Geflüchtete aus der Ukraine: „Bete täglich für den Frieden“

Erstellt am 10. März 2022 | 06:22
Lesezeit: 3 Min
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Heimhelferin Elisabeth Krivanics (links) mit ihrer Dienstgeberin Charlotte Weber: „Wir haben uns echt Sorgen um sie gemacht und sind froh, dass sie gut in Lunz angekommen ist“.
Foto: Claudia Christ
Heimhelferin Elisabeth Krivanics über ihre vorzeitige Abreise aus der Ukraine, was sie zurücklassen musste und die Hoffnung für ihr Heimatland.
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Seit vergangenen Mittwoch ist Elisabeth Krivanics wieder in ihrem geliebten Lunz am See. „Ich komme direkt aus der Ukraine, und bleibe wieder sechs Wochen“, erzählt die 24-Stunden-Hilfe.

Während des Kriegsausbruches war sie wieder mal zu Besuch bei ihrem Vater in ihrem Heimatdorf Beregszasz Nahe der ungarischen Grenze. „Am ersten Tag haben wir die Angriffe über das Fernsehen mitbekommen, wir haben nie daran gedacht, dass es so schlimm wird, denn kleinere Rivalitäten hat es an der Grenze zu Russland immer wieder gegeben.“ Nach und nach wurde aber auch der 62-Jährigen, die seit 20 Jahren in Ungarn lebt, bewusst, dass sich ihr Heimatland im Krieg befindet. „Am zweiten Tag waren bei uns im Dorf alle Geschäfte geschlossen. Aber erst als die ersten Flüchtlinge bei uns im Dorf angekommen sind, haben wir es wirklich realisieren können“. Danach war der Flüchtlingsstrom Richtung Grenze nach Rumänien und Ungarn ungebrochen. Auch im Haus ihres Vaters haben Freunde der Familie aus Kiew Unterschlupf gefunden. „Ich hatte nur Angst, dass sie die Grenze zumachen und ich nicht zu meiner Arbeit nach Lunz kommen kann“, erzählt sie. Deshalb ist Heimhelferin früher als geplant zu ihrer Tochter nach Budapest abgereist.

Eine kluge Entscheidung, denn bereits einen Tag später mussten die Flüchtenden bis zu 16 Stunden am Grenzübergang warten. „Die Hilfsbereitschaft vor Ort ist sehr groß. Viele Ungarn bringen Hilfsmittel zur Grenze, bieten einen Shuttleservice an, oder bringen notwendige Lebensmittel gleich hinüber zu den Menschen in die Ukraine“, erzählt sie.

Hier in Lunz, wo sie seit zwei Jahren eine Frau betreut, sind ihre Gedanken bei ihrem Vater. „Er ist 91 Jahre alt und nicht mehr mobil, er will in der Ukraine bleiben, komme was mag.“ Täglich wird telefoniert. Geblieben sind auch viele Freunde und Cousinen von ihr. „Es ist einfach nur schrecklich. Ich bete jeden Tag, dass es ein Ende hat und wieder Frieden einkehrt.“ Das aktuelle Geschehen von der Ferne zu verfolgen, ist für sie schwer. In ihre Heimat will sie dennoch wieder, „Und zwar schon in fünf Wochen, Ich muss ja nach meinem Vater sehen.“

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