Region wird zum „Finsterdorf “

Für sein Werk „Finsterdorf“ hat Autor Peter Glanninger Gresten und das Ybbstal als Schauplatz gewählt.

Anna Faltner Erstellt am 18. September 2021 | 11:53
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Peter Glanningers neuer Roman „Finsterdorf“ spielt in der Region rund um Gresten.
Foto: Glanninger

Ein junges Mädchen verschwindet und taucht eine Woche später völlig verwirrt wieder auf. Die Polizeiinspektion Gresten nimmt die Ermittlung auf und holt sich Unterstützung vom Landeskriminalamt. Ein junger Polizist aus St. Pölten stößt bei diesem Fall allerdings immer wieder auf Granit. Denn die Leute im Dorf „Schandau“ erzählen ihm nichts. Sie gehorchen dem Baron, der gleichzeitig auch der wichtigste Arbeitgeber im Ort ist. Wer nicht nach seinen Regeln spielt oder über die seltsamen Ereignisse spricht, der bricht sich zufällig (und natürlich wegen der eigenen Ungeschicktheit) einen Arm oder wird für kurze Zeit entführt.

Dieser Fall beschäftigt die Polizeiinspektion Gresten (zum Glück) nicht in der Realität, sondern im jüngsten Roman des Autors Peter Glanninger. Und der heißt „Finsterdorf“. Warum der Traiskirchner gerade die Gemeinde Gresten sowie die nähere Umgebung für die Handlung ausgewählt hat? „Das war ohne tiefere Absicht. Ich brauchte einen kleinräumlich strukturierten Handlungsort, in einer abgelegenen Gegend, der bereits aufgrund seiner Geografie ein bisschen etwas Unheimliches und Düsteres ausstrahlt. Da haben sich die alpinen Regionen an der steirischen Grenze besonders angeboten“, erklärt er.

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„Einmal ZIB schauen bietet meistens Stoff für mehrere Krimis.“ Peter Glanninger

Das Ybbstal kennt Glanninger seit Jahren hauptsächlich als „Bergtourist“, vor allem den Ötscher und das Hochkar. Dennoch diente ihm als „Modellregion“ eher das obere Traisental, das Glanninger aufgrund seiner Herkunft aus Wilhelmsburg doch besser kennt.

Für seine Ermittlungen hält sich der Protagonist Inspektor Thomas Radek selbst in Gresten und Schandau auf. Glanninger hat sich mit Google Maps ein genaueres Bild der Orte und Straßen gemacht. Geschrieben hat er von zuhause aus.

Trotz einiger Parallelen zum echten Leben sind Handlung, Personen und auch die meisten Locations fiktiv. „Da gibt es keine Bezüge zur Realität – zumindest keine bewussten. Dazu fehlt mir, ehrlich gesagt, auch der Einblick“, gesteht der Autor. Denn im Buch gibt es im Ort eine große Firma, die viele Bewohner aus der Region beschäftigt. Eine Parallele zu Welser Profile in Gresten? Nein. „Es ging mir auch nicht darum, irgendwelche lokalen Beziehungsgeflechte abzubilden. Sondern Machtstrukturen im Allgemeinen dazustellen“, betont Glanninger. Allerdings passiert es auch öfter, dass die Realität die Fiktion sehr oft einholt. Dabei spricht er ein Hotel in Mühldorf an, in dem gerüchteweise ominöse Partys gefeiert werden, bei denen die Besucher sogar ihre Autokennzeichen abmontieren. Eine Art von (Swinger-)Partys – allerdings mit sadistischen Ritualen und Zwängen dahinter – werden auch im Roman gefeiert. Spannend: Involviert sind dabei auch der Bezirkspolizeikommandant sowie ein ranghoher Staatsanwalt. Die Korruption ist ein wesentliches Thema im Kriminalroman. Natürlich sind auch hier die Namen und Charaktere frei erfunden. „Wenn die Fiktion wahr sein könnte, hat das dann doch schon was“, meint Glanninger.

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NOEN

Woher sich der Autor, der übrigens selbst in Wien als Polizist gearbeitet hat, seine Ideen holt? Durch genaues Beobachten seiner Umwelt, der Gesellschaft und der Lebensverhältnisse in Österreich. „Einmal ZIB schauen bietet meistens Stoff für mehrere Krimis“, verrät er.

Eine Lesung oder Buchvorstellung in der Region gab es noch nicht. Peter Glanninger wäre aber gerne dazu bereit, seinen 440 Seiten füllenden Roman hier vorzustellen.

Es ist schon bedrückend zu lesen, dass Leute unterdrückt, verletzt oder entführt werden. Hier, bei uns! Aber umso interessanter ist es zu verfolgen, wie sich die Charaktere aus ihren Fesseln befreien und die veralteten Strukturen auflösen. Wer zu lesen beginnt, will wissen, wie es ausgeht. Die düstere Stimmung zieht sich durch wie ein roter Faden. Sehr spannend und absolut empfehlenswert – vor allem für die, die hier leben. -af-