Wieselburger Festival: „Bands sind oft Glücksgriff“

hiesige&dosige Das Weltmusikfestival feiert sein 20-jähriges Jubiläum mit vielen temperamentvollen Musikern.

Erstellt am 27. Juli 2019 | 03:47
Lesezeit: 8 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7639130_erl30wbg_hiesige.jpg
Das halle2-Team mit Hubert Seiringer, Gudrun Vösenhuber, Georg Bauer, Julia Taubinger, Bürgermeister. Sepp Leitner, Gerd Palmetzhofer, Thomas Unger und Peter Brandstetter freut sich auf die 20. Auflage von hiesige&dosige im Wieselburger Schlosspark. „Wir wollen bei den ‚freiwilligen Spenden‘ statt festgesetzten Eintrittspreisen bleiben. Das heißt aber nicht, dass der Eintritt frei ist – und wir hoffen natürlich, dass uns das Publikum mit Spenden kräftig unterstützt“, betont Obmann Hubert Seiringer.
Foto: Franz Willatschek

NÖN: Das 20. Weltmusikfestival hiesige&dosige naht. Ist das für Sie auch ein Anlass, um zurückzublicken?

Anzeige

Hubert Seiringer: Natürlich, wir haben die einzelnen Veranstaltungen in vielen Gesprächen Revue passieren lassen. Ich hab mir auch die Mühe gemacht, alle Bands, die zu Gast waren – inklusive jener, die heuer mit dabei sein werden – aufzulisten: Es sind sage und schreibe 127 – und nur ein einziger Bandname steht zwei Mal auf der Liste: nämlich der von Fanfare Ciocărlia. Die zwölfköpfige Balkan Brass Band aus Rumänien – sie ist auch auf dem aktuellen Plakat zu sehen – hat 2001 bei hiesige&dosige für einen Knalleffekt gesorgt. Dieser Musikstil war für unsere Ohren damals völlig unbekannt. Heuer zum Jubiläum wollten wir diese Gruppe – die das Publikum damals so begeistert hatte – noch einmal haben.

 „Wir sind eng befreundet und machen das Festival zu unserem eigenen Vergnügen – das macht es so besonders.“Hubert Seiringer 

Wenn man die Liste der Bands, die in den zwei Jahrzehnten bei hiesige&dosige gespielt haben, anschaut, findet man viele Musikgruppen, die seither eine steile Karriere hingelegt haben. War das Zufall, immer wieder echte Newcomer zu präsentieren?

Seiringer: Für mich persönlich ist die Auswahl der Bands eine unheimlich wichtige Sache, die ich mit großer Leidenschaft und enormem Aufwand durchführe. Ich sitze im Winter viele, viele Stunden und höre mir Bands an. Ich hatte immer ein Gespür für diese Auswahl – und natürlich auch Glück. Auf so manche Entdeckung bin ich Jahre später noch stolz: Das absolute Highlight für mich waren diesbezüglich LaBrassBanda, die bei der zehnten Auflage von hiesige&dosige im Schlosspark gespielt haben. Sie sind mittlerweile sehr bekannt und bekommen eine Gage, die wir uns niemals leisten könnten. Mit ihrem Auftritt damals haben sie irgendwie auch die Weichen für die Zukunft unseres Festivals gestellt. Denn eigentlich hatte ich vor dem 10-Jahres-Jubiläum mit dem Gedanken gespielt, hiesige&dosige zu den Akten zu legen und damit aufzuhören. Nach den zwei Tagen im Park – mit dem fulminanten Gastspiel von LaBrassBanda – trafen wir die Entscheidung, weiterzumachen.

Warum wollten Sie dieses Weltmusikfestival, dass vom ersten Tag an so gut angekommen ist, aufgeben?

Seiringer: Es ist mir damals fast über den Kopf gewachsen. Der Organisationsaufwand wurde immer größer und wir hatten den Anspruch, von Jahr zu Jahr etwas Neues zu bieten und das Publikum immer wieder zu überraschen. Die Veranstaltung ist enorm gewachsen. Das erste hiesige&dosige im Jahr 2000 war aus einer spontanen Idee entstanden. Wir haben es dank unseres sehr verlässlichen Freundeskreises relativ kurzfristig auf die Beine gestellt und konnten mit 600 begeisterten Besuchern einen echten Erfolg verzeichnen. Das spornte uns an, die Idee intensiv weiterzuverfolgen und schon 2001 boten wir ein umfangreicheres Programm. Wir haben uns laufend gesteigert, einerseits hinsichtlich der Qualität, und andererseits bei den Besucherzahlen. Im Vorjahr gab es dann einen absoluten Rekord mit insgesamt mehr als 6.000 Besuchern an beiden Tagen. Damit haben wir die Zahl der Menschen, die wir erreicht haben, verzehnfacht.

Gab es – trotz des Erfolges – in all den Jahren auch negative Erlebnisse, Enttäuschungen oder Rückschläge?

Seiringer: Echte Rückschläge gab es glücklicherweise nicht. Das Wetter hat uns schon ein paar Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Ernüchterndste war, als wir 2014 nach einem sensationellen Auftakt am Freitag, das Konzert am Samstagabend wegen eines Unwetters abbrechen mussten. Schwierig war für uns auch der Auftritt von Russkaja, der damals wetterbedingt in der viel zu kleinen Erlauftalhalle stattfand, die zum Bersten voll war und wo eine gewisse Unruhe herrschte. Seither schauen wir besonders darauf, welches Publikum man mit welchen Bands anzieht.

Gibt es ein simpel zusammengefasstes Erfolgsrezept?

Seiringer: Unser Erfolgsrezept ist, dass wir innerhalb des Vereins sehr gut befreundet sind. Wir machen das Fest noch immer mit dem Ziel, selbst Spaß daran zu haben und es gibt zahlreiche Freunde, die ehrenamtlich mithelfen – beim Aufbau, bei den Bars, bei der Betreuung der Künstler, beim Wegräumen am Sonntag danach. Ich bin allen, die zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen haben, sehr dankbar – ganz besonders auch meiner Frau Susi, die in all den Jahren für hiesige&dosige Enormes geleistet hat. Und das war nicht immer einfach, weil anfangs ja auch die Kinder klein waren. Mittlerweile sind unsere Tochter Rosa und die beiden Söhne Valentin und Xaver ein sehr wichtiger Teil von hiesige&diosige und übernehmen viele Aufgaben. Dass sie in diese Sache so hineingewachsen sind und unsere Begeisterung weitertragen, ist unglaublich schön und motivierend.

Für das Festival hiesige&dosige hat die halle2 mittlerweile wertvolle Unterstützung, wie gestaltet sich diese?

Seiringer: Hätte ich nicht seit 2014 Unterstützung bei der Organisation im administrativen Bereich, dann hätte ich vermutlich irgendwann das Handtuch geworfen. Die über das ganze Jahr verteilten, erforderlichen Vorbereitungen hätte ich einfach nicht mehr bewältigt. Die Auswahl der Bands mache ich nach wie vor selbst. Viele organisatorische Aufgaben konnte ich aber abgeben. Seit 2018 gibt es eine Mitarbeiterin des Verkehrsvereins, die sich im Vorfeld um Vieles kümmert und von der Gemeinde Wieselburg bezahlt wird. Ohne die finanzielle Unterstützung von Sponsoren und in Form von Förderungen – von unseren beiden Gemeinden, dem Land und dem Bund – wäre hiesige&dosige völlig undenkbar. Trotz enormer Eigenleistungen sind die Kosten im Laufe der Jahre natürlich schon gestiegen. Aber wir achten sehr darauf, jeden verfügbaren Euro in Qualität zu stecken. Und ich denke, wir haben mit dem hiesige&dosige-Festival etwas geschaffen, worauf nicht nur die halle 2, sondern ganz Wieselburg stolz sein kann.