Ein "Nein" aus Sorge um Finanzen. ÖVP fasste Grundsatzbeschluss für Umbau des Arzthauses. Weil Plan zu wenig Erklärungen liefert, stimmte die gesamte SP-Fraktion nicht mit.

Von Anna Faltner. Erstellt am 28. April 2019 (05:41)
Anna Faltner
Zwar musste die ÖVP den Grundsatzbeschluss für den Umbau des Arzthauses alleine fassen, bei der Beauftragung der Baumanagementleistungen stimmte die SPÖ aber wieder mit.

„Eigentlich war ja schon alles auf Schiene. Überhaupt nachdem wir schon x-Mal darüber diskutiert hatten. Und irgendwas müssen wir ja machen“, sagt VP-Bürgermeister Leopold Latschbacher nach der jüngsten Gemeinderatssitzung verärgert. Zu hitzigen Diskussionen kam es nämlich vor allem (aber nicht nur) beim Thema Arzthaus. Auf der Tagesordnung standen der Grundsatzbeschluss zur Durchführung des Umbaus an der bestehenden Praxis sowie die Beauftragung der Baumanagementleistungen.

„Nach langem Hin und Her haben wir uns darauf geeinigt, das Projekt mit der Marktgemeinde gemeinsam zu verwirklichen“, eröffnete Latschbacher (noch guter Dinge). Anfangs gingen die Gemeinden von einer Gesamtsumme von 570.000 Euro aus. Durch einige Einsparungsmaßnahmen, wie einen gemeinsamen Empfangsbereich für beide Arztpraxen, und dass die Ärzte selbst für die Inneneinrichtung verantwortlich sind, konnten die Kosten auf 397.780 Euro gesenkt werden.

„Was ist, wenn das Projekt mehr kostet? Bleiben wir auf dem Rest sitzen, wenn sich die Marktgemeinde dann zurückzieht?“Susanne Schwingenschlögl, SP-Obfrau Gresten-Land

Von der Marktgemeinde wurde bereits vor einem Monat beschlossen, sich an der Hälfte der Kosten (also 200.000 Euro) zu beteiligen. Voraussetzung dafür ist, dass Doktor Syrus Nikou fix in die Praxis einzieht und ausreichend Parkplätze geschaffen werden. Eine Idee lieferte der Ortschef auch gleich, indem er den Grünstreifen zwischen Gemeindeamt und Arzthaus als möglichen Parkstreifen vorschlug.

Weiters im Raum steht ein zweites Stockwerk, in dem zwei Fachärzte Platz finden könnten. Eine Frauenärztin hätte bereits Interesse daran. Die Kosten für das Obergeschoß würden sich auf 67.000 Euro belaufen. Sollte kein zweiter Facharzt Interesse haben, könnte in dem Bereich auch eine Arztwohnung entstehen. Das steht noch offen. Weiters kämen etwa 26.400 Euro für einen Lift in das Obergeschoß hinzu. „Auch die Parkplätze kommen extra dazu. Das müssen wir erst austüfteln, daher gibt es noch keine Kostenschätzung“, berichtete Latschbacher. Eine Verpflichtungserklärung mit Syrus Nikou soll dafür schon in den nächsten Tagen unterzeichnet werden.

Dennoch wurden Zweifel an dem Vorhaben laut – vor allem am Beschluss der Marktgemeinde. „Was ist, wenn das Projekt viel mehr kostet? Der Beschluss der Marktgemeinde beinhaltet nur die Investition von 200.000 Euro. Bleiben wir dann auf dem Rest sitzen, wenn sich die Marktgemeinde nach 200.000 Euro zurückzieht?“, will die SP-Fraktion wissen. Denn allein für beide Geschoße steigt die Summe bereits auf knapp 460.000 Euro. „Wir können nur auf den Planer vertrauen, dass das so in etwa passt. Ich weiß auch nicht, wie wir es sonst machen können“, antwortet der Ortschef. Kurz darauf platzt ihm dann endgültig der Kragen: „Wollen wir das jetzt gemeinsam mit der Marktgemeinde durchziehen oder nicht? Das Ganze hat uns viel Hirnschmalz gekostet und ihr kritisiert nur alle. Irgendwo müssen wir auch mal etwas weiterbringen.“ SP-Obfrau Susanne Schwingenschlögl warf ein, dass viele Aspekte im Plan nicht berücksichtigt wurden, und dass es nicht Aufgabe einer Gemeinde sei, eine Ordination für einen Wahlarzt zu bauen.

So musste die ÖVP den Grundsatzbeschluss zur Durchführung des Umbaus (im Erd- und Obergeschoß) ohne SPÖ fassen. Bei der Beauftragung der Baumanagementleistungen stimmten die drei SP-Mandatare allerdings wieder mit. „Wir sind natürlich auch für die Schaffung einer neuen Arztpraxis, um einen zusätzlichen Arzt für Gresten-Land zu gewinnen. Da wir aber schlechte Erfahrungen beim Umbau des Gemeindeamtes mit den zuerst geschätzten Kosten und den dann tatsächlichen Kosten machten, und wir beim Projekt Arzthaus noch keine Gesamtkosten wissen, stimmen wir gegen den Grundsatzbeschluss“, begründet Schwingenschlögl ihre Entscheidung.