Worthington-Betriebsleiter: „Wenn ich rausgehe, gehe ich keinem ab“

Erstellt am 18. August 2022 | 11:05
Lesezeit: 4 Min
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Günther Ehrgott (links) hofft, dass Gerhard Illibauer als neuer Betriebsleiter viele neue Ideen in die Firma einbringt. „Wir sitzen zwar noch ein paar Monate gemeinsam in einem Büro, aber ich werde mich nicht mehr einmischen. Gerhard soll seinen Weg gehen und nur nichts gleich machen wie sein Vorgänger“, sagt Ehrgott mit einem Lächeln.
Foto: Christian Eplinger
Bei Worthington kam es mit dem neuen Geschäftsjahr im Juni zum Wechsel in der Betriebsleitung. Der 49-jährige Gerhard Illibauer folgt Günther Ehrgott, der nach 40 Jahren in der Firma mit Ende Dezember seine Freizeitphase der Altersteilzeit antritt.
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Im Dezember dieses Jahres feiert Günther Ehrgott, seit 1998 Betriebsleiter bei Worthington Industries am Standort Kienberg, seinen 60er. Mit Jahresende wird er nach 40 Jahren im Unternehmen – begonnen hat er nach der HTL 1982 noch bei der Firma Heiser – in die Freizeitphase der Altersteilzeit wechseln. Mit dem Geschäftsjahreswechsel (1. Juni) übergab er auch die Betriebsleitung für den Standort Kienberg an Gerhard Illibauer. Günther Ehrgott begleitet ihn noch bis Jahresende.

Der Name Ehrgott ist seit über 140 Jahren mit den Namen Heiser/Worthington verbunden. Schon der Urgroßvater von Günther, Leopold Ehrgott, war ab 1882 bei der Firma Heiser beschäftigt. So wie auch sein Großvater und sein Vater, der von 1955 bis 2001 als Bauleiter im Unternehmen arbeitete, und Bruder Rainer, der seit 1980 im Unternehmen ist, seit 1999 als Leiter der Arbeitsvorbereitung. Mittlerweile ist auch die fünfte Ehrgott-Generation schon im Werk. Günthers Sohn Max ist seit 2020 Controller. Und auch zwei seiner Neffen sind bereits Worthington-Mitarbeiter.

„Es waren extrem spannende und schöne Zeiten, die ich hier im Unternehmen erlebt habe. Vor allem nach der Übernahme des Werks durch Worthington 1998 gab es viele Fragezeichen. Ich bin nur ein halbes Jahr später Betriebsleiter geworden und muss sagen, diese Übernahme war das Beste, das dem Unternehmen passieren konnte. Denn Kienberg hatte von Beginn weg einen besonderen Stellenwert im amerikanischen Konzern“, schildert Günther Ehrgott.

Natürlich habe es auch „harte Zeiten“ und manche Tiefpunkte gegeben. Brände, Betriebsunfälle oder die Wirtschaftskrise 2008. „Da mussten wir uns innerhalb von zwei Tagen von 100 Mitarbeitern trennen. Unser Personalchef Franz Puchegger und ich haben alle Gespräche persönlich geführt. Wir konnten uns nur entschuldigen für diesen Schritt. Das waren keine einfachen Tage“, erinnert sich Ehrgott.

Die positiven Erlebnisse haben aber überwogen, sagt er im selben Atemzug. „Ich durfte viel mitgestalten und so viele prägende wirtschaftliche und persönliche Erfahrungen machen – auch auf internationaler Ebene. Ich möchte keine davon missen“, sagt Ehrgott und ist auch stolz auf die vielen „Great Place to Work“-Auszeichnungen, die das Unternehmen während seiner Ära erreicht hat, die er auf die Stabilität und offene Kommunikation der Führungsmannschaft zurückführt. Während sich Ehrgott jetzt schon auf die bevorstehende Pension freut – Hausarbeit, E-Biketouren, Mitarbeit bei der Baustelle von Sohn Max und Reisen stehen am Plan –, hat er die Betriebsleitung an Gerhard Illibauer mit gutem Gewissen übergeben. „Gerhard braucht mich auch jetzt nicht wirklich mehr. Wir teilen uns zwar das Büro, aber er muss seinen Weg gehen. Er kennt das Unternehmen bestens. Wenn ich jetzt rausgehe, gehe ich keinem ab. Und das ist gut so“, betont Ehrgott.

Auch Ehrgotts Nachfolger kennt den Betrieb bestens

Ehrgotts Nachfolger Gerhard Illibauer ist seit 1993 im Unternehmen beschäftigt. Er kam direkt nach der Matura an der HTL Waidhofen/Ybbs und dem Bundesheer zu Worthington (damals noch Heiser). „Ich war bisher nur in der Firma und habe noch nichts anderes gesehen. Das muss ich auch nicht“, erzählt er zufrieden. Sein Vater war ebenfalls in der Firma beschäftigt und auch seine Lebensgefährtin sowie sein Schwiegersohn arbeiten bei Worthington. Begonnen hat Illibauer als Assistent der Betriebsleitung, ist dann einige Abteilungen durchlaufen, hat als ausgebildeter Automatisierungstechniker noch die erste Roboter-Generation bei Worthington mitprogrammiert und wechselte 2012 schließlich in den Einkauf.

Zuletzt war er als Leiter der Abteilung Logistik für Einkauf, Versand und Lagerhaltung verantwortlich. Der 49-jährige Kienberger hat sich im internen Ausschreibungsprozess gegen drei Mitbewerber durchgesetzt.

Dass er in wirtschaftlich nicht gerade einfachen Zeiten diese neue Funktion übernimmt, sei eine Herausforderung und Chance zugleich, sagt Illibauer. „Mit dem neuen Wasserstoffwerk haben wir unsere Produktion auf ein weiteres Standbein gestellt. Das ist wichtig für die zukünftige, nachhaltige Ausrichtung unseres Unternehmens. Wir haben eine gute Mannschaft, sind in allen Bereichen gut aufgestellt, wollen aber dennoch in Zukunft noch verstärkt den Lehrlingsausbildungssektor forcieren und auch den Anteil der Frauen bei uns im Unternehmen erhöhen. Auch viele unserer Industriearbeitsplätze sind schon durchdesignt, wo keine große Kraftanstrengung mehr nötig ist“, weiß Illibauer, der auch die interne Firmenkultur weiter stärken will.

„Ein besonders wichtiger Punkt für ein Unternehmen, das rund 430 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus knapp 15 Nationen an einem Standort beschäftigt“, ist Illibauer überzeugt.

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