Rothschilds verkaufen letzten Wald. Die fast 200-jährige Geschichte der Familie Rothschild in Gaming geht zu Ende. Prinzhorn übernimmt Forstverwaltung Langau.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 29. Januar 2019 (05:52)
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Nach der Forstverwaltung Neuhaus im Vorjahr soll nun auch die Forstverwaltung Langau von den Rothschild-Erben an den Konzern des Papier-Industriellen Cord Prinzhorn verkauft werden. Kolportierter Verkaufspreis: 100 Millionen Euro.
FotoLois.com/Alois Spandl

Offiziell hüllt man sich noch in Schweigen. Inoffiziell scheint es so gut wie fix zu sein. Die Familie Rothschild beziehungsweise Bettina Burr, die in den USA lebende Erbin eines Teils des Rothschilds-Vermögens, verkauft den letzten Besitz der Familie in Österreich: Mehr als 7.000 Hektar Wald im Gemeindegebiet von Gaming.

Laut der Finanzagentur Bloomberg, die sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen beruft, soll als Käufer erneut die Prinzhorn-Holding GmbH auftreten. Der Papier-Industrielle Cord Prinzhorn hat bereits im Vorjahr die Forstverwaltung Neuhaus mit ihren 5.400 Hektar samt allen Liegenschaften und den beiden Wasserkraftwerken um kolportierte 92 Millionen Euro übernommen. Laut Bloomberg muss die Prinzhorn-Gruppe nun noch tiefer in die Tasche greifen: Der angebliche Kaufpreis liegt bei ungefähr 100 Millionen Euro.

Auch 1.159 Hektar vom Wildnisgebiet Dürrenstein, darunter der 460 Hektar große Urwald im Rothwald, wecheseln den Besitzer.
Werner Gamerith

Mit dem Kauf könnten die beiden 2013 nach einer Realteilung getrennten Forstverwaltungen wieder vereint werden. Offiziell gibt es jedoch von beiden Seiten keine Bestätigung. Weder Johannes Doppler, Forstmeister der Forstverwaltung Langau und schon beim vorigen Deal wesentlich in die Verhandlungen eingebunden, noch die Prinzhorn Holding GmbH gaben zum aktuellen Zeitpunkt einen Kommentar zu dem Thema ab.

Grundverkehrsverfahren läuft noch bis 1. Februar

Das könnte auch daran liegen, dass das bei der Grundverkehrsbehörde Melk aufliegende offizielle Rechtsgeschäft über land- und forstwirtschaftliche Grundstücke nach dem NÖ Grundverkehrsgesetz 2007 noch nicht abgeschlossen ist. 7.222,98 Hektar in den Katastralgemeinden Polzberg, Neuhaus, Lackenhof,

Lunzamt und Seekopf sind von der Langau Trust MSB und der Langau Trust LCB, beide mit Firmensitz in New York, zum Verkauf ausgeschrieben. Bis 1. Februar kann jedermann noch sein Interesse am Erwerb dieser Liegenschaften bei der Bezirksbauernkammer Scheibbs anmelden. Laut Grundverkehrsgesetz hätte ein praktizierender Land- und Forstwirt das Vorkaufsrecht – allerdings nicht zum Höchstpreis, sondern zum aktuellen Verkehrswert, der durchaus auch unter den 100 Millionen Euro liegen könnte.

Skigebiet, Forsthäuser und Wildnisgebiet

Bei diesen 7.222,98 Hektar handelt es sich – wie Forstmeister Johannes Doppler schon vor einem Jahr im NÖN-Interview verriet – um Waldstücke mit hohem Anteil an unproduktiven Flächen. Das Herzstück des Wildnisgebietes Dürrenstein mit einem Anteil von 1.159 Hektar ist Teil der Forstverwaltung Langau, darunter auch der mit 460 Hektar bedeutendste Urwald Mitteleuropas. Ebenso wie das Skigebiet rund um Kleinen und Großen Ötscher. Mit dem Verkauf wechseln aber auch zahlreiche vor rund 120 Jahren erbaute Forsthäuser den Besitzer.

Daher sorgt der angebliche Verkauf natürlich auch in der Region für großes Aufsehen. „Ich kann leider noch nichts zu all dem sagen. Ich kenne auch keine Details, ob mit dem Skigebiet irgendetwas geplant ist. Mir ist aber seitens der Forstverwaltung ein ehestmöglicher Gesprächstermin zugesagt worden“, erklärte Bürgermeisterin Renate Gruber am Freitagabend gegenüber der NÖN. Große abrupte Veränderungen befürchtet sie ohnehin nicht.

Schon bei der Übernahme der Forstverwaltung Neuhaus durch die Prinzhorn-Holding lief dort alles mit denselben Mitarbeitern und denselben Abläufen unaufgeregt weiter. Und bereits im Vorjahresdeal war eine wesentliche Bedingungen für den Verkauf an die Prinzhorn-Gruppe die Zusage, dass man bereit sei, den Besitz in seiner Größe langfristig zu halten und die bisher entwickelte Philosophie der naturnahen Waldbewirtschaftung mit entsprechender Ausrichtung des Jagdbetriebes weiter zu verfolgen. Auch Christoph Leditznig, Geschäftsführer der schutzverwaltung des Wildnisgebietes Dürrenstein, sieht den Verkauf relativ gelassen: „Die genauen Auswirkungen kann man noch nicht absehen. Wir sind aber rechtlich und vertraglich gut abgesichert.“

Jagdlich gesehen ist durch diese Zusammenführung der beiden Forstverwaltungen auf alle Fälle auch der Hegering Langau, der besonders für seine optimale Rotwildstruktur österreichweit bekannt ist, bis auf kleinere Zupachtungen wieder vereint. Übrigens: Cord Prinzhorn hat damit neben dem wirtschaftlichen Interesse für den Rohstoff Holz auch ein großes privates Interesse. Denn er ist begeisterter Jäger.