Zahnarzt zieht ins Arzthaus. Ab Juni will Zahnarzt Mohammad Ibraheem im Grestner Arzthaus ordinieren. Nun sind drei der vier Ordinationen fix belegt.

Von Anna Faltner. Erstellt am 11. Februar 2021 (05:20)

Das Thema Zahnarzt war bis zum jetzigen Zeitpunkt ein sehr sensibles in Gresten. Denn nachdem Walter Salaberger mit Ende 2019 in Pension ging, fehlte der Zahnarzt im Ort. Immer und immer wieder wurde die Kassenstelle von der Krankenkasse ausgeschrieben. Bis Mohammad Ibraheem darauf aufmerksam wurde. Für den gebürtigen Syrer war es quasi Liebe auf den ersten Blick. Nun ist alles fix, bis zum Sommer will er seine Ordination im neuen Arzthaus beziehen.

Um den zukünftigen Zahnarzt auch der Bevölkerung vorzustellen, luden die beiden Gemeinden Gresten und Gresten-Land die NÖN am Mittwochvormittag zur (natürlich Corona-konformen) Vorstellungsrunde ein. Im Mittelpunkt stand Mohammad Ibraheem, der neue Zahnarzt für den Sanitätssprengel Gresten, Gresten-Land und Reinsberg, in dem rund 4.500 Personen ihren Hauptwohnsitz haben.

Der 40-Jährige hat in Syrien Zahnmedizin studiert und führte dort auch für acht Jahre eine eigene Ordination. Als der Krieg ausgebrochen war, musste er das hinter sich lassen, flüchtete und landete in Österreich.

„Als ich in Österreich angekommen bin, war ich sofort überzeugt, dass ich auch hier meine eigene Ordination führen möchte. Deshalb habe ich so schnell wie möglich Deutsch gelernt und alle Facharztprüfungen an der Universität Wien nachgeholt“, erzählt Ibraheem. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Sabrin kennen, die ihn nun auf der Suche nach der eigenen Ordination unterstützte.

„Gresten hat sofort mein Interesse geweckt. Und als ich gesehen habe, wie schön es hier ist, wollte ich hierher.“ Zahnarzt Mohammad Ibraheem

Erste Erfahrungen in niederösterreichischen Praxen sammelte der Mediziner, der momentan noch in Wien lebt, bereits als Assistenz-Zahnarzt in Gföhl und Stockerau. Und nun zur eigenen Ordination. Wieso Gresten?

„Ich habe mir eine Niederösterreich-Karte ausgedruckt und mir alle 16 freien Zahnarztstellen angesehen. Gresten hat sofort mein Interesse geweckt. Und als ich gesehen habe, wie schön es hier ist, wollte ich hierher“, sagt er begeistert.

Denn Mohammed Ibraheem und seine Frau sind Naturliebhaber, gehen gerne wandern und waren auf Anhieb vom Mostviertel begeistert. „Das Treffen mit den Gemeindevertretern hat uns die Entscheidung dann noch leichter gemacht“, ergänzt Gattin Sabrin Mohammad.

Einen Schwerpunkt legt der neue Zahnarzt auf die CAD/CAM-Technik bei der Herstellung von Zahnersatz. Dabei handelt es sich um ein computerunterstütztes Hightech-Verfahren, welches für das Designen und Herstellen von Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Implantat-Prothetik verwendet wird. Ein Verfahren, dass auch seinem Vorgänger Walter Salaberger bekannt ist, der sich übrigens bereit erklärt hat, den neuen Zahnarzt gerne mit Rat und Tat zu unterstützen.

Baufirma will Arzthaus Mitte Mai übergeben

„Wenn man engagiert ist, hat man hier sicher Arbeit genug“, versprach Salaberger. Dennoch konnte er sich einen Seitenhieb auf die Kammervertretung – „die Hauptbremse in der Geschichte“ nicht verkneifen. Denn aufgrund eines gebremsteren Verdienstes (im Vergleich zu früher), der Konkurrenz aus den Ost-Staaten und den überall aufploppenden Wahlarztpraxen würde es immer schwieriger, Kassenstellen zu besetzen.

Aber nichtsdestotrotz: Die Freude über Mohammad Ibraheem als neuen Zahnarzt in Gresten ist riesig. Und so sind die Bürgermeister Erich Buxhofer (Gresten-Land) und Harald Gnadenberger (Gresten-Markt) einmal mehr stolz, in die Sanierung des Arzthauses investiert zu haben – auch wenn das eigentlich nicht die Aufgabe einer Gemeinde ist.

„Für uns war das eine moralische Pflicht. Die Leute fragen jetzt schon immer, wann es losgeht. Die Gesundheitsversorgung ist einfach ein immens wichtiges Thema“, betont Buxhofer. Zur Erinnerung: Für die Landgemeinde belaufen sich die Kosten auf 500.000 Euro, die Marktgemeinde stemmt weitere 200.000 Euro. Vorerst.

Wann es losgeht, kann Baumeister Leopold Stockinger beantworten. „Bis Mitte Mai sollten wir mit den Bauarbeiten fertig sein. Dann wollen wir das Bauwerk übergeben“, sagt er. Die weiteren zahntechnischen Einbauten werden noch zwei bis drei Wochen benötigen, im Juni möchte Mohammad Ibraheem eröffnen. Zur Info: Auch die anderen beiden Ordinationen für Allgemeinmediziner Syrus Nikou und Frauenärztin Johanna Wohleser-Nikou befinden sich schon im Finale und können im Frühjahr übergeben werden.