Ploderer: „Ich habe es bis zum Schluss gern gemacht“. Bürgermeister Martin Ploderer spricht nach seinem Rücktritt über seine größten Herausforderungen sowie seine Visionen für das Bergdorf Lunz.

Von Claudia Christ. Erstellt am 04. Juli 2019 (10:01)
NÖN, Eplinger
Martin Ploderer

NÖN: Sie haben nach 19 Jahren mit 30. Juni das Amt als Bürgermeister in Lunz zurückgelegt. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Martin Ploderer:
Es war schon eine sehr prägende Zeit für mich. Mein Rückzug war ein gut überlegter und lang geplanter Schritt. Ich habe während all dieser Jahre viel gelernt und Erfahrungen gesammelt, die weit über ein Berufsleben hinhausgehen. Ich kann aus vollem Herzen sagen: Ich habe es bis zum letzten Tag sehr gerne gemacht.

Am 5. Juli wird bei der Gemeinderatssitzung Josef Schachner von Ihrer Fraktion für die Wahl zum neuen Bürgermeister vorgeschlagen. Ist er auch Ihr Wunschkandidat?
Josef Schachner ist ja bereits einige Jahre in der Gemeindepolitik und in den vergangenen sieben Jahren als Vizebürgermeister tätig gewesen. Er hat schon bei einigen wichtigen Projekten, wie dem Lunzer Platzl und der Töpperbrücke, die Regie geführt und hat sich in die Aufgaben des Bürgermeisters schon eingearbeitet. Er ist ein langjähriger, persönlicher Freund, der unseren erfolgreichen Weg für die Gemeinde sicher mit großem Engagement weitergehen wird. Generell halte ich es jedoch so, dass sich der scheidende Bürgermeister nicht in die künftigen Personalentscheidungen einzumischen hat.

Sie haben mit Ihrem Amtsantritt im Jahr 2000 einen Farbwechsel in Lunz vollzogen. Nun stehen im Frühling die nächsten Gemeinderatswahlen an. Könnte diesmal der SPÖ der selbe Clou gelingen.
Wir werden sehen, was passiert. Meine Devise war jedoch immer, dass man sich auf die eigenen Stärken konzentrieren muss, dabei aber die Konkurrenz nicht unterschätzen darf.

Wie haben Sie über die Jahre hinweg die Zusammenarbeit mit der Oppositionspartei gefunden?
95 % der Beschlüsse haben wir gemeinsam gefasst. Die Zusammenarbeit mit der SPÖ war über all die Jahre gut. Natürlich gab es bei einigen Projekten, wie dem Ybbstal-Radweg da hat die SPÖ einheitlich dagegen gestimmt – und der Seebühne im Vorfeld mächtigen Widerspruch. Wenn ich von einer Sache überzeugt war, dann war ich immer besonders motiviert, das Projekt voranzutreiben.

Werden Sie ein Altbürgermeister sein, der sich öfter im Gemeindeamt sehen lassen wird?
Ich werde ein Altbürgermeister sein, der sich sicherlich nicht in die politischen Geschäfte einmischt. Natürlich möchte ich auch künftig meine freundschaftlich verbundenen, langjährigen Kollegen öfters mal auf einen Kaffee besuchen.

In Ihrer Amtszeit hat sich Lunz zu einem Tourismusort entwickelt. Wie zufrieden macht das?
Ich bin schon sehr stolz, was wir in dieser Zeit geschafft haben. Wir haben den Trend zum sanften Tourismus rechtzeitig erkannt und alle Investitionen in diese Richtung gelenkt. Unser Kapital ist die Landschaft mit dem Bergsee. Wir finden hier eine hervorragende Lebensqualität vor. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich aufstehe und die Berge und den See sehe. Wir haben in Lunz einfach alles, was man zum Leben braucht. Das schätzen unsere Gäste, wie auch die Statistik zeigt, denn in den letzten 15 Jahren hat sich die Anzahl der Nächtigungen verdoppelt.

Das ist natürlich sehr erfreulich, aber wann ist die Grenze der Kapazität für Lunz erreicht?
Eines ist klar, wir dürfen natürlich nicht zum Ort für den Massentourismus werden, sondern wollen uns als Kultur- und Bergsteigerdorf präsentieren. Unsere Kapazitätsgrenzen sind bereits jetzt an Spitzentagen im Sommer erreicht.

In die Zukunft geblickt, wo sehen Sie Lunz in 10 Jahren bzw. was wünschen Sie sich für Ihren Ort?
Da gibt es vieles. Zuerst ist es wichtig, dass die Bildungsstätten wie Volks- und Neue Mittelschule sowie die Wirtschaftsbetriebe im Ort bestehen bleiben. Heute kann ich 95 Prozent des täglichen Bedarfs im Lunz einkaufen. Das muss auch in der Zukunft bleiben. Ich wünsche mir, dass das touristische Potenzial natürlich in Bezug auf die finanzielle Lage der Gemeinde weiter verbessert wird und dass alle Lunzer Liegenschaften an das Glasfasernetz angeschlossen werden, denn um diese Infrastruktur werden künftig noch viele beneiden.

Was waren Ihre fünf Highlights in ihrer Amtszeit?
Das war sicherlich ganz zu Beginn meiner Amtszeit der Seeuferweg. Das Projekt war damals in einem halbstündigen Gespräch mit Forstmeister Hans Peter Kuppelwieser beschlossene Sache. Heute ist der See bis auf 70 Meter mit einem Gehsteig für Spaziergänger begehbar. Als sehr schwieriges Projekt bleibt mir sicherlich der Wassercluster in Erinnerung. Nur durch großen Einsatz und der Kooperation mit Freunden aus der Wissenschaft sowie Landeshauptmann Erwin Pröll ist es uns gelungen, die Abwanderung dieser internationalen Forschungsstätte zu verhindern. Bedeutende Projekte waren auch die Seebühne, die Renovierung des Amonhauses sowie das Haus der Wildnis, dessen Grundsteinlegung unmittelbar bevorsteht.

Sie sind immer sehr offensiv mit den Medien umgegangen und haben sogar einen eigenen Blog installiert. Was wird nun daraus?
Ich finde, es ist die Aufgabe eines Bürgermeisters, mit den Medien zu kommunizieren. Das ist mir, glaub ich, sehr gut gelungen. Ja, der Blog hat sich seit Beginn an im Jahr 2010 als gutes Informationsmittel erwiesen. Insgesamt gab es seit Beginn zwei Millionen Seitenaufrufe. An Spitzentagen wie meiner Rücktrittserklärung waren es 959 Zugriffe. Am 30. Juni wird mein letzter Eintrag sein.

Wie werden Sie Ihren ersten Tag als „richtiger“ Pensionist verbringen?
Ich werde mit meiner Frau gemütlich frühstücken und dann die Aufgabe meiner Enkelin, täglich mit ihr zu Spielen besonders erst nehmen. Außerdem steht Wandern, Bergsteigen und Fotografieren sowie Holzfiguren schnitzen auf meiner Liste. Langweilig wird mir bestimmt nicht.