Der „Kanadier aus Oberamt“ feiert 90. Geburtstag. Mit 28 Jahren wanderte Konrad Hinterleitner aus Dürrnbach nach Kanada aus. Nun feierte er seinen 90. Geburtstag mit seiner Familien in Gresten vor.

Von Hans Karner. Erstellt am 03. November 2019 (04:36)
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Gerti Hinterleitner (links) zeigt den Geschwistern Franz Hinterleitner und Leopoldine Fleisner (geborene Hinterleitner) sowie Lebensbegleiterin Bruni Baun auf der Landkarte, wo ihr Schwager Konrad Hinterleitner (rechts) in British Columbia (Kanada) seinen Lebensabend verbringt.
Hans Karner

„Heast as net, wia die Zeit vergeht?“ Das dachte sich wohl Konrad Hinterleitner aus Vancouver und beschloss, zusammen mit seiner Lebensbegleiterin Bruni Baun, seinen „Neunziger“ beim Erntedankfest in seiner Heimatpfarre Gresten vorzufeiern – um später seinen Geburtstag „punktgenau“ (am 1. November 2019) in Edmonton in Kanada, seiner zweiten Heimat, zu begehen.

Der Bauernbub vom Hof Mitter Dürrnbach wollte als damals 28-Jähriger, nachdem er die Holzfachschule in Kuchl (Salzburg) absolviert hatte, die Welt kennenlernen. Die gleichen Pläne hatte auch sein Kärntner Berufskollege Hans Gmose, der seine Fühler nach Kanada ausgestreckt hatte. Nur dort, so versprach dieser, könne man „Kohle machen“. Am 24. August 1957 nahm Hinterleitner von der Heimat Abschied und machte sich auf die Suche nach dem großen Glück.

Nach einer abenteuerlichen Reise landeten sie in Edmonton, wo tausende Ungarnflüchtlinge des Aufstandes von 1956 ebenfalls auf ihre Registrierung warteten. Selten wurde Deutsch gesprochen.

Die dürftigen Ersparnisse waren bald aufgebraucht. Zuerst fand er Arbeit in Alberta – 75 Kilometer westlich von Edmonton – wo gesundheitsschädlicher Asbest abgebaut wurde. Später am 60. Breitengrad zur Grenze nach Alaska in Yukon, in einem Silberbergwerk. Kurt, wie ihn seine Freunde nannten, hatte sich in jungen Jahren seine Welt ganz anders vorgestellt. Daher wechselte er 1964 zurück nach Edmonton zu Englands ICI-Konzern, der zum größten Plastikhersteller der Welt aufgestiegen war. Dort war der „Kanadier aus Oberamt“ bis zu seiner Pensionierung in leitender Stellung.

Zusammen mit Gattin Alide, die ihm zwei Kinder (Sandra und Ralf) schenkte, wurde er in Edmonton sesshaft. Alide starb vor sieben Jahren. Auf das Thema Heimweh angesprochen gestand er, dass ihm die Heiligen Abende im Dürrenbachgraben immer unvergessen blieben.