Sperrstund beim Kirchenwirt in Gaming. Seit Sonntag ist der Kirchenwirt in Gaming geschlossen. Umsatzeinbußen und die Bürokratie zwangen Wirtin Margarete Schölnhammer und Sohn Ludwig zu diesem Schritt.

Von Claudia Christ. Erstellt am 02. Juli 2019 (06:19)
Claudia Christ
Margarete und Ludwig Schölnhammer mit ihrem Erinnerungsbild von der Eröffnung des Kirchenwirtes im August 1972.

Nach 47 Jahren sperrte die Kirchenwirtin Margarete Schölnhammer am Sonntag für immer die Türen ihres Gasthauses zu. „Es ging zum Schluss einfach nicht mehr anders. Bevor die finanzielle Lage unser Vermögen auffrisst und das Lebenswerk meiner Eltern den Bach hinunter geht, haben wir nun die Reißleine gezogen“, erklärt Sohn Ludwig Schölnhammer.

Claudia Christ
Der Kirchenwirt sperrt zu

Er hat seit dem Tod des Vaters gemeinsam mit seiner Mutter das Gasthaus weitergeführt. „Ich musste aber nebenbei schon immer arbeiten gehen und habe zig tausend Euro hineingesteckt, um das Gasthaus überhaupt erhalten zu können“, sagt der 52-Jährige. Auch die Politik habe laut Schölnhammer mit den zunehmenden gesetzlichen Auflagen und einer Flut an Verordnungen ihren Teil zur Schließung beigetragen.

Die Wirtin erinnert sich an die Anfänge zurück: „Im August 1972 haben mein Mann und ich den Kirchenwirt gekauft. Wir hatten Vereinstreffen, Zierungen und haben auch täglich mittags aufgekocht. Unsere Kinder sind praktisch in der Gaststube groß geworden“, lächelt sie. Die heute 81-Jährige hat ihr ganzes Leben an der Schank verbracht. „Wir hatten immer gut zu tun, bis jeder Verein sein eigenes Fest veranstaltete, von da ab ging es finanziell bergab.“

„Wir hatten immer gutzutun, bis jeder Verein sein eigenes Fest veranstaltete, von da ab ging es finanziell bergab.“ Margarete Schölnhammer

Dass der Kirchenwirt keinen Gastgarten und kaum Parkplätze vor dem Haus habe, kam noch erschwerend hinzu. Immer weniger Gäste kamen in die Gaststube. „Seit fünf Jahren haben wir am Samstag, Sonntag und an Feiertagen bereits geschlossen. Auch die Küche blieb seither bis auf Kleinigkeiten kalt.“

Nun hat die Wirtin gemeinsam mit ihrem Sohn – er ist gelernter Koch, Kellner und Fleischhauer – den Entschluss gefasst, das Gasthaus für immer zu schließen. „Es fällt mir sehr schwer, denn ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie es danach sein wird“, sagt die Wirtin und blickt auf die zahlreichen Blumensträuße auf der Theke. Die haben in den vergangenen Tagen Stammgäste und Freunde vorbeigebracht, um Danke zu sagen und sich zu verabschieden.

privat
Zum Abschied überraschte die Gaminger Hallenfußballrunde beim letzten Stammtisch die Kirchenwirtin Margarete Schölnhammer und Sohn Ludwig mit Blumen und Geschenken.

Auch die Hallenfußballrunde hat vergangene Woche nach 36 Jahren ihren montäglichen Stammtisch zum letzen Mal beim Kirchenwirt abgehalten. „Es macht mich schon in gewisser Weise traurig, ein Traditionsgasthaus zu verlieren“, bedankte sich auch Bürgermeisterin Renate Gruber bei der rüstigen Wirtin, die wehmütig scherzt: „Wenn es mir in der Pension zu langweilig wird, dann suche ich mir halt wieder eine Arbeit.“

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