Neue Brücke in Scheibbs für Verkehr freigegeben

Erstellt am 29. Dezember 2021 | 02:58
Lesezeit: 3 Min
Im April 2020 war der Startschuss für die Bauarbeiten für die neue Heubergbrücke und das EVN-Kraftwerk Brandstatt gefallen. Unmittelbar vor Weihnachten waren sie großteils beendet. Die Brücke ist für den Verkehr offen, das Kraftwerk im Probebetrieb.
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Am Donnerstag fuhren die ersten Autos über die neue Heubergbrücke. „Alle Bauarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen. Die Brücke ist für den Verkehr freigegeben und bleibt auch offen. Es kann nur sein, dass im Jänner noch einige kleinere Arbeiten anstehen und es dabei nochmals zu kurzfristigen Sperren kommt. Ich möchte an dieser Stelle aber ausdrücklich die Firma Traunfellner loben, die hier wirklich tolle Arbeit geleistet hat“, erklärt der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner gegenüber der NÖN.

Damit können sich die Scheibbser nun auch von „ihrer Wunschausführung“ der Brücke vor Ort überzeugen. Denn im Dezember 2019 hatte die Stadtgemeinde Scheibbs ja zu einem Bürgerbeteiligungsverfahren aufgerufen. 973 Scheibbserinnen und Scheibbsser (21,6 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung) machten damals von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Als klarer Sieger der Abstimmung – die erstmals auch digital durchgeführt wurde – ging die jetzt verwirklichte Variante „Tetratop“ hervor.

Bürgermeister Franz Aigner ist auch optimistisch, die veranschlagten Baukosten von 1,2 Millionen Euro unterschreiten zu können. „Noch haben wir keine Schlussrechnung, aber wir sollten die budgetierten Kosten nicht überschreiten – und das, obwohl wir mit dem Hochwasserschutz und der Verbreiterung der Radwegeverlängerung mehr gemacht haben als ursprünglich angedacht“, sagt Aigner.

Vorerst noch erhalten und als „Ausweiche“ bei kurzfristigen Sperren bleibt die alte Heubergbrücke. Ihre Zukunft scheint aber begrenzt zu sein. Denn im Gemeinderat ist man mehrheitlich der Meinung, die alte Brücke abzureißen – trotz ihres geschichtlichen Hintergrundes.

Denn die Brückenverbindung selbst ist über 200 Jahre alt und ist unter anderem 1872 in der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme dokumentiert. Sie ist Teil eines historischen Ensembles mit dem heutigen Keramikmuseum. Gleichzeitig ist die einspurige Holzbrücke, wie sie heute noch besteht, ein Werk aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Mai und Juni 1943 wurden Gefangene für den Neuaufbau der Brücke verwendet, wie Dokumente aus dem Scheibbser Stadtarchiv vom Oktober 1946 das belegen.

„Aktuell gibt es dazu nichts Neues. Sie als Brücke zu erhalten, macht allerdings aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn“, weiß Aigner, will aber dem zuständigen Ausschuss nicht vorgreifen.

Parallel zur Brücke hat auch die EVN ihr Kraftwerk Brandstatt erneuert und modernisiert. Auch diese Arbeiten sind abgeschlossen. Die neue Kaplan-Turbine ist bereits im Probebetrieb und speist bereits Strom in das Netz ein. „Die ersten Leistungstest wurden erfolgreich absolviert. Die Inbetriebnahme der Pegelregelung erfolgt dieser Tage, dann kann die Anlage in den Vollbetrieb übergehen“, weiß EVN-Pressesprecher Stefan Zach. „Wir schaffen dann die dreifache Leistung der alten Turbine und können 1.000 Scheibbser Haushalte mit sauberen Strom versorgen“, freut sich Zach. Die neue Kaplan-Turbine wird mit ihrer Fallhöhe von sechs Metern und maximalem Durchfluss von 16,5 m pro Sekunde eine Maximalleistung von 740 Kilowatt erreichen. Die Jahreserzeugung wird bei 3,3 Gigawattstunden liegen.

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