(Lebens-)Hilfe für JUFA Hotel. Das Hotel JUFA am Hochkar setzt auf hoch engagierte Mitarbeiter – und zwar Klienten von der Lebenshilfe Merkenstetten.

Von Kathrin Vogelauer. Erstellt am 29. September 2019 (03:24)
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Johannes Obermüller, Klient der Lebenshilfe- Werkstätte Merkenstetten, brät in der Küche des JUFA Hotels Speck für das Frühstück an.
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Ob als Servicekraft im Speisesaal, im Garten zum Rasenmähen, in der Küche oder im Housekeeping – das JUFA Hotel am Hochkar hat ausgezeichnetes Personal – und zwar von der Lebenshilfe Werkstätte Merkenstetten.

Die Kooperation besteht seit Dezember 2018, wobei anfänglich drei Klienten im Hotel arbeiteten. Aufgrund hoher Zufriedenheit und reibungslose Zusammenarbeit wurde schon bald auf sechs Mitarbeiter aufgestockt. Um einen ersten Eindruck zu bekommen, dürfen die Klienten zu Beginn in allen Bereichen des Hotels, sprich im Service, in der Tätigkeit des Küchenpersonals sowie in der Zimmerreinigung, schnuppern.

Anschließend entscheiden sie eigenständig, wo sie gerne eingesetzt werden möchten. „Zweimal pro Woche sind unsere Leute zum Arbeiten hier. Ich hole sie in der Früh von zuhause ab und um halb neun sind wir im Hotel“, erklärt Csilla Mireisz, die als Betreuerin vor Ort zur Verfügung steht. „Es ist wunderschön, mitanzusehen, wie das Personal einander unterstützt und sich gegenseitig hilft. Es fühlt sich an wie eine Familie.“

„Ich arbeite selbstständig eine Liste von Tätigkeiten ab, die an diesem Tag erledigt werden sollen.“Johannes Obermüller, Lebenshilfe-Klient

JUFA Hoteldirektor Jürgen Cvitkovic zeigt sich im NÖN-Gespräch überaus zufrieden: „Unser Personal kommt bei den Gästen sehr gut an. Es gab auch mit den anderen Hotelangestellten noch nie ein Problem. Die Zusammenarbeit klappt einwandfrei und ich bin sehr glücklich. Eine Eingewöhnungsphase gab es praktisch nicht, es funktionierte gleich ruck zuck.“

Aufgrund des Erfolges der Kooperation wird überlegt, noch einen dritten Tag einzuführen, an dem die Lebenshilfe-Klienten im Hotel arbeiten. Hoteldirektor Cvitkovic kann auch anderen Betrieben solch ein Projekt mit der Lebenshilfe wärmstens empfehlen. Es sei ihm persönlich ein Anliegen, dass die Klienten unter „normalen“ Bedingungen arbeiten können. Außerdem könne er sich sehr gut vorstellen, jemanden fix als Arbeitskraft einzustellen. Der geregelte Arbeitsalltag stärkt erfahrungsgemäß die Persönlichkeit und die Mitarbeiter werden mutiger und selbstbewusster.

Über die reibungslose Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Werkstätte Merkenstetten freut sich JUFA Hoteldirektor Jürgen Cvitkovic (links). Als Betreuerin vor Ort unterstützt Csilla Mireisz die Klienten.
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„Um 7.15 Uhr werde ich beim Billa in Gresten abgeholt. Oben angekommen, fange ich gleich an, das Frühstück für den nächsten Tag herzurichten. Danach arbeite ich selbstständig eine Liste von Tätigkeiten ab, die an diesem Tag erledigt werden sollen, wie zum Beispiel Zwiebel schneiden oder Erdäpfel schälen“, schildert Lebenshilfe-Klient Johannes Obermüller seinen Alltag. „Ich bin sehr neugierig und helfe, wo ich kann. Durch meine Eltern, die selbst ein großes Gasthaus führen, konnte ich schon einiges an Erfahrung mitbringen.“ Um 13.30 Uhr ist der Dienst beendet und die Betreuerin Csilla Mireisz fährt die Mitarbeiter wieder nach Hause.

Isabella Karner, Klientin der Lebenshilfe-Werkstätte Merkenstetten, beim Geschirr-Abtrocknen. Die Arbeit im Hotel macht ihr enorm viel Spaß und sie möchte noch lange dort bleiben.
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In der Kooperation wird der Grundsatz vertreten, dass Arbeit für jeden möglich ist. Die Menschen erleben dadurch Sinnstiftung, können sich weiterentwickeln und erfahren Anerkennung. Erich Planitzer, Einrichtungsleiter der Lebenshilfe- Werkstätte Merkenstetten, erklärt im NÖN-Gespräch: „Beim Wunsch des Klienten, in der freien Wirtschaft zu arbeiten, unterstützen wir ihn selbstverständlich. Wie man durch die Zusammenarbeit mit JUFA sieht, funktioniert die Inklusion in Betrieben von Menschen mit intellektuellen Handicaps ausgezeichnet.“

Planitzer betont auch, dass es viele weitere potenzielle Klienten gäbe, die an einem anderen Arbeitsplatz, außerhalb der Werkstätte Merkenstetten, interessiert wären. Der Herausforderung, einer solchen Tätigkeit nachzugehen, sind viele Klienten gewachsen.