In Randegg kocht die Volksseele. ORF-Bericht „Am Schauplatz Gericht“ sorgt für Ärger in der Region. Morddrohungen gegen Bürgermeisterin Fuchsluger.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 01. Dezember 2014 (12:55)
Vizebürgermeister Josef Tatzreither, Umweltgemeinderat Johann Wurzenberger und Jugendgemeinderat Matthias Repper starteten mit weiteren Proponenten - darunter ÖVP-Abgeordneter Anton Erber und SPÖ-Obmann Bernhard Wieland - eine Unterschriftenaktion gegen den ORF.
NOEN, Christian Eplinger/NÖN
Seit der Ausstrahlung der ORF-Sendung „Am Schauplatz Gericht“ am 20. November gehen in Randegg und den Nachbargemeinden die Wogen hoch. In den Tagen danach hagelte ein wahrer „Shitstorm“ auf die Gemeinde Randegg und das ebenfalls im Beitrag erwähnte „Panoramastüberl“ ein.



Untergriffige Briefe, E-Mails und Eintragungen im Gästebuch der Gemeinde-Hompage veranlassten Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger dazu, dieses im Laufe der Vorwoche zu sperren.

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NOEN, Eplinger 2/privat
Vera und Wolfgang Resch, seit 2008 Pächter und seit 2010 Besitzer des Panoramastüberls, erhielten neben zahlreichen Stornierungen auch Drohungen. „Passt‘s auf, was Ihr tut, sonst wird Euer illegaler Bau in die Luft gesprengt“, war in einer solchen Drohung zu lesen.

„Falsche und unseriöse Berichterstattung“

Das Ganze gipfelte am Freitag in anonymen Morddrohungen gegen Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger und ihren Vorgänger Engelbert Wieser.

Ausgelöst durch eine „völlig falsche und unseriöse Berichterstattung“ in der Angelegenheit Leopold und Maria Wagenhofer, wie im Einleitungstext einer in den letzten Tagen von einem Personenkomitee unter der Führung von Vizebürgermeister Josef Tatzreither und Umweltgemeinderat Johann Wurzenberger gestarteten Unterschriftenaktion.

„Es ist tragisch, wie weit es durch solch eine verzerrte Berichterstattung schon gekommen ist“, sagt auch Bezirkshauptmann Johann Seper. Inzwischen ist die Landespolizeidirektion eingeschaltet und ermittelt in Sachen Morddrohungen.

„Höchstgerichte gaben Behörden immer recht“

Die im ORF-Bericht geäußerten Vorwürfe gegen die Vorgehensweise der Behörden werden von diesen entschieden zurückgewiesen.

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NOEN, privat
„Es gibt sowohl in puncto Zufahrtsstraße, den bau- und gewerberechtlichen Bewilligungen des Panoramastüberls und der Flächenwidmung entsprechende Gutachten des Landes beziehungsweise sogar höchstgerichtliche Entscheidungen, in denen der Familie Wagenhofer nie recht gegeben wurde. Diese wurden im ORF-Bericht aber in keinster Weise erwähnt, sodass ein völlig falsches Bild über das Gemeindegeschehen in Randegg gezeichnet wurde“, erklärt Bürgermeisterin Claudia Fuchsluger. Sie erwartet sich eine „Richtigstellung“ in der nächsten Sendung „Am Schauplatz Gericht“.

„Räumungseinsatz von Staatsanwaltschaft angeordnet“

Auch in puncto Räumungseinsatz durch die Cobra und Sperre des Wohnhauses hätte sich die Gemeinde nichts vorzuwerfen.

„Das wurde von der Staatsanwaltschaft angeordnet und beim Gebäude war eindeutig Gefahr im Verzug. Die Sperre war unumgänglich. Hier eine Frist einzuräumen wäre fahrlässig gewesen“, widerspricht Fuchsluger den Aussagen von Wagenhofers Rechtsanwalt Egmont Neuhauser im ORF-Bericht. Ansonsten beruft sich Fuchsluger in dieser Angelegenheit auf die Amtsverschwiegenheit.

Denn es läuft aktuell in dieser Sache noch eine Amtshaftungsklage von Leopold Wagenhofer gegen Fuchsluger. Eine von vielen Klagen, mit denen sich Wagenhofer in den letzten 20 Jahren nicht viele Freunde in Randegg gemacht hat.


Die Sendung:

Mit folgender APA-Aussendung bewarb der ORF die Sendung „Am Schauplatz Gericht“ vom 20. November, die unter dem Titel „Angriff aufs Eigentum“ stand:

Der Landwirt W. und seine greise Mutter waren dagegen, dass Besucher der Panoramaschenke am Hochkogelberg in Randegg auf ihrem Grund parken. Die beiden machten sich dadurch viele Feinde. Betreiber der Schenke, die auf „Grünland“ errichtet worden war, war der damalige Bürgermeister von Randegg. Der Streit eskalierte im Oktober 2010: Beamte des Einsatzkommandos Cobra, die sonst eher Terroristen bekämpfen, stürmten das Bauernhaus. Herr W. wurde drei Wochen in einer Landesnervenklinik eingesperrt, seine Mutter wurde gegen ihren Willen in ein Pflegeheim gebracht. Am Haus konstatierte die neue Bürgermeisterin Baumängel und verhängte ein Betretungsverbot. Die Mutter starb bald darauf im Heim, Herr W. übernachtet seither bei Freunden. Sein Erbe kann er auch nicht antreten, weil die Abhandlung der Verlassenschaft sehr stockend erfolgt. Herr W. sagt, dass seine Feinde ihm alles, was ihm lieb war, genommen haben, und fordert Aufklärung und Gerechtigkeit ein.


Zitiert: „Das verdienen die Randegger nicht“

„Ich habe eine halbe Stunde mit dem ORF-Reporter telefoniert, aber schon nach zehn Minuten gemerkt, dass es hier nicht um eine seriöse Berichterstattung geht, sondern um eine Geschichte, die in eine Richtung gehen sollte. Denn meine Argumente blieben allesamt ungehört. Daher habe ich es auch abgelehnt, ein Interview zu geben.“
Engelbert Wieser, Bürgermeister a.D.

„Vonseiten der Bezirksbehörde ist alles korrekt verlaufen. Die von der Familie Wagenhofer bekämpfte Gewerbebewilligung für das Panoramastüberl ist sogar bis zum Verwaltungsgerichtshof gegangen. Besser kann man ein Projekt nicht überprüfen. Alle in die Zuständigkeit der Gemeinde fallenden Entscheidungen (Änderung Flächenwidmung, Baubewilligung Panoramastüberl, Sperre Wohnhaus Wagenhofer) sind nach Mitteilung der Gemeinde rechtskräftig und nahezu alle durch Höchstgerichte überprüft. Das ist in dem ORF-Bericht nicht so abgebildet worden. So ist es leider zu einer sehr subjektiven Darstellung von zwei Personen gekommen, die wüste Beschimpfungen und Drohungen zur Folge hatten. Das haben die Randegger – weder die Gemeindeverantwortlichen noch die Bürger – in keiner Weise verdient.“
Johann Seper, Scheibbser Bezirkshauptmann

„Ich habe mich in einem persönlichen Brief an Dr. Resetarits und die ORF-Redaktion gewandt. Denn ich bin ziemlich entsetzt, wie hier berichtet wurde. Da kann man leicht den Eindruck bekommen, hier wurde das Gesetz mit Füßen getreten und der Familie Wagenhofer Unrecht zugefügt. Aber dem ist nicht so. Nur ist es für die Behörden und die Bürgermeisterin schwierig, klare Aussagen zu treffen oder Beweise vorzulegen, da sie in der Fülle der Verfahren der Amtsverschwiegenheit unterliegen. Aber Herr Wagenhofer beziehungsweise sein Anwalt hätten diese Unterlagen und hätten sie dem ORF vorlegen können.“
Peter Krömer, Rechtsanwalt, der die Gemeinde Randegg in den Belangen Wagenhofer vertritt.

„Einen ersten Erfolg haben wir schon erreicht. Der ORF hat den skandalösen Falschbericht über die Familie Wagenhofer zumindest am Sonntag schon von der ORF-TV-Thek genommen. Da wurde wohl der Druck zu groß und man hat ein schlechtes Gewissen.“
Johann Wurzenberger, Gemeinderat

„Das ist in keinster Weise ein Schuldeingeständnis, sondern ganz normal, dass wir die alte Sendung herausnehmen, sobald es eine neue gibt. Wir haben gut recherchiert, fair berichtet und werden an dem Fall dran bleiben. Denn die Verfilzung von Gemeindepolitik und Bausachen ist ein heikles Thema. Daher bin ich gerne bereit, gleich wieder nach Randegg zu kommen, nur dann hätte ich vom Alt-Bürgermeister gern ein Interview.“
Ludwig Gantner, ORF-Reporter „Am Schauplatz Gericht“