Aufarbeiten und zusammenführen. Über die neuen Gedenktafeln am Wieselburger Bahnhof.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:09)

Johannes Kammerstätter, pensionierter Lehrer aus Wieselburg, gilt seit 20 Jahren als der Experte bei der Aufarbeitung jüdischer Schicksale im Mostviertel. In seinem mittlerweile vierteiligen Band „Tragbares Vaterland“ hat er über 100 persönliche Geschichten von jüdischen Familien aufgezeigt. Geschichten, die nahe gehen, die berühren, teilweise auch grausam enden.

2014 initiierte er das SHOAH-DENK.MAL auf dem Wieselburger Kirchenplatz als Zeichen des Respekts vor den Verlorenen und Geretteten der jüdischen Landsleute. Nun trägt ein weiteres Denkmal in Wieselburg seine Handschrift. Am Bahnhof gibt es seit der Vorwoche zwei Gedenktafeln für drei Wieselburger Widerstandskämpfer.

Bei allen Projekten geht es Kammerstätter nicht um die Schuldfrage, sondern um ein Zusammenführen und Aufarbeiten der Geschichte(n). „Wir sind nur die Katalysatoren, aber wir dürfen die Geschichte nicht stören“, betont Kammerstätter. Doch vor allem: Wir dürfen sie nicht vergessen.