Kinderbuch-Autorin Isolde Fehringer: "Kinder sollen sich erkennen"

Kein Kinderbuchkino am 17. November. Autorin Isolde Fehringer im Interview.

Erstellt am 21. November 2021 | 13:12
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Ergotherapeutin Isolde Fehringer hat zwei Kinderbücher über Kinder mit besonderer Reizwahrnehmung geschrieben. Ihre Buchpräsentation am 17. November musste leider wegen Corona abgesagt werden.
Foto: Karin Katona

NÖN: In Ihren Kinderbüchern „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“ und „Die kleine Mimose Mimi“ geht es um Kinder mit besonderer Reizverarbeitung. Was bedeutet der Ausdruck genau?

Isolde Fehringer: Das ist nicht einfach zu erklären. Wir sprechen von drei Basis-Sinnen, die wir uns wie die Wurzeln eines Wahrnehmungsbaums vorstellen müssen: Berührungsempfindung, Tiefenwahrnehmung und Gleichgewichtssinn. Bei manchen Kindern ist einer dieser Sinne über- oder unterempfindlich.

Wie kann man da helfen?

Fehringer: Mit Ergotherapie kann man den Kindern helfen, mit ihrer Reizverarbeitung besser zurechtzukommen. Da ist es wichtig, dass man dem Kind nicht das Schwierige aus dem Weg räumt, sondern ihm hilft, besser damit umzugehen.

Wie kann man das mit Ergotherapie erreichen?

Fehringer: Jede Therapie beginnt mit der Ermittlung der Stärken des Kindes. Es muss wissen, dass es um seiner selbst willen angenommen wird. Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit steht, mit Spiel, Spaß und individuell angepasster Herausforderung die Autonomie des Kindes im Alltag zu erweitern und sein Selbstbewusstsein zu stärken. Durch eigenständiges Handeln soll es Selbstwirksamkeit erfahren.

Und woher kam die Idee mit den Büchern?

Fehringer: Für das Gelingen der Therapie ist es entscheidend, dass wir die Eltern ins Boot holen. Nach vielen, vielen Elterngesprächen habe ich nach einem Medium gesucht, diese Inhalte nach außen zu transportieren. Gemeinsam mit Texter Klaus Ebenhöh und Illustrator Daniel Spreitzer ist das erste Buch, „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“ entstanden. Der kleine Bär ist ein Kind, das sich nicht gut spürt. Die Heldin des zweiten Buches „Die kleine Mimose Mimi“ ist eine kleine Wildgans, die Berührungen ablehnt.

Sind weitere Bücher geplant?

Fehringer: Ein drittes Buch ist im Entstehen: „Der kleine Hasenfuß Leo“. Leo gehört zu den Kindern, die überempfindlich in Bezug auf den Gleichgewichtssinn sind. Sie sind gestresst, wenn sie sich bewegen oder sie bewegt werden. Sie haben das Gefühl, die Bewegung nicht kontrollieren zu können.

Was bedeuten die Bücher für die Kinder?

Fehringer: Sie sollen sich in den Figuren wiedererkennen und merken: „Ich bin nicht allein. Es gibt auch andere so wie mich.“