Vizebürgermeister Grasberger geht nach 9.791 Tagen. Josef Grasberger (SP) trat mit 60 von der politischen Bühne ab. Fast 27 Jahre saß er im Gemeinderat, 19 Jahre davon als Vize.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 21. Februar 2017 (05:01)
Sechs Mandatare waren in der Zweiten Republik länger im Grestner Gemeinderat als Josef Grasberger – zwei davon sind es immer noch: Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger (SPÖ) und Roswitha Kraml (ÖVP).
Eplinger/Archiv

„Danke, ich glaube, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu gehen. Mit fast 27 Jahren im Gemeinderat gehöre ich eh zu den sechs längstdienenden Mandataren der Zweiten Republik in Gresten.“ Mit seinem gewohnt trockenen Humor nahm Vizebürgermeister Josef Grasberger wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag, den er am Freitag der Vorwoche feierte, Abschied von der politischen Bühne von Gresten.

Eine Bühne, die er fast 27 Jahre – oder genau gesagt 9.791 Tage – mitgeprägt hat. Denn fast die Hälfte seines Lebens ist Grasberger bereits Gemeindemandatar. Seit 20 Jahren ist er im Gemeindevorstand. Und als Wolfgang Fahrnberger vor 19 Jahren vom Vizebürgermeister zum Bürgermeister aufstieg, übernahm Grasberger das Amt des Vizes.

„Wenn Niederösterreich ohne Pröll auskommt und Oberösterreich ohne Pühringer, dann wird Gresten auch ohne Grasberger auskommen.“Ex-Vizebürgermeister Josef Grasberger konnte sich einen scherzhaft gemeinten Sager in Bezug auf prominente Rücktritte nicht verkneifen.

„Wir waren immer ein gutes Team. Wolfgang stand in der ersten Reihe, ich liebte die Arbeit im Hintergrund. Aber zwischen uns passte kein Blatt Papier. Auch wenn wir natürlich nicht in allem einer Meinung waren, nach außen hin traten wir immer mit einer Linie auf. Er konnte sich meiner Rückendeckung sicher sein, ich der seinigen“, unterstreicht Grasberger das gute Verhältnis zwischen ihm und Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger.

Dieser hatte ihm sämtliche Bauagenden der Gemeinde übertragen – auch das zeugt von einem großen Vertrauen. Aber nachdem Grasberger von der Baubranche kommt – er arbeitet jetzt bei der Amstettner Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft „Die Siedlung“ –, konnte er hier seine gesamte berufliche Erfahrung einbringen. In einer Gemeinde wie Gresten, die alljährlich auch viel in die Infrastruktur investiert, keine unerhebliche Aufgabe.

„Aber eine Aufgabe, in der ich mich einfach wohlfühlte und die ich sehr gerne gemacht habe. Dennoch war für mich immer klar, dass ich diese Periode nicht mehr bis zum Schluss machen werde“, sagte Grasberger im NÖN-Gespräch.

"Hab mir zum 60er mehr Freizeit geschenkt"

Fahrnberger und seine Kollegen von der SPÖ-Fraktion hat Grasberger daher auch schon vor einigen Wochen informiert. Nun folgte der offizielle Schritt, den er allerdings nicht breittreten wollte, wodurch er einige Diskussionen in Gresten ausgelöst hat.

„Ich habe mir zu meinem 60er einfach ein wenig mehr an Freizeit geschenkt. Immerhin habe ich seit drei Monaten ein erstes Enkerl und bekomme in ein paar Monaten ein zweites dazu. Da habe ich dann schon wieder eine neue Beschäftigung“, lächelt Josef Grasberger.

Apropos 60er: Um vor großen Feiern zu flüchten, begab sich Josef Grasberger mit seiner Gattin Helga einfach von Mittwoch bis Sonntag auf einen Kurzurlaub. Das Urlaubsdomizil verriet er nicht einmal seinen Kindern.