Nach sechs OPs zurück am Arbeitsmarkt. Jobsuchende mit Behinderung haben es besonders schwer, wieder Fuß zu fassen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 24. April 2019 (08:15)
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Deianca Misigric in ihrem Element beim Pizzamachen. „Sie ist in der Lage, alle Speisen zu kochen, auch wenn der Chefkoch mal ausfällt“, lobt Chefin Waltraud Buchinger.

Deianca Misirgric aus Purgstall hat einen längeren Leidensweg hinter sich. Sechs Mal musste sie sich in den letzten zehn Jahren einer Knieoperation unterziehen. Der Weg zurück in einen Job nach dem langen Krankenstand und mit einer 40-prozentigen Beeinträchtigung schien fast unmöglich. Dank intensiver Bemühungen des Arbeitsmarktservices (AMS) und des Entgegenkommens ihres ehemaligen Arbeitgebers, dem Bowlingcenter Purgstall, fand man eine Lösung.

Seit Oktober 2017 arbeitet Deianca Misigric wieder 30 Stunden im Bowlingcenter als Küchengehilfin. „Ich bin so happy, dass die Familie Buchinger mir diese Chance ermöglicht hat. Meine Arbeit macht mir große Freude, aber ich kann halt nicht alle Tätigkeiten verrichten, brauche dazwischen immer wieder Pausen und kann auch keine fünf Tage am Stück durcharbeiten“, schildert die 59-Jährige. „Darauf haben wir in Absprache mit den übrigen 13 Mitarbeitern bei der Dienstplangestaltung sehr kollegial und flexibel reagiert. Die Förderungen von AMS und Sozialministerium kompensieren diese Minderleistungen teilweise. Hauptgrund für Wiedereinstellung war aber, dass wir Deianca schon als motivierte und pflichtbewusste Mitarbeiterin kannten. Da wollten wir helfen“, schildert Bowling-Center-Chefin Waltraud Buchinger.

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Deianca Misigric mit Enkeltochter Alexandra Reiter, den Bowling-Center-Chefleuten Waltraud und Gehard Buchinger, Lukas Witwer vom SMS und AMS-Geschäftsstellenleiter Sepp Musil (von links).

Dass die Inte gration von Jobsuchenden mit Behinderung in den Arbeitsmarkt alles andere als einfach ist, weiß AMS-Geschäftsstellenleiter Sepp Musil. „Während die Arbeitslosigkeit im Bezirk zuletzt um 12,3 Prozent gesunken ist, ist jene der behinderten Jobsuchenden mit einem Plus von 2,7 Prozent leicht angestiegen. Diese Menschen haben es besonders schwer, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind.

Wir setzen daher heuer einen Schwerpunkt, um sie beim beruflichen Wiedereinstieg noch besser zu unterstützen“, betont Musil.

Das AMS kooperiert dabei mit dem Sozialministeriumsservice (SMS), welches ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten für Behinderte zur Verfügung stellt. Ende März waren in Scheibbs 72 behinderte Personen (davon 25 Frauen) beim AMS Scheibbs arbeitslos vorgemerkt. 24 waren begünstigte Behinderte nach dem Behinderteneinstellgesetz, 41 waren „begünstigbar“ und konnten einen Behindertenpass vorweisen. Ziel für 2019 beim AMS Scheibbs ist, 80 behinderte Personen bei einer nachhaltigen Arbeitsaufnahme zu unterstützen.

Für Deianca Misirgric hat die Förderung auf alle Fälle dazu geführt, dass sie nun sehr relaxt ihren letzten Arbeitsmonaten entgegenblickt. „Ende November gehe ich in Pension. Bis dahin freue ich mich, hier im Bowlingcenter arbeiten zu dürfen und gebe voll Gas – soweit ich körperlich halt kann“, lächelt die gebürtige Rumänin und widmet sich wieder voll und ganz ihrem Pizzateig.

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