Eine wilde Fahrt im Single-Boot . Ein Abenteuer in der eiskalten Salza gemeinsam mit fremden Abenteuerlustigen erleben – die NÖN war hautnah mit dabei.

Von Anna Faltner. Erstellt am 13. August 2020 (05:11)
Bis zu drei Stunden sind die Boote mit den Teilnehmern sowie den Rafting-Guides, im Bild hinten Guide Heitapu, auf der Salza unterwegs.
Theo Kust

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das bekannte Sprichwort trifft es eigentlich auf den Punkt. Denn die Idee der Göstlingerin Manuela Benesch, Singles im Zuge einer wilden Wasserfahrt zusammenzubringen, erfordert viel Mut. Nicht nur wegen der reißenden Salza, der starken Strömung und der Action im Boot, sondern natürlich auch, um fremde Menschen in Ausnahmesituationen kennenzulernen.

Das „Single-Raften“ fand am vergangenen Wochenende schon zum dritten Mal statt. Von Wieselburg über Gmünd bis nach Wien hat sich diese besondere Dating- und Action-Veranstaltung schon herumgesprochen. Michael aus Wien nahm bereits zum zweiten Mal daran teil. „Ich gehe ganz einfach gerne raften. Und ich bin vermutlich schwer vermittelbar“, scherzt er. Für ihn steht der Spaß klar im Vordergrund. „Und lernt man dabei vielleicht wirklich jemanden kennen, mit dem man sich gut versteht, dann wäre das natürlich super. Wenn nicht, hat es mir ja trotzdem Spaß gemacht“, sagt Michael.

Ähnlich sehen das auch die anderen Teilnehmer. Von unangenehmen Datingfragen, erzwungener Höflichkeit oder dem Drang, hübsch auszusehen, ist wenig zu spüren. Wobei das auch kaum möglich ist. Denn zuerst muss man sich ja einmal auf das Raften konzentrieren.

Mit Paddel und Boot wird man zum Team

Los geht es erst mit einem kurzen Kennenlernen beim Raftingcamp „Deep Roots Adventures“ von Sigi Wiesenbauer in Palfau. Und spätestens ab dann spielen Outfit und Make-up keine Rolle mehr. Denn beim Camp werden alle Teilnehmer mit Neopren-Anzügen, Helmen und Schwimmwesten ausgestattet, dann begeben sie sich auf den Weg in Richtung Salza. Bevor es ins acht Grad kalte Wasser geht, werden die wichtigsten Griffe und Sicherheitsvorkehrungen noch „an Land“ besprochen. Jeder bekommt sein Paddel und die wilde Fahrt beginnt.

Schnell wird klar, warum Manuela Benesch das Raften als Treffpunkt für Singles gewählt hat. Innerhalb kurzer Zeit werden die Bootsinsassen zu einem Team. Nur gemeinsam kann das Boot durch die Strömung gelenkt werden. Wenn alle an einem Strang ziehen, schweißt das zusammen. Genauso wie der Sprung vom fünf Meter hohen Felsen ins eiskalte Wasser.

„Lernt man wirklich jemanden kennen, dann wäre das super. Wenn nicht, hat es ja trotzdem Spaß gemacht.“Michael, Teilnehmer aus Wien

„Ich erlebe jedes Mal einen starken Zusammenhalt. Innerhalb dieses Tages entwickeln wir uns zu einer kleinen Familie. Und für mich ist es das Schönste, wenn ich sehe, dass die Teilnehmer Freude daran haben“, betont die Organisatorin. Die „kleine Familie“ bleibt auch nach dem Raften bestehen, wenn es zum gemütlicheren Teil des Tages übergeht. Nämlich zum Grillabend mit Weinverkostung bei Sigi im Raftingcamp sowie anschließender Übernachtung in der Region. Trotz körperlicher Anstrengung während der 13 Kilometer langen Wasserfahrt kommt selten jemand früh ins Bett. Die Erlebnisse müssen erst einmal verdaut werden – immerhin bekommt man die Schluchten, das wilde Wasser und die Natur nur selten so zu sehen.

Dass man tatsächlich Kontakte knüpfen kann – egal ob platonisch oder mit amorösen Absichten – steht außer Frage. „Vier Teilnehmer vom vorletzten Mal sind eine Woche später zusammen wandern gegangen und dann bei mir auf ein Achterl Wein eingekehrt. Das freut mich, dass sich da ein paar gefunden haben, die gemeinsam etwas unternehmen“, strahlt Benesch. Und wenn die große Liebe nicht dabei war? Dann war es zumindest das Erlebnis wert.

Theo Kust