Bezirk Scheibbs: Lange Wartelisten für Grippe-Impfstoff. Apotheken haben mehr Impfstoff geordert. Doch nicht jeder Impfwillige wird geimpft werden können.

Von Claudia Christ. Erstellt am 23. September 2020 (05:14)
Scheyda Neubauer vor dem Medikamentenkühlschrank in ihrer Apotheke in Scheibbs. Derzeit befindet sich in diesem unter anderen der Impfstoff gegen Lungenentzündung. Der heuer so begehrte Grippeimpfstoff wurde noch nicht angeliefert.
Christ

Hohes Fieber sowie Muskel- und Gelenkschmerzen, das sind die ersten Symptome einer Influenza. Bisher war die Impffreudigkeit gegen die Influenza sehr bescheiden.

Lag im Vorjahr die Durchimpfungsrate bei lediglich acht Prozent, wird diese heuer um ein wesentliches höher ausfallen. Denn Corona hat die Unsicherheit bei den Menschen verstärkt.

„Ein Armutszeugnis für einen mitteleuropäischen Staat.“Die Scheibbser Apothekerin Scheyda Neubauer,kritisiert die Handhabung bei der Verteilung

„Heuer ist alles anders. Täglich fragen rund 20 Personen wegen der Grippeimpfung an. Mittlerweile gibt es bei uns eine lange Warteliste“, erklärt Scheyda Neubauer, Inhaberin der Apotheke in Scheibbs. Und das, bevor der Impfstoff überhaupt angeliefert wurde.

„Wir haben heuer natürlich mehr vorbestellt. 350 Impfungen statt der im Vorjahr georderten 150. Bislang haben wir aber noch keine Lieferung erhalten“, sagt die Apothekerin. Sie befürchtet, dass es heuer zu einem akuten Mangel kommen wird, und kritisiert die Handhabung bei der Verteilung: „Österreichweit gibt es 1,2 Millionen Impfdosen. 400.000 davon gehen nach Wien, der Rest wird innerhalb von Österreich aufgeteilt.“ Ein Rechenbeispiel, das nicht aufgehen kann. „Und ein Armutszeugnis für einen mitteleuropäischen Staat“, sagt Neubauer.

Anderer Ort, gleiches Problem: Auch in Purgstall sind die Mitarbeiter der Apotheke täglich mit Anfragen konfrontiert. „Zugesagt wurden uns 200 Dosen, aber bislang haben wir schon 400 Reservierungen“, erklärt Christina Hauer.

Seit Beginn der Woche werden hier bei den Reservierungen zusätzliche Details nachgefragt. „Wir notieren uns, ob der Kunde zur Risikogruppe gehört. Diese Info soll uns dann bei der effektiven Verteilung helfen, denn der Impfstoff wird nicht ausreichen“, meint sie.

Zentrale Verwaltung für mehr Effektivität

Heuer entscheiden also die Apotheken, wer einen Impfstoff erhalten wird. Ein Umstand, der Scheyda Neubauer in Scheibbs verärgert: „Jetzt spreche ich gegen mein Geschäft, aber es wäre sinnvoller gewesen, wenn heuer keine Impfstoffe an öffentliche Apotheken ausgeliefert würden, sondern es eine zentrale Verwaltung geben würde. Das wär effektiver für die Gesundheitspolitik.“

Um vielleicht doch noch einen Impfstoff zu ergattern, ein Tipp: Die Impfung in kleineren Orten ordern oder abwarten, bis die in Wien nicht benötigten Dosen aufgeteilt werden. „Die Impfung im Dezember ist oft sogar effektiver als im Oktober, denn die Grippewelle rollt meistens erst im Jänner an“, weiß Hauer.

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