Eine Zeitinsel des Barock in der Kartause Gaming. Vom 23. bis 29. Juli findet in der Kartause Gaming ein Meisterkurs für Barockmusik statt. Neben zwei Konzerten kann man auch bei den Kursen „kiebitzen“.

Von Karin Katona. Erstellt am 18. Februar 2017 (05:00)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Die Blockflötistin Sabrina Frey leitet den ersten Barocken Meisterkurs in der Kartause Gaming. Die gebürtige Österreicherin lebt in Zürich und am Fuschlsee und hat es sich zur Aufgabe gemacht, österreichischen Barockkomponisten zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.
privat

Ende Juli wird die Kartause Gaming beim Barocken Meisterkurs zum ersten Mal zum Treffpunkt für Musikstudenten aus aller Welt. Die NÖN sprach mit der Leiterin des einzigartigen Meisterkurses, der Blockflötistin Sabrina Frey.

NÖN: Beim Barocken Meisterkurs in Gaming steht österreichische Musik im Vordergrund – warum?

Frey: Bei Barockmusik denkt man doch in erster Linie an italienische Komponisten wie Vivaldi und Corelli, oder deutsche wie Bach und Telemann. Die österreichischen Barockkomponisten werden noch viel zu wenig beachtet, sowohl in der Musikszene als auch vom Publikum.

Der Bekanntsheitgrad sagt also nichts über die Qualität aus?

Nein. Die österreichischen Barockkomponisten haben sich den selben Stellenwert verdient. Das damalige Österreich war ja ein wichtiges Musikland. Nicht umsonst ist Vivaldi nach Wien gegangen.

Könnten Sie uns ein paar Namen nennen?

Johann Josef Hoffer, Heinrich Ignaz Franz Biber, Andreas Christoph Clamer und Johann Heinrich Schmelzer, der ja in der Region gewirkt hat.

Ist es spannend, die Werke dieser Komponisten „auszugraben“?

Ja, sehr. Wobei ich vermute, dass noch längst nicht alles entdeckt ist. In vielen Klöstern schlummern vielleicht noch musikalische Schätze, von denen wir nichts wissen.

Was fasziniert Sie selbst an der Barockmusik?

Als Musiker kann man diese Werke innerhalb der Regeln der historischen Aufführungspraxis sehr unterschiedlich interpretieren. Wie besetzt man den Bass? Welche Klangfarben möchte man haben? Man ist unglaublich frei, mit der eigenen Fantasie zu spielen. Die Emotionen müssen aus dem Spieler herausfließen.

Was kann uns Barockmusik heute geben?

Ich finde, die Barockmusik mit ihrer vielen Improvisation ist sehr nah dran an unserem heutigen Leben. Da wird spontan entschieden – das ist auch in der Barockmusik so. Zudem versuchen die Komponisten stets, die Emotionen der menschlichen Stimme widerzuspiegeln. Das berührt auch den modernen Menschen auf ganz vielen Ebenen.

Was macht den besonderen Reiz von Barockkonzerten aus?

Es ist ein Eintauchen in eine Welt voller Feuerwerke, aber auch Dramen auf kleinstem Raum. Viele Sonaten dauern nur 15 Minuten und sind somit Miniaturen von großen Theaterwerken. So können viele verschiedene Facetten in kürzester Zeit beleuchtet werden. Das macht ein Barockkonzert zu einem faszinierenden Erlebnis.

Apropos Gaming – es wird zwei öffentliche Konzerte geben?

Ja, am 23. Juli gibt es ein Konzert der Dozenten in der Bibliothek, am 28. Juli ein Abschlusskonzert der Teilnehmer. Wir haben für Musikfreunde aber ein besonderes Angebot: Mit einer Tageskarte kann man einen Tag lang bei allen Kursen aus- und eingehen und zuhören. Es wird auch Vorträge und Vorlesungen geben.