Für die zweite Chance. Immer.. Armin Grasberger über prinzipielle Fragen im Leben eines Sportfans.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 19. Juni 2018 (05:00)

Irgendwie prallen da gerade zwei Welten aufeinander. Die einen sind durchaus bereit, eine zweite Chance zu gewähren. Die anderen nicht. Die einen stehen Johannes Dürr und seinem großen Wunsch, bei der Heim-Weltmeisterschaft in Seefeld für Österreich an den Start zu gehen, offen gegenüber. Für die anderen wird der Göstlinger auf ewig ein Gebrandmarkter bleiben.

Dass sein Weg zurück ein kontroversieller ist, das war Dürr im Vorhinein klar. Dass negative Kommentare kommen werden auch. Und es ist ja auch legitim. Wer in der Öffentlichkeit steht, sie sucht, der muss sich die Meinung dieser Öffentlichkeit gefallen lassen. 

Einem Menschen seine zweite Chance zu gewähren oder zu verwehren, ist eine Charakterfrage. Besonders dann, wenn dieser Mensch seine Strafe abgebüßt hat und öffentlich zu Kreuze gekrochen ist. Doping ist natürlich alles andere als ein Kavaliersdelikt. Eine Frage von Leben und Tod ist es aber auch nicht.

Vielleicht sollten wir generell damit aufhören, Sportler auf ein Podest zu heben, sie quasi zu Übermenschen zu verklären, nur um dann bei Verfehlungen unser Luftschloss vom moralisch überlegenen Supertypen vernichtet zu sehen. Denn am Ende des Tages machen Menschen Fehler. Und haben trotzdem eine zweite Chance verdient.