist der ganze Ort auf den Beinen – und hilft mit. „Auch Feichsner, die nicht bei der Feuerwehr sind, arbeiten beim Fest mit. Das macht uns als Dorfgemeinschaft aus“, sagt Handl.

Als „Überbleibsel“ der alten Kleinstgemeinden sind mancherorts auch Feuerwehren geblieben. Die Gemeinden Hub und Lehen etwa kamen 1971 zu Oberndorf, die FF Hub-Lehen besteht bis heute und ist sehr aktiv. „Als unser altes Feuerwehrhaus zu eng wurde, wurde überlegt, die Wehren Hub-Lehen und Oberndorf zusammenzutun“, erzählt Gerhard Aspalter, Kommandant der FF Hub-Lehen. „Die überwiegende Anzahl der Kameraden war jedoch dagegen.“

Im Nachhinein laut Aspalter eine gute Entscheidung, denn „ansonsten, denke ich, hätten wohl viele aufgehört. Denn das Gemeinschaftsgefühl ist bei uns sehr stark. Und dadurch, dass wir so nah an der Bezirksgrenze liegen, haben wir auch eine besonders gute Beziehung zu unseren Nachbarorten.“

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