Shoppen bis zum letzten Tag im Bezirk Scheibbs. Run auf die Geschäfte vor dem Lockdown war groß. Wirtschaft appelliert: „Kauf weiter im Ort.“

Von Christian Eplinger. Erstellt am 18. November 2020 (04:31)

Volle Parkplätze gab es am Samstag und Montag vor den heimischen Einkaufszentren und Baumärkten. Unmittelbar vor dem zweiten harten Lockdown hat der Handel nochmals floriert, ehe seit Dienstag für 20 Tage die Eingangstüren verschlossen bleiben.

„Wir hatten am Samstag einen der umsatzstärksten Tage in unseren Geschäften – sowohl im Textil- als auch im Sporthandel“, schildert Richard Pemsel aus Scheibbs. Auch am Montag kamen noch viele Kunden. Im Sportartikel-Segment besonders gefragt waren Outdoor-Bekleidung und Tourenski-Ausrüstungen. „Bei den Alpinskiern war die Nachfrage noch ruhiger. Aber wir haben erst Mitte November. Dieses Geschäft startet traditionell erst im Dezember und hängt viel vom Wetter ab“, weiß Pemsel. Gute Kundenfrequenz aber kein Ansturm, so lautet das Fazit bei Intersport Fahrnberger im Wieselburger Citycenter am letzten Öffnungstag vor dem Lockdown. „Die Kunden kauften hauptsächlich Textilien und Geschenkgutscheine. Der Renner der vergangenen Wochen waren Hometrainer. Die sind komplett ausverkauft und erst wieder im Jänner lieferbar“, berichtet Shopleiterin Raphaela Buchegger.

„Wir sind weiterhin für unsere Kunden da“

Vor allem Geschenke für Geburtstage, aber auch Weihnachten gingen bei Anna‘s Spielewelt in Wieselburg und Purgstall über den Ladentisch. „Am Samstag und Montag hatten wir deutlich mehr Umsatz“, weiß Verkäuferin Patricia Lessmann, die am Montag noch zahlreiche Bestellungen von Kunden per Telefon annahm. „Wir werden auch jetzt, wie beim ersten Lockdown, telefonisch oder online für unsere Kunden da sein.“

Einen großen Teil der Weihnachtsware wird Blumenhändlerin Martina Mayrhofer heuer wohl via Selbstbedienung verkaufen. „Das hat beim letzten Mal recht gut funktioniert“, sagt die Floristin. Vor ihren Geschäften in Purgstall, Scheibbs und Gaming sowie vor den Eingängen von Naturkost Roland und Nah Guat in Scheibbs wird Ware zur Selbstbedienung bereitstehen. Außerdem gibt es die Möglichkeit zur Bestellung über Telefon, Whats App oder E-Mail. Die Waren können dann vom Geschäft abgeholt werden. „Wir beraten unsere Kunden auch telefonisch“, verspricht Martina Mayrhofer. „Gerade vor Weihnachten gehört die traditionelle Dekoration, besonders der Adventkranz, dazu. Darauf sollen unsere Kunden auch heuer nicht verzichten müssen.“

Ebenfalls für seine Kunden da sein möchte „Let‘s Do It Fabris“. Hier wird es, wie schon im Frühjahr, einen Zustellservice geben. In den vergangenen Tagen haben die Kassen im Fachmarkt für Handwerksbedarf in Purgstall so geklingelt wie nie um diese Jahreszeit. Der November, sagt Wolfgang Fabris, sei einer der schwächsten Monate im Jahr. Nicht so heuer: „Es hat viele Vorziehkäufe gegeben. Werkzeug, Farben und Lacke waren die Hauptthemen.“ Nach einer hervorragenden Sommersaison geht Fabris gefasst in den Lockdown. „Wir haben Glück. Die Menschen haben heuer sehr viel für Haus und Garten ausgegeben. Anderen Branchen geht es nicht so gut.“

 „Hatte gehofft, dass wir den harten Lockdown abwenden können. Doch scheinbar geht es ohne strikte Vorgaben nicht.“ Erika Pruckner, Bezirksobfrau der Wirtschaftskammer

 „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass wir den harten Lockdown abwenden können. Doch scheinbar geht es ohne strikte Vorgaben nicht“, bedauert Erika Pruckner, Bezirksobfrau der Wirtschaftskammer Scheibbs. Dass dieser Lockdown für den heimischen Handel zu einer denkbar ungünstigen Zeit kommt, stehe außer Frage, auch wenn die Umsatzersatzleistungen und die schnelle Auszahlung durchaus positiv von den Unternehmen aufgenommen werden. „Ich bitte aber alle Kunden, gerade jetzt den heimischen Handel zu unterstützen und die Weihnachtseinkäufe nicht bei Amazon oder sonstigen Internetriesen zu tätigen, auch wenn es bequem ist. Wenn schon online einkaufen, dann zumindest bei heimischen Unternehmen oder noch besser, man wartet bis zum Ende des Lockdowns im Dezember. Die heimischen Kaufleute würden sich darüber freuen“, appelliert Erika Pruckner.

Apropos Dezember: Der könnte für den Handel eine besondere Herausforderung werden, da viele in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten noch Geschenke besorgen wollen. „Schon im Mai nach dem ersten Lockdown verspürten wir einen gewissen Nachholbedarf, aber der Mai ist traditionell ein ruhigeres Monat. Im Dezember könnte es da etwas stressiger werden – hoffen wir zumindest“, sagt Richard Pemsel.