Johann Seper: „Hängen von AGES-Dateneingabe ab“. Scheibbser Bezirkshauptmann Johann Seper über das „Osterwunder“ und die weitere Vorgangsweise.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 07. April 2021 (05:12)
NOEN

NÖN: Wie kann es das geben, dass man am Mittwoch und Freitag der Vorwoche jeweils eine Bezirksinzidenz von 446,7 aufwies, seit Samstag sogar über 500 liegt, aber just am Gründonnerstag, dem siebenten Tag in Folge, mit 386,3 unter die 400er-Inzidenz sank? Wie erklärt man dieses „Osterwunder“? Es kursieren schon Gerüchte, dass positive Tests zurückgehalten wurden oder im Bezirk weniger getestet wurde?

Johann Seper: Diese Gerüchte kann ich entschieden zurückweisen. Das Gegenteil war der Fall. Unser Bezirk testet seit einer Inzidenz von 300 generell wesentlich mehr und besonders traf dies auch auf die Karwoche zu. Außerdem können wir keinen Einfluss darauf nehmen, welche Daten im Dashboard der AGES des Bundes letztendlich enthalten sind. Wird nämlich etwa der Bezirksbehörde vom Labor ein positiver Covid-Befund übermittelt, dann ist der Fall bereits automatisch im EDV-System erfasst.

Es ist also auch Zufall, dass just am 3. April 179 positive Tests für den Testtag 31. März nachgemeldet wurden. Waren da welche aus dem Bezirk dabei? Es haben ja nur sechs positive Fälle gefehlt und die Ausfahrtskontrollen wären ab Karfreitag Realität gewesen?

Seper: Dazu kann ich keine Angaben machen. Das ist Sache der AGES. Wir haben als Behörde jedenfalls keinerlei Nachmeldungen vorgenommen, sondern wir arbeiten die einlangenden Befunde – ob positiv oder negativ – nach den Bundes- und Landesvorgaben täglich ab. Das Sinken unter die 400er Marke vorigen Donnerstag war demnach reiner Zufall, zumal die Tageswerte doch erheblich schwanken.

Im Bezirk Braunau (OÖ) ordnete der Bezirkshauptmann freiwillig seit Ostermontag Ausreisekontrollen an, obwohl man erst drei Tage über der 400er-Inzidenz lag. Überlegen Sie nun auch, die Kontrollen auf alle Fälle einzuführen, wenn die Inzidenzwerte im Bezirk weiter hoch bleiben?

Seper: Vom Minister gibt es die klare Vorgabe mit den sieben Tagen durchgehend. Neben den bei uns erfolgten Appellen an die Bevölkerung etwa mit Postwurfsendungen, den verschärften Polizeikontrollen oder den erhöhten Testmöglichkeiten steht uns diese weitere, sehr massive Maßnahme wohl unmittelbar bevor. Weitere Abklärungen sind im Laufen.

Rechnen Sie, dass der Scheibbser Bezirk diese Woche nochmals unter die 400er-Inzidenz fällt?

Seper: Das lässt sich schwer voraussagen, wie man gesehen hat. Wir haben noch einen relativ niedrigen, aber auch zwei höhere Tageswerte in der Sieben-Tages-Inzidenz. Aber es kann ohnehin sein, dass man sich angesichts der hohen Zahlen in der Ostregion zu einer Verschärfung der Vorgaben oder Maßnahmen entschließt.

Der Bezirk wäre jedenfalls für den Fall der Fälle optimal gerüstet?

Seper: Ja. Die fertigen und mit der Polizei abgestimmten Einsatzpläne für die stichprobenartigen Ausreisekontrollen liegen bei uns in den Schubladen. Auch mit den Bürgermeistern, dem Roten Kreuz sowie den großen Betrieben, die selbst Teststraßen betreiben, ist die mögliche Ausweitung der Testkapazitäten abgesprochen. Wir werden kurzfristig zusätzliche Testzentren schaffen. Unsere Vorarbeit ist getan. Wir sind gerüstet. Aber auch die Bevölkerung muss sich darauf einstellen. Denn die Ausfahrtskontrollen und das zusätzliche Testen werden uns viele Wochen, wenn nicht Monate in Beschlag nehmen.