Bodensdorf 8: „Kleinkunst und Musik zum Angreifen“. Zehn Jahre Kulturinitiative in Bodensdorf 8: Im NÖN-Interview reden Herbert Aigner und Klaus Moser über Besonderheiten des  Bühnenwirtshauses.

Von Karin Maria Heigl. Erstellt am 01. März 2019 (04:00)
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Herbert Aigner und Klaus Moser
Karin Maria Heigl

Die Kulturinitiative Bodensdorf 8 – kurz KIB8 genannt – feiert heuer den zehnten Geburtstag. Im Jubiläumsjahr wollen KIB8-Obmann Klaus Moser (links) und Bühnenwirt Herbert Aigner (rechts) dem Publikum etwas Besonderes bieten. Das und die Erfolgsgeschichte des Kulturhofes in Bodensdorf verraten sie im NÖN-Interview.

NÖN: Kulturhof Aigner in Bodensdorf Nr. 8. Eine Adresse, die viele kennen und als Schauplatz für Kabaretts und Konzerte schätzen. Wie kam es, dass sich hier am Land ein so dichtes kulturelles Geschehen entwickelte?

Herbert Aigner: Schon 1983 gab es bei uns beim Aigner in Bodensdorf das erste Konzert. Mein Bruder Hans wollte damals befreundeten Musikern eine Bühne bieten. Bei den Gästen ist das gut angekommen. Das waren die Wurzeln.

Klaus Moser: Ich war damals nur als Gast hier, das aber mit einer enormen Regelmäßigkeit. Beim ersten großen Konzert im Innenhof im Jahr 1987 stand Jazz Gitti auf der Bühne.

Aigner: Es folgten viele Künstler, darunter auch große Namen wie Andy Baum, Harry Stojka oder Count Basic.

Moser: Die waren gerade Nummer 1 in Amerika, das war 1996. Zu den Highlights in den darauffolgenden Jahren zählten Mnozil Brass, Hans Söllner, Düringer mit Hinterholz 8 - das war legendär. Irgendwann wurde es zur Notwendigkeit, den Konzertbetrieb auf vernünftige Beine zu stellen.

Was heißt das konkret?

Aigner: Das war vor zehn Jahren der Anlass, den Verein zu gründen. Der Aufwand für so einen Konzertbetrieb ist so groß, das kann man als Wirt auf Dauer nicht alleine bewältigen und finanzieren.

Moser: Bevor der Verein gegründet wurde, gab es etwa fünf Veranstaltungen im Jahr. Heute sind es 35 – das wurde erst durch unseren Verein KIB 8 und die damit verbundenen Förderungen von Land und Gemeinden möglich. Ganz wichtig sind auch unsere Sponsoren aus der Region. Ohne die ginge es nicht.

Aigner: Die letzten zehn Jahre waren gespickt mit tollen Konzerten und Bühnenerlebnissen. Es ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte und dafür möchte ich dem Verein von Herzen danken. Die Vereinsmitglieder leisten ungeheuer viel freiwillige Arbeit.

Moser: Da fließen sicher 500 bis 1.000 Arbeitsstunden im Jahr hinein. Alles unentgeltlich, aber aus Überzeugung. Besonders wertvoll ist auch die Nachwuchsarbeit. Mit der Blue Monday Night Session und den KulturFreitagen haben hier auch junge und weniger bekannte Künstler eine Bühne.

Was bedeutet euch das Jubiläum?

Aigner: Wir investieren alle viel (Frei)Zeit und das mit Freude. Jetzt können wir auf ein großartiges Jahrzehnt zurückblicken und es hat sich viel getan, worauf wir stolz sein können.

Moser: Durch die Gründung des Kulturvereins KIB 8 hat die ganze Geschichte eine andere Dimension bekommen. Die zehn Jahre sind auf jeden Fall ein Grund zu feiern und ein guter Anlass, sich zu bedanken.

Das klingt nach Leidenschaft für die Sache. Wie geht es einem da, wenn ein Konzert nicht gut besucht ist?

Aigner: Nicht gut, natürlich: Erstens zahlen wir finanziell drauf und zweitens ist das für die Künstler und für die Leute, die da sind, auch kein Vergnügen.

Moser: Der finanzielle Verlust ist durch den Verein relativ gut abgefedert. Wirklich leid tun einem da die Musiker.

Aigner: Das stimmt, aber ich glaube, das gehört dazu. Jeder Künstler muss klein anfangen. Bei uns hat Paul Pizzera in kleinem Rahmen vor 120 Leuten gespielt. Heute spielt er vor 12.000 in der Wiener Stadthalle.

Was macht den Reiz einer kleinen Bühne aus?

Aigner: Wir bringen Kultur quasi ins Dorf, in die nächste Nähe. Das weiß das Publikum zu schätzen. Auf einer Kleinkunstbühne sind die Künstler zum Angreifen nah. Das ist was Besonderes. Wenn die Stimmung im Publikum gut ist, ist das für uns der schönste Lohn. Ich bin oft mit Gänsehaut neben der Bühne gestanden.

Moser: Genauso berührend ist es, die Künstler zu sehen, wenn sie nach einem tollen Auftritt komplett ausgepowert und voller Glücksgefühl in den Backstage-Bereich kommen. Es steckt ja oft jahrelange Arbeit dahinter und es ist uns wichtig, das zu vermitteln.

Worauf freut ihr euch im Jubiläumsjahr?

Aigner: Für das Jubiläumsjahr 2019 planen wir eine Fülle von Veranstaltungen, Konzerten und Kabaretts. Am 8. März steht mit „The Knutchers“ auch ein gebürtiger Wieselburger auf der Bühne – das ist immer besonders schön. Gespannt bin ich auch auf die Aufführungen des Stadttheater Wieselburg. Das große Jubiläumskonzert geht Ende November über die Bühne, allerdings nicht hier, sondern in der Messehalle 3, dem NV Forum.

Moser: Wir konnten dafür die Band „folkshilfe“ gewinnen – und haben ausnahmsweise einen etwas größeren Rahmen gewählt.