Das war das Jahr 2020 im Bezirk Scheibbs

Diese Ereignisse bewegten die Menschen im Bezirk Scheibbs im Jahr 2020:

Erstellt am 28. Dezember 2020 | 05:00
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Der Tag als der Regen kam. Der Starkregen am 21. Juni sorgt vor allem in Wieselburg und Oberndorf für enorme Überschwemmungen und zum Teil auch hohe Schäden. 107 Liter pro Quadratmeter regnet es etwa in Wieselburg. Zu viel für die Kanäle. Das Wasser bahnt sich seine eigenen Wege. Der Schaden beträgt alleine in der Stadt Wieselburg 1,1 Millionen Euro. Schon im Sommer laufen daher die ersten Gespräch mit den Nachbargemeinden und dem Land an, um entsprechende Schutzmaßnahmen zu errichten. 2021 soll eine entsprechende Studie ausgearbeitet werden. 
Foto: Heigl

Der Verein „Willkommen – Verein zum Finden einer neuen Heimat“ erhält Anfang März den Scheibbser Kulturpreis verliehen. Bei der offiziellen Dankesrede im vollen Scheibbser Festsaal übt Vereinsobmann Johann Pöcksteiner harsche Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bund und Land. „Ich weiß, ich bin unangenehm. Aber ich will auch unangenehm sein, weil Vieles einfach gesagt werden muss“, betont Pöcksteiner. Die Reaktionen der anwesenden ÖVP-Politiker Anton Erber und Gerhard Karner bleiben nicht aus. Beide verlassen sofort nach Ende des offiziellen Teils den Saal. Im Oktober kommt es im Verein zum Obmannwechsel. Josef Ginner aus Steinakirchen folgt Johann Pöcksteiner.

Kein Angebot für den Scheibbser Lehenhof. Für Wirbel sorgt die Scheibbser Gemeinderatssitzung im August. SPÖ und BUGS bringen einen Dringlichkeitsantrag zur Angebotslegung für das Lehenhof-Areal ein. Die VP-Fraktion stimmt einheitlich dagegen. Der seit 2009 leer stehende Lehenhof, der sich in Besitz der Bundesimmobiliengesellschaft der Stadt Wien befindet, ist auf einer Immobilien-Plattform zum Verkauf ausgeschrieben. Kaufpreis: 2,16 Millionen Euro. SPÖ und BUGS sehen das als einmalige Chance, das Objekt zu erwerben. Als Finanzierungsvarianten können sich die beiden Fraktionen neben einer Fremdfinanzierung auch eine Vermögenspool-Variante vorstellen. Die ÖVP hingegen stimmt aufgrund der finanziellen Lage der Gemeinde und fehlendem Nutzungskonzept oder Mietern einheitlich dagegen. Denn auch die Erhaltungskosten sowie die Revitalisierung des Gebäudes und des angrenzenden Waldgebietes bringen eine zusätzliche finanzielle Belastung mit sich.

Neue Tribüne für Fliederstadion. Im Herbst 2019 startet die SVg ATP Metallbau Purgstall die Sanierung und Erweiterung der Sportplatztribüne sowie den Bau eines neuen Kantinengebäudes samt öffentlichem WC. Gesamtkostenschätzung: 480.000 Euro. 170.000 Euro schießt die Gemeinde zu, 180.000 Euro werden im Namen des Vereins vom Hauptsponsor ATP Metallbau GmbH vorfinanziert. So viel wie möglich möchte der Verein in Eigenleistung beisteuern. Gleich nach Ende der Meisterschaften 2019 wird mit dem Umbau begonnen, zu Beginn der neuen Saison, im März 2020, möchte man fertig sein. Doch alles kommt anders als gedacht: Der Bau verzögert sich durch Corona, kann erst im Juli fertiggestellt werden. Die gute Nachricht: Die ursprüngliche Kostenschätzung kann wesentlich unterschritten werden. Dank der unglaublichen Leistungen der Freiwilligen werde man, sagt SVg-Obmann Gerhard Plank, mit 400.000 Euro auskommen. 80 Helfer haben mehrere Tausend Arbeitsstunden geleistet.

Erlaufschlucht: Besucherrekord trotz „Eintritt“. Seit 2015 ist die Purgstaller Erlaufschlucht immer mehr zu einem der Tourismusmagneten der Region geworden. Dank Corona erlebt das Naturdenkmal 2020 einen Boom wie noch nie zuvor, besonders Familien mit Kindern entdecken den Naturschatz für sich. Auch, wenn die geführten Wanderungen ausfallen müssen, verzeichnet die Schlucht einen Besucherrekord. Neu sind 2020 auch die Parkraumbewirtschaftung rund um den Eingangsbereich des Naturdenkmals und die Bitte um Spenden von den Besuchern.

Finale beim „Haus der Wildnis“. Das derzeit in Lunz entstehende „Haus der Wildnis“ soll künftig das UNESCO-Weltnaturerbe „Wildnisgebiet Dürrenstein“ für jedermann erlebbar machen. Seit Sommer 2019 wird an dem rund 800 Quadratmeter großen Besucherzentrum, das auch Platz für Forschung und Naturschutz bieten wird, gearbeitet. Mit Dezember können die Außenarbeiten am Haus abgeschlossen werden. In den nächsten Wochen wird die Innenausstattung finalisiert. Insgesamt fließen in das Projekt sechs Millionen Euro, rund 2,5 Millionen davon sind durch private Spenden finanziert. Wann die Eröffnung stattfinden wird, hängt derzeit von der Corona-Situation ab.

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Zuletzt überzeugt sich auch LH-Stellvertreter und Projektunterstützer Stephan Pernkopf gemeinsam mit dem Lunzer Bürgermeister Josef Schachner von den Baufortschritten vor Ort.
NLK Burchart

Baustelle erhitzt die Gemüter. Von Juli bis September soll ein 700 Meter langes Teilstück der B29 bei Oberndorf baustellenbedingt gesperrt werden. Dafür muss Bürgermeister Walter Seiberl sich – vor allem vonseiten der SPÖ-Fraktion – harsche Kritik gefallen lassen. Besonders die langen Umleitungen sind ein Stein des Anstoßes. Viel kann Seiberl daran nicht ändern, eine Ampelregelung ist auf der schmalen Straße nicht möglich. Erst mit Fertigstellung der Straße Anfang September beruhigen sich die Gemüter in der Melktalgemeinde wieder.

Kunstpreis nach Oberndorf. Die Liste ihrer Preise und Auszeichnungen ist lang und vielfältig: 2020 hat die Oberndorfer Kinderbuchautorin, Grafikerin, Künstlerin und Kunstinitiatorin Renate Habinger noch einen hinzugefügt: den Österreichischen Kunstpreis für Kinder-und Jugendliteratur. „Dieser Preis ist schon eine besondere Auszeichnung. Ich habe ihn ja für mein Lebenswerk bekommen“, freut sich die 62-jährige Habinger.

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Abbruch der Molkerei. Vom späten Frühjahr bis in den Sommer hinein finden die Abbrucharbeiten auf dem ehemaligen Molkereiareal in Wolfpassing statt. Mittlerweile werden dort auch schon die Weichen für die Zukunft gestellt. Für das zukünftige Wohngebiet, die Molkereistraße, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten bereits die gesamte Infrastruktur fertiggestellt. 
Franz Reiterer

Aufregung in der Bauernschaft. Bei den Landwirtschaftskammerwahlen verteidigt der NÖ Bauernbund auch im Bezirk mit 71,8 Prozent klar seine absolute Mehrheit, muss aber den Verlust von drei Mandaten an den Unabhängigen Bauernverband hinnehmen. Die neue Vollversammlung im Bezirk setzt sich wie folgt zusammen: NÖ Bauernbund 28 Mandate (-3), UBV 9 Mandate (+9), Freiheitliche Bauernschaft 1 Mandat (-5). Die SPÖ-Bauern fliegen aus der Bezirksbauernkammer. Ende Mai wird Franz Rafetzeder aus Wieselburg-Land (NÖ BB) mit 34 von 36 Stimmen zum neuen Obmann der Bezirksbauernkammer Scheibbs gewählt und folgt in dieser Funktion dem Scheibbser Anton Krenn, der bei den Wahlen im März nicht mehr angetreten ist. Anita Heigl aus Göstling wird neue Landeskammerrätin (NÖ BB). Im Juli brodelt es in der Bauernschaft. Nach einem Angebot der Raiffeisenbank gibt es heftige Diskussionen über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Kammer-Standorte Scheibbs und Melk in Wieselburg. Während sich die Melker Bauern dafür aussprechen, gibt es von der Scheibbser Bauernschaft aller Coleurs aber eine klare Absage.

Mega-Investition. Erfreuliche Nachrichten für Wieselburg gibt es im Februar. ZKW baut seinen Firmensitz in Wieselburg kräftig aus. Gleichzeitig mit dem Neubau des Logistikzentrums errichtet der Lichtsysteme-Spezialist ein neues Entwicklungslabor. Das Projekt umfasst eine Fläche von 2.500 Quadratmeter und eine Investition von rund sieben Millionen Euro. Damit investiert ZKW bis 2021 insgesamt rund 24 Millionen in den Standort Wieselburg. Der Spatenstich für das neue Logistikzentrum und das Entwicklungslabor, das im Erdgeschoß des neuen Gebäudes untergebracht sein wird, erfolgt im Frühjahr. Im Sommer 2021 ist die Eröffnung geplant.

Causa Festsaal Steinakirchen. Die Euphorie war groß, als Gastronom Martin Theuretzbacher den ehemaligen „Gasslhof“ als „Steinakirchenwirt“ neu eröffnete. Allerdings ist nach einem Jahr wieder Schluss. Das Coronavirus und offene Rechnungen machen dem jungen Wirten die Rückkehr zur Normalität unmöglich. Die einvernehmliche Auflösungsvereinbarung erfolgt mit 30. Juni. Ein halbes Jahr steht das Gasthaus leer, der Festsaal wird vom Gemeinderat für Sitzungen genutzt. Mit Mitte Dezember kann aber ein neuer Pächter gefunden werden: Aydin Sari. Er wechselt vom Grünen Baum in den ehemaligen „Gasslhof“. Sobald es die Covid-Situation zulässt, möchte er wieder für seine Stammgäste aufsperren.

Aus für die Erlauftaler Käsewölfe. Nach eineinhalb Jahren Produktion müssen sich die Erlauftaler Käsewölfe im Juni geschlagen geben. Hohe Investitionen zu Beginn der Firmengründung sowie Probleme in den Vertriebskanälen sorgen dafür, dass das Konkursverfahren eröffnet werden muss. Wichtig ist allen Beteiligten aber, dass die Käseproduktion in irgendeiner Form in Wolfpassing weitergeführt wird. Und so ist es auch: Die NÖM AG erwirbt das Unternehmen Anfang August aus der Insolvenz. Laut NÖN-Informationen wird fleißig produziert, sogar mehr als zuvor, und an der neuen Marke gefeilt.

Musium Reinsberg. Gleich zu Jahresbeginn 2020 wird das Veranstaltungshaus der Reinsberger mit dem Eröffnungskonzert von Musikverein und Chor erfolgreich eingeweiht. Der Feuerwehrball findet statt, und auch die Kulturreihe „An.Stimmen“ darf noch starten. Dann steht aber alles still. Momentan, der Coronakrise geschuldet, wird das Musium für die Sitzungen des Gemeinderates genutzt. Wenn sich die Situation verbessert, ist geplant, dort auch Feiern, Hochzeiten und zahlreiche Veranstaltungen abzuhalten. Immerhin soll sich das Musium über die Miete später einmal bezahlt machen.

Megadeal für Welser Profile. Wie gegen Jahresende bekannt wird, wird die Welser Profile Austria GmbH 2021 gemeinsam mit der Cleen Energy AG aus Haag als regionaler Partner Niederösterreichs größte Aufdach-PV-Anlage auf den Produktions- und Lagerhallendächern von Welser Profile in Gresten errichten. Geplant ist die Errichtung einer 3.000 kWp PV-Anlage auf einer Fläche von 24.000 m² mit etwa 8.500 Einzelmodulen.

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Austritt, neue Obfrau und Kunstprojekt. Der Naturpark Ötscher-Tormäuer darf jubeln. Alleine an der Ötscher-Basis begrüßt man heuer 47.000 Gäste. Das sind um fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Aufregung gibt es um den Austritt der Gemeinde St. Anton/Jeßnitz aus dem Naturparkverein. Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz wird im Juli neue Obfrau. Auch die Statuten werden erneuert. So soll der Vereinsvorsitz künftig alle zwei Jahre wechseln. Für Aufsehen sorgt ab August auch das Kunstprojekt „Cliffhanger“ — eine Geschäftsfassade mit der Beschriftung „Tourist Information“ hoch oben in einer Steilwand neben dem Mirafall (Bild). 
Eplinger

Wellenklaenge trotzen Corona. Als eines der wenigen Kulturevents in diesem Sommer finden in abgespeckter Form die Wellenklaenge statt. Die beiden Intendanten Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer stampfen in kürzester Zeit ein neues, anspruchsvolles Programm aus dem Boden. Die Eröffnungsveranstaltung am 17. Juli, an der unter strengen Sicherheitsmaßnahmen nur 130 Personen teilnehmen, muss zum ersten Mal in 23 Jahren aufgrund des Wetters in den Lunzer Saal verlegt werden. 2021 wird das zeitgenössische Festival von 16. bis 31. Juli stattfinden.

Tragödie im Mendlingtal. Ein unfassbar tragisches Unglück ereignet sich am 3. Oktober am Wanderweg im Göstlinger Mendlingtal. Eine vom Wind entwurzelte Fichte stürzt quer über den Wanderweg und fällt auf eine Wanderergruppe. Äste treffen eine 72-Jährige und zwei ihrer Enkeltöchter im Alter von vier und sieben Jahren. Das vierjährige Mädchen kommt dabei unter dem Baum zum Liegen und verstirbt wenig später an den Folgen ihrer Verletzungen. Bis heute ist noch nicht geklärt, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall. Im Fokus der Ermittlungen steht die Freigabe der Erlebniswelt an jenem Samstagmittag. Zuvor war das Mendlingtal wegen Sturmes gesperrt gewesen.

Nein zur Ehrenbürgerschaft von Ex-Bürgermeister. Für viel Wirbel sorgt Ende Oktober die Ablehnung der Ehrenbürgerschaft für den Lunzer Alt-Bürgermeister Martin Ploderer durch die Stimmen der SPÖ-Fraktion im Gemeinderat. Als Begründung wirft die SPÖ Ploderer mangelnde Bereitschaft für eine Zusammenarbeit vor. Dennoch war die 19-jährige Amtszeit des ehemaligen Bürgermeisters eine erfolgreiche. Das bezeugt eine Vielzahl an Projekten wie die Ansiedelung des Wasserclusters, die Errichtung der neuen Bibliothek und der Johannesbrücke, der Bau des Ybbstalradweges und der Seebühne, die Generalsanierung des Amonhauses und zuletzt der Baustart des Hauses der Wildnis und der neuen Kläranlage.

Verkorkste Skisaison. Nachdem die Skisaison mit dem ersten Lockdown im März früher als geplant endet, sorgt die Pandemie auch im Dezember für einen verspäteten Saisonstart. Einzige Ausnahme ist am 18. Oktober das Hochkar, wo aufgrund des verfrühten Schneefalls für einen Tag der erfolgreiche Probelauf in Sachen Corona-Päventionskonzept durchgeführt wird. Anfang Dezember gibt es in Lackenhof das Tauziehen um den generellen Start der Wintersaison. Mehrheitseigentümer Peter Schröcksnadel will die Corona-Saison aus wirtschaftlichen Gründen am Ötscher ausfallen lassen. Ein Vorschlag, der aber auf massiven Widerstand in der Region und beim Minderheitseigentümer, dem Land NÖ, stößt. Schlussendlich gibt es eine Einigung und die Lifte am Ötscher laufen am 24. Dezember an.

Was passierte im Jahr 2020 noch im Bezirk Scheibbs:

Mehr über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Region, die Karrieresprünge der drei Aufsteiger des Jahres - Klaudia Tanner, Paul Nemecek und Stefan Hueber, den akuten Ärztemangel im Teilen des Bezirks, den Start der neuen Pflegeschule in Gaming, die Bauprojekte bei den Feuerwehren und in der Gemeinde Purgstall, die Umfahrung Wieselburg sowie einen Rückblick auf die Gemeinderatswahlen lest ihr in der Printausgabe der Erlauftaler NÖN und im ePaper vom 30. Dezember 2020.