Der Markt wird es nicht richten. Franz Gleiß über Gewerbe und deren Zugänge.

Von Franz Gleiß. Erstellt am 08. September 2014 (09:56)
Seit 28. Dezember 2013 ist das Fotografengewerbe ein freies Gewerbe. Weder Meisterprüfung noch andere Kenntnisse sind für den Zugang notwendig. Bereits im Herbst 2012 wurde der Zugang zum Gewerbe des Berufsfotografen erleichtert. Die Zahl der Fotografen hat sich seither von 13 auf 25 fast verdoppelt. Die Zahl der Lehrlinge wird unterdessen immer weniger. Nur ein Lehrling wird derzeit noch im Bezirk ausgebildet.

Der freie Zugang zu derzeit reglementierten Gewerben wird von vielen Politikern als Motor für die Wirtschaft gesehen: Mehr Unternehmensgründungen sollen mehr Arbeitsplätze bringen — Qualität und Angebot soll der Markt richten.

Das Beispiel der Fliesenleger in Deutschland zeigt aber die Schattenseiten dieser Milchmädchenrechnung: Gleichzeitig sind dort die Qualität der Leistungen und die Zahl der Lehrlinge gesunken. Kunden können diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge begrüßen: Die Leistungen werden billiger. In vielen Fällen werden sie aber auch weniger wert sein.