Oberndorf/Melk: Bienen brauchen ihren Honig selbst. Durch das kalte Frühjahr können die Bienen nicht so oft ausfliegen und weniger sammeln. Blütenhonig-Ernte fällt gering aus.

Von Karin Katona. Erstellt am 04. Juni 2021 (07:59)
Bio-Imker Harald Fuchssteiner aus Oberndorf beobachtet seine Bienen stets sehr genau. Wenn diese nicht genug ausfliegen können, könnte es sein, dass sie eine neue Königin züchten und ausschwärmen.
privat, privat

Normalerweise würde Bio-Imker Harald Fuchssteiner aus Oberndorf um diese Jahreszeit schon den Blütenhonig seiner 100 Bienenvölker schleudern. Doch die Blütenhonig-Ernte wird heuer sehr mager ausfallen, wie der Imker weiß: „Durch das kalte Wetter können die Bienen nicht so oft ausfliegen. Sie brauchen derzeit aber die Nahrung für die Volksentwicklung. Wenn ich ihnen den Honig wegnehme, verhungert die Brut und das ganze Volk.

Voraussichtlich wenig Blütenhonig

Andere Imker, erzählt Fuchssteiner, müssen sogar zufüttern. Viele werden wahrscheinlich gar keinen Blütenhonig schleudern können. Umso mehr setzen die Honigproduzenten jetzt auf den Waldhonig. In wenigen Wochen beginnt der Wald, wie Bienenspezialisten sagen, zu „honigen“ und die Waldhonig-Ernte kann beginnen. „Bis dahin wird es wohl schön werden und die Bienen können ausfliegen“, hofft Fuchssteiner. „Dann haben wir wenigstens einen guten Ertrag beim Waldhonig, der in unserer Region ohnehin den Großteil der Honigernte ausmacht.“

Gesundheitlich leiden die Bienen unter dem kalten Wetter nicht. Ganz im Gegenteil: „Die Volksentwicklung ist sehr gut, beinahe auf ihrem Höhepunkt“, erklärt Imker Fuchssteiner. Was aber auch nicht immer gute Auswirkungen hat.

„Wenn die Bienen viel daheim sind, kommen sie auf allerhand Ideen“, lacht Harald Fuchssteiner. Will heißen: Die Bienen bereiten sich aufs Ausschwärmen vor.„Das merkt man daran, dass die Bienen versuchen, sich eine neue Königin zu züchten“, schildert der Bio-Imker. „Das sieht man an den sogenannten ‚Weisel-Zellen‘, den Königinnen-Zellen, die größer sind als die Brutzellen für Arbeiterinnen.“ Ist die neue Königin geschlüpft, sammelt sich ein Teil des Volkes um sie, bildet einen Schwarm, der den Stock verlässt, um anderswo ein neues Volk zu gründen. Etwas, was der Imker natürlich verhindern will.

„Finder“ darf neuen Schwarm behalten

„Die Weiselzellen zu zerstören, bringt auf Dauer nichts“, erklärt Harald Fuchssteiner. Er teilt das Volk daher rechtzeitig vor dem Ausschwärmen, macht sogenannte „Ableger“, also ein zweites Bienenvolk. Dennoch lasse sich das Schwärmen nicht immer verhindern. „Wenn jemand einen Bienenschwarm findet, bitte nicht die Feuerwehr rufen, sondern einen Imker. Meldet sich binnen 24 Stunden kein Besitzer, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass derjenige den Schwarm behalten darf, der ihn eingefangen hat.“