Forschung am TFZ Wieselburg: Energie lokal nutzen

Das Microgrid-Forschungslabor gab per Pressekonferenz erfolgreiche Ergebnisse bekannt und startete gleich mit Folgeprojekt.

Erstellt am 01. April 2021 | 04:18
Wieselburg Energie vor Ort direkt nutzen
Stolz auf die Ergebnisse des Microgrid-Forschungslabors (von links): Klaus Nagelhofer (ecoplus), Michael Zellinger (BEST Research), Bürgermeister Karl Gerstl (Wieselburg-Land), Franz Theuretzbacher (FH Wieselburg), Bürgermeister Josef Leitner (Stadtgemeinde Wieselburg) und Stefan Aigenbauer (BEST Research). Foto: Anna Faltner
Foto: Anna Faltner

Ein sehr „romantischer Gedanke“, wie Michael Zellinger (Area Manager von BEST Research) es ausdrückt, hat ihn und seine Kollegen dazu bewogen, zu forschen. Nämlich der, die Welt ein klein wenig zu verbessern, und einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten.

„Wir wollen Energiemanagementtools optimieren, die Energie lokal nutzen, dort wo sie auch entsteht“, erklärt Projektmanager Stefan Aigenbauer seine Intention. Und der wissenschaftliche Leiter des Microgrid-Forschungslabors am TFZ, Michael Stadler, beschreibt den Klimawandel sogar als „Treiber.“ „Wir wollen diesen Effekt einbremsen, ihm entgegenwirken, indem wir ihn angewandt beforschen“, spricht er sein Ziel klar an.

Und genau dazu wurde im Frühjahr 2020 das Microgrid-Forschungslabor am TFZ Wieselburg installiert.

Zur Info: Microgrids (auch zellulare Energiesysteme genannt) können ihren Energiebedarf durch dezentrale Technologien wie Photovoltaik, elektrische Speicher oder Biomasse decken. Dadurch können Kosten und CO2-Emissionen reduziert werden und verschiedene Speicherkonzepte und Regelstrategien sorgen trotz schwankender Energieproduktion für ausgewogene Energiebilanzen.

„Was wir in die Forschung investieren, ist gut investiertes Geld, da es uns allen irgendwann nutzt.“Stadtchef Josef Leitner

Was passiert nun genau am TFZ? Momentan werden die ersten Testläufe eines optimierten übergeordneten Energiemanagementsystems durchgeführt.

„Wir entwickeln Optimierungsalgorithmen, um die Energie vor Ort bestmöglich zu nutzen und um unsere Netze zu entlasten“, betont Michael Zellinger. Deswegen investierte die Stadtgemeinde beim Bau des neuen Feuerwehrhauses (gleich neben dem TFZ) 200.000 Euro in eine Photovoltaikanlage sowie in einen elektrischen Speicher am Technopolstandort Wieselburg.

„Die Gemeinden sind motiviert, da was voranzutreiben. Wir brauchen reale Bedingungen und Messdaten, die wir für unsere Forschung verwenden können. Mittlerweile kennen wir den Strom-, Wärme- und Kältebedarf. All das überwachen wir und können so ein optimales Energieprogramm erstellen“, erklärt Projektmanager Stefan Aigenbauer. Erste Erfolge gibt es: Im ersten Jahr konnten durch die gesetzten Maßnahmen 18 Tonnen CO2-Emissionen reduziert werden.

Diese Erkenntnisse motivierten das Forschungsteam zum Folgeprojekt „Energiegemeinschaften“, das in der Vorwoche gestartet wurde. Konkret: NETSE (Nutzerorientierte Entwicklung von Technologien und Services für Energiegemeinschaften).

Wie der wissenschaftliche Leiter Michael Stadler erklärt, soll das Projekt Gemeinden, öffentlichen Einrichtungen oder kleinen Unternehmen ermöglichen, ihren selbst erzeugten Strom nachbarschaftlich zu tauschen. „Dazu erfassen wir die Daten der Gemeinden, Einrichtungen und Unternehmen. Dabei stellen wir fest, welche Bedürfnisse zur Energienutzung sie haben“, informiert Stadler.

In den nächsten zwei Jahren möchte er dazu Erkenntnisse liefern können. Mit an Bord sind alle relevanten Stakeholder – Energieversorger, Netzbetreiber und natürlich die Gemeinden. Wichtig dafür: Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ist aktuell in Verhandlung und soll den rechtlichen Rahmen schaffen, selbst erzeugten Strom direkt an andere Abnehmer weiterverkaufen zu können.

Das alles bestätigt die beiden Wieselburger Gemeinden, „aufs richtige Pferd“ gesetzt zu haben. Die Stadtgemeinde hat mittlerweile alle fünf Punkte des Programms „e5-Gemeinde“ und ist damit absoluter Energievorreiter. „Darauf sind wir sehr stolz. Das was wir in die Forschung investieren, ist gut investiertes Geld, da es uns allen nutzt“, betont Stadtchef Josef Leitner (SPÖ). Sein Bürgermeisterkollege Karl Gerstl (Wieselburg-Land, ÖVP) ergänzt: „Hier entsteht genau das, was uns in den nächsten Jahrzehnten komplett mit erneuerbarer Energie versorgt.“