Zu Besuch im Frankenland. Eine 27-köpfige Delegation war vier Tage lang in Mittelfranken unterwegs.

Von Hans Karner. Erstellt am 18. September 2017 (13:28)

Zu einem höchst ausgiebigen „Verwandtschaftsbesuch“ nach Mittelfranken lud in der Vorwoche die Arbeitsgemeinschaft für „Familienforschung NÖ-Eisenwurzen & Franken“ ein. Stationen der viertägigen Busreise waren die Schifffahrt von Kehlheim bis Weltenburg, der Besuch des Obstlehrgartens Triesdorf, die Stadtbesichtigung in Ansbach und die Kostümvorführung Iphofen, das Fränkische Freilichtmuseum und die Einladungen der ersten Bürgermeister Walter Schnell von Kammerstein und seines Kollegen Rainer Erdel in Dietenhofen.

Anlass dieser nicht alltäglichen Busreise war, dass vor 500 Jahren der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg seine Thesen veröffentlichte – was zur Spaltung der katholischen und „lutherischen“ Kirche führte. Auch im Großen- und Kleinen Erlauftal kam es zu „geregelten Ausweisungen“ von einigen Tausenden Untertanen. Mit wenigen Habseligkeiten meist mit Ochsengespannen, fanden diese „Exulanten“ in Mittelfranken eine neue Heimat.

Beginn einer Ökumenischen Andacht

Die engen Kontakte der Gemeinde Gresten-Land zur Marktgemeinde Dietenhofen, insbesondere dem 1. Bürgermeister Rainer Erdel, seinem Vorgänger Heinz Henninger und dem ehemaligen Kustor des örtlichen Heimatmuseums Kurt Schmiedl und Nachforschungen der ARGE Familienforschung ermöglichten es nun, dass der Scheibbser Autor Franz Gloser eine szenische Lesung dramaturgisch aufbereiten konnte.

Diese historischen Fakten erinnerten nun - 364 Jahre später - am Beginn einer Ökumenischen Andacht in der Andreaskirche zu Dietenhofen, dass 1653 zu Beginn der Fastenzeit Philippus Redlingshöfer, der junge Bauer vom Hofe „Ober Knogl“ mit seinem Bruder Martinus vom Hause „Vorder Bucha“ und einigen Verwandten erstmals eine Reise ins Ungewisse antraten, um am Ostersonntag (10. April) in Dietenhofen einzutreffen.

Dies ist im Abendmahlverzeichnis der Andreaskirche von Dietenhofen dokumentiert. Bis zum Herbst sollten 26 „Exulanten“ von dieser Sippe nachfolgen. Unter anderem seine junge Ehefrau Barbara (geborene Tröscher) vom Hause Steinhaus. Inzwischen gelang es sogar ein LEADER-Projekt zwischen den Regionen Niederösterreich dem Landkreis Roth, sowie dem Filmteam von Anita Lackenberger, den TV-Film „Verwurzelt“ transnational auf die Reihe zu bringen. Der Ehrenobmann der Eisenstraße Berthold Panzenböck und Pfarrer in Ruhe Gottfried Waser führten nun eine 27-köpfige Delegation an, die vor Ort erkunden wollte, wie nach den 30-jährigen Krieg im menschenleeren Frankenland das Leben der „Exulanten“ ein zweites Mal begann.