Wenn der Doper keiner ist. Über das Doping- „Vergehen“ von Thomas Pechhacker

Von Armin Grasberger. Erstellt am 18. Februar 2020 (00:34)

Es gibt kaum ein Reizwort, welches bei Sportfans derart starke Reaktionen hervorruft wie „Doping“. Von Halunken ist im Zusammenhang mit überführten Athleten rasch zu lesen. Von Betrügern, Verbrechern, Hunden. Die Volksseele kocht, das Vergehen wird absurderweise oft als persönliche Beleidigung aufgefasst.

Der Blick auf die Mechanismen im Hintergrund wird geflissentlich unterlassen. Zu anstrengend. Die rasche, endgültige Aburteilung bringt im sozialen Umfeld mehr Zustimmung, generiert Schulterklopfer, hebt das Selbstwertgefühl. Dabei ist eine differenzierte Analyse essenziell. Und die sieht von Fall zu Fall eben unterschiedlich aus. Bestes Beispiel: Thomas Pechhacker. Der Ex-Trialweltmeister aus Purgstall muss eine achtmonatige Sperre absitzen. Wegen „Dopings“. Ihm wurde ein nicht korrekt gekennzeichnetes Nahrungsergänzungsmittel zum Verhängnis. Der Radsport-Weltverband hat das in seiner Urteilsfindung beachtet entsprechend entschieden.

Pechhacker selbst schmerzt besonders die verkürzte öffentliche Darstellung. In der bisherigen Berichterstattung wurde dem Purgstaller keine Möglichkeit geboten, die Situation zu erklären. Doper sei Doper. Punkt. Aus. Diese Sichtweise ist aber unrichtig und gefährdet eine bisher feine Karriere.