Scheibbser Aktivistin schrieb 24 Briefe an Politiker. Die Scheibbser Aktivistin Eva Hottenroth schrieb im Advent 24 Briefe an Politiker. Ihr Resümee.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 09. Januar 2021 (04:13)
Eva Hottenroth (49) aus Scheibbs will sich weiter für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen.
privat

NÖN: Sie haben von 1. bis 24. Dezember als Adventkalender tagtäglich einen Brief an einen österreichischen Politiker oder Würdenträger zur Flüchtlingsthematik Moria geschrieben und auf ein „Weihnachtswunder“ gehofft. Hat es eines gegeben?

Eva Hottenroth: Nein, aber ich bin vor allem sehr zufrieden mit der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die das Thema in den letzten Wochen vor Weihnachten bekommen hat. Es haben wirklich sehr viele bedeutende kirchliche Würdenträger, tollerweise auch Kardinal Schönborn, aber auch Bischof Hermann Glettler und Wiens Dompfarrer Toni Faber sowie das Oberhaupt der Evangelischen Kirche und die Spitzen der jüdischen und der muslimischen Glaubensgemeinschaft in Österreich für die Kinder, Frauen und Männer in den griechischen Elendslagern Partei ergriffen. Auf der politischen Seite haben unter anderem Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Vizekanzler Werner Kogler und Justizministerin Alma Zadic einen eindringlichen Appell an die Regierung gerichtet. Alle wichtigen und großen NGOs in Österreich sowie viele Künstler und Wissenschafter haben sich für die Evakuierung der Menschen aus den Elendslagern eingesetzt. Es war ein vielstimmiger, wunderschöner Chor der Mitmenschlichkeit, der mich da sehr zuversichtlich stimmt.

Wie wurde Ihr Adventkalender im näheren Umfeld aufgenommen?

Hottenroth: Ich habe von vielen Freunden sehr positive Rückmeldungen bekommen, was mich sehr freut. Aber auch fremde Menschen haben mir geschrieben und mir ihren Beitrag zum Thema zur Kenntnis gebracht. Auch Firmenbesitzer aus der Region haben sich positiv über meine Aktion Bekannten gegenüber geäußert. Das freut mich besonders, denn die von mir begleiteten Flüchtlinge wären wertvolle Kräfte auf unserem Arbeitsmarkt.

Wer hat Ihnen geantwortet?

Hottenroth: Ich habe von sehr vielen Adressaten Antworten bekommen. Besonders ausführlich haben Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) und der Petzenkirchner EU-Abgeordnete Günther Sidl (SPÖ) geantwortet. Sehr positive Rückmeldungen habe ich auch von den EU-Abgeordneten Monika Vana von den Grünen und Bettina Vollath (SPÖ) gekriegt. Von den ÖVP-Ministern habe ich Schreiben von Innenminister Karl Nehammer, Außenminister Alexander Schallenberg und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger bekommen. Diese waren alle recht ähnlich im Ton gehalten – zuerst ein paar Worte der Anteilnahme und dann eine Reihe von Gründen, warum es leider nicht möglich wäre, Flüchtlinge aufzunehmen.

Wie wird es weiter gehen?

Hottenroth: Da mein ersehntes Wunder ja noch nicht eingetreten ist, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten das Lied der Menschenrechte laut und deutlich weiter singen. Ich habe nun das Vertrauen in die Menschen in Österreich, dass viele die Evakuierung der Menschen aus den Elendslagern Griechenlands von unserer Regierung fordern werden. Unter anderem hat die Ortsbauerngruppe einer kleinen Waidhofner Gemeinde an den Bundeskanzler geschrieben, dass für sie die christlichen Werte sehr wohl in der Not-Hilfe von leidenden Familien bestehen und dass sie auch für diese Werte den Wahlkampf mit „ihrem Sebastian“ bestritten haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Gruppen gibt, die sich – bestärkt durch die klaren Worte der kirchlichen Würdenträger – an ihren Parteiobmann wenden werden und dass ihn diese Welle der Mitmenschlichkeit zum Umdenken bringen wird. Denn eine gute Figur macht die ÖVP-Regierungsspitze mit dieser Eiseskälte und mit diesem starren Beharren sicher nicht. Ein SOS-Kinderdorf-Tageszentrum zu bauen, das erst in einem Jahr fertig ist und nur für 500 der über 2.500 Kinder Platz bieten würde, löst das Problem dieser Kinder in keiner Weise.