Wurzer: „Ergebnis zu Unglück erst in einigen Wochen“. Staatsanwaltschaft ermittelt auf Hochtouren: Gutachten und Zeugenbefragungen stehen dabei im Fokus.

Von Claudia Christ. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:43)

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft St. Pölten nach dem tragischen Unglück im Mendlingtal, bei dem die vierjährige Leona aus dem Bezirk Amstetten von einem Baum tödlich verletzt wurde, laufen auf Hochtouren. Zu klären gilt für die Juristen, ob der Göstlinger Bürgermeister und einer seiner Gemeindemitarbeiter bei der Freigabe der Erlebniswelt nach einem Sturm fahrlässig gehandelt haben.

Staatsanwalt Karl Wurzer teilte am vergangenen Freitag der NÖN den Ermittlungstand mit: „Derzeit werden mehrere Gutachten von Sachverständigen eingeholt. Außerdem erfolgen in den kommenden Tagen zusätzlich zur Einvernahme der beiden Hauptbeschuldigten auch die Einvernahmen von weiteren Zeugen zu diesem Vorfall.“ Es wird also noch dauern, bis sich die Staatsanwaltschaft St. Pölten ein eindeutiges, abschließendes Bild vom Hergang des Unglückes gemacht hat. „Einen genauen Zeitraum kann ich aktuell nicht festlegen, denn es ergeben sich während der laufenden Ermittlungen immer wieder neue Erkenntnisse und zusätzliche Personen, die als Zeugen einvernommen werden müssen. Es wird sicherlich noch Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis wir zu einem Ergebnis kommen werden“, schätzt Wurzer.

Mendlingtal bis auf

Weiteres geschlossen

Bis auf Weiteres bleibt das Mendlingtal gesperrt. Ein herber Schlag für die gesamte Gemeinde. Wie es mit dem Erlebnisweg weitergehen kann, ist für den betroffenen Bürgermeister Fahrnberger noch völlig offen. Die Gemeinde als Betreiber des Themenweges ist durch eine Rechtsschutz- und Haftplichtversicherung abgesichert. Doch laut Bürgermeister reicht das Haftungsvolumen für eine solche Tragödie nicht aus. „Da geht es um viel mehr“, sagt er. Dabei schien heuer ein ganz besonders erfolgreiches Jahr für das Mendlingtal zu werden. Mit 11.680 Besuchern, dem besten Juli-Ergebnis seit der Eröffnung, und dem 30.000sten Besucher Anfang September schien das Konzept aufzugehen.

All diese Zahlen sind nun angesichts des Verlustes eines kleinen Menschenlebens völlig unerheblich und in den Hintergrund gerückt. Was bleibt, ist Betroffenheit und die Frage nach dem Warum.

Kindergarten-Kinder von Krisenteam betreut

Unendlich groß ist die Trauer in Seitenstetten, der Heimatgemeinde von Leona. „Die Betroffenheit ist natürlich speziell im Kindergarten groß. Dort werden Kinder auch durch ein Krisenteam des Landes betreut. Ich bin der Inspektorin Angela Schobel für diese rasche und dringend erforderliche Unterstützung sehr dankbar“, sagt Bürgermeister Johann Spreitzer tief betroffen. Auf Wunsch der Eltern wurde beim Kindergarten auch eine schwarze Fahne aufgezogen, die mit den Gruppenfarben des Kindergartens geschmückt wurde. Die Kindergartenkinder verabschiedeten sich mit bemalten Steinen von Leona.