Erstellt am 17. Januar 2017, 05:00

von Jutta Streimelweger

„Es wird auch in Lunz am See immer wärmer“. Hannes Hager betreibt den Blog „Das Wetter in Lunz“. Der NÖN berichtet er über Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Lunzer See und seine Fische.

 |  Jutta Streimelweger

„Ich habe schon viel von der Welt gesehen, aber ganz ehrlich, woanders möchte ich gar nicht leben.“

Der gebürtige Lunzer Hannes Hager steht neben den Wettermessgeräten neben dem Lunzer See, Hut auf dem Kopf, nachdenklicher Blick über den See. Seit 2013 betreibt Hager seinen Blog „Das Wetter in Lunz“, ein Thema, dass Hager schon früh gepackt hat: „Ich habe es immer gerne beobachtet und aufgezeichnet. Vor vier Jahren habe ich nun die Betreuung der Wetterstation des Wasserclusters übernommen.“

Einmal täglich liest er selbst die Messwerte ab, der Rest passiert elektronisch. Auf seine Berichte zum Wetter wird mittlerweile täglich durchschnittlich 700 Mal zugegriffen, ein Wert, der Hager stolz macht: „Kürzlich konnte ich meinen 300.000. Zugriff verbuchen. Natürlich macht das auch etwas Druck. Ich muss mittlerweile doch täglich etwas liefern, schließlich will ich ja niemanden enttäuschen.“ Mit viel Herzblut und Energie steht Hager hinter seiner Tätigkeit. Leidenschaft, die bemerkbar wird, wenn er über die Auswirkungen des Wetters auf den Lunzer See spricht.

Klimawandel hat auch Lunz fest im Griff

Voraussagen zum Wetter will der Experte keine Treffen, aber: „Eins kann ich sagen: Es wird wärmer.“ Der Klimawandel hat auch Lunz fest im Griff – durchschnittlich bereits um 1,7 Grad wärmer. Der heurige Jänner sei zwar kalt, aber keine Ausnahme: „Es werden wahrscheinlich durchschnittlich minus fünf Grad werden.“

Am kältesten war in Lunz 1939 mit minus 28,8 Grad: „Das ist dann nicht mehr lustig. Ab minus 15 Grad zwickts in der Nase, bei minus 20 Grad nimmt die Erfrierungsgefahr stark zu.“ Am heißesten war es übrigens 1921 mit 37,4 Grad. Dass es immer wärmer wird, ist auch an der Eisdecke des Sees zu beobachten: „2006/07 und 2013/14 ist er nicht komplett zugefroren. Früher war das Eis rund 90 Zentimeter dick, heute sind es nur noch 50 Zentimeter.“

„Fischarten wie der Hecht, die hier eigentlich nicht vorkommen, haben aufgrund der höheren Wassertemperatur bessere Bedingungen.“

Hannes Hager

Ein Wandel, der fatale Folgen für die Tiere im See hat. 2010 wurde der Hecht eingeschleppt und breitete sich massiv aus. „Fischarten wie der Hecht, die hier eigentlich nicht vorkommen, haben aufgrund der höheren Wassertemperatur bessere Bedingungen.“ Der Hecht erhöhte den Druck auf die heimischen Fische: „Der Seesaibling starb 2015 aus, letztes Jahr folgte die Elritze.“ Innerhalb von nur sechs Jahren veränderte sich der Lunzer See dramatisch: „Rotauge und Rotfeder konnten sich besser vermehren, fressen aber Zooplankton.“

Dieses werde dadurch immer weniger und der See grüner: „Das liegt daran, das Zooplankton eigentlich Algenplankton frisst, jetzt gibt es mehr Algenplankton.“ Aber auch für den Hecht wird eng. „Der Junghecht braucht auch Zooplankton, davon ist allerdings zu wenig vorhanden.“ Eine Kettenreaktion, die beeindruckend ist: „Wird nur ein Glied verändert, ändern sich alle anderen auf kurz oder lang automatisch auch“, erklärt Hager.

Seit 2013 betreut Hannes Hager die Wetterstation des Wasserclusters am Lunzer See. Damals startete er auch seinen Blog „Das Wetter in Lunz“, auf welchem er unter www.lunzerwetter.blogspot.co.at Berichte rund um das Wetter liefert.Streimelweger  |  Jutta Streimelweger

Umfrage beendet

  • Spürst du schon den Klimawandel?