Bezirksärztevertreter Karl Brandstetter: „Wir brauchen eine Lösung“

Bezirksärztevertreter Karl Brandstetter über Impfplicht und Patienten-Aufklärung.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 04:32
Lesezeit: 1 Min
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Bezirksärztevertreter Karl Brandstetter aus Purgstall.
Foto: www.michaelschafranek.at

NÖN: Was sagen Sie zum derzeit viel diskutierten Thema Impfpflicht?

Karl Brandstetter: Wir müssen zuerst einmal Fakten schaffen: Haben wir eine ausreichende Durchimpfungsrate? Daraus entscheidet sich, ob wir eine Impfpflicht brauchen. Wir brauchen eine Durchimpfungsquote von 85 Prozent, wie etwa bei der Masern-Impfung. Und davon sind wir weit entfernt.

Das heißt, wir müssen über die Corona-Impfpflicht reden?

Wir müssen nicht nur darüber reden. Die Zeit, darüber zu reden, ist vorbei. Jetzt muss endlich etwas passieren. Wenn es nur mit einer Impfpflicht geht, dann brauchen wir eben eine Impfpflicht.

Was sagen Sie Patienten, die gegen die Impfung Bedenken äußern?

Brandstetter: Ich gehe natürlich ein auf ihre Sorgen, frage nach, wo genau die Zweifel liegen. Wenn es um eine Diskussion auf wissenschaftlicher Ebene geht, kann ich die Patienten aufklären. Bei manchen abstrusen Argumenten weiß ich aber auch nicht, was ich sagen soll.

Warum wird gerade die Corona-Impfung so angezweifelt?

Dadurch, dass die Menschen heute so viel Zugang zur Wissenschaft mit teilweise widersprüchlichen Ansätzen und Halbwahrheiten haben, leidet das Vertrauen in die Wissenschaft. Man muss darauf vertrauen, dass hier Menschen nach bestem Wissen und Gewissen forschen, um anderen zu helfen.

Manche Menschen wollen mit der Impfung auch noch zuwarten – was sagen Sie dazu?

Worauf soll man warten? Wir haben jetzt ein Problem und brauchen jetzt eine Lösung. Man muss eine Entscheidung treffen und sie dann vertreten. Was meiner Meinung nach viel zu wenige sehen: Die Impfung ist ein solidarischer Akt, auch anderen gegenüber. Auch Geimpfte können andere anstecken, aber nach derzeitigen Erkenntnissen nicht so stark. In bestimmten Situationen muss man auf andere schauen und nicht nur auf sich selber.

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