Lackenhof zittert um Liftbetrieb

Update: Die Entscheidung ist gefallen!

Aktualisiert am 26. November 2021 | 11:42

Wir hatten berichtet:

Das Ötscherdorf Lackenhof und die gesamte Region zittern einmal mehr vor einer Gesellschaftersitzung um den Fortbestand des Liftbetriebes. Denn Gerüchten aus der Gemeinde Gaming zufolge droht der 60-prozentige Mehrheitseigentümer, die Schröcksnadel-Gruppe, mit dem Ausstieg aus dem Liftbetrieb. Für Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz (SPÖ) wäre ein Stillstand der Lifte am Ötscher oder gar deren völliges Aus das absolute "Horrorszenario". Am Freitagvormittag tagen die Gesellschafter. Die Gemeinde hofft noch auf ein „Happy End“.

New Image
Droht den Ötscherliften eine neuerliche Diskussion um einen Stillstand in der Wintersaison oder gar ein endgültiges Aus für den Liftbetrieb?
Christian Eplinger/Archiv

Lackenhof und der Region blüht ein Dejavü. Schon im Vorjahr stand der Winterliftbetrieb am Ötscher in Schwebe. Die Schröcksnadel-Gruppe hatte angedroht, aufgrund der Corona-Auflagen nicht aufsperren zu wollen. Zwei Gesellschaftersitzungen und ein großer Aufschrei aus der Region waren notwendig, um die Schröcksnadel-Gruppe doch umschwenken zu lassen. Zu Weihnachten, den im Vorjahr frühest möglichen Zeitpunkt, gingen schließlich auch die Ötscherlifte in Betrieb.

Schon damals hieß es allerdings, dass man für den nächsten Winter weiter gemeinsam Entwicklungsmöglichkeiten prüfen und Zukunftsstrategien ausarbeiten wolle. Das Land NÖ hätte schon im Vorjahr eine Fusion mit den benachbarten Hochkar Bergbahnen angestrebt. Seit April 2013 sind die Ötscherlifte  in den Händen der Schröcksnadel-Gruppe und des Landes NÖ – mit einem 60 zu 40-prozentigen Mehrheitsverhältnis für die Schröcksnadel-Gruppe, die bereits im Jahr 2000 die Ötscherlifte vorerst im Alleineigentum übernommen hatten. Schon im Herbst 2012 hatten die Schröcksnadel-Gruppe und das Land die damals insolvente Hochkar Bergbahnen GmbH übernommen. Dort lautet das Eigentümerverhältnis 51 Prozent Schröcksnadel, 49 Prozent Land.

Während die Hochkar Bergbahnen GmbH Gewinne an die Eigentümer ausschütten, sind die Ötscherlifte in den roten Zahlen. Vor allem die mühevolle, relativ lang dauernde und technisch nicht mehr neueste Beschneiung bereitet am Ötscher Sorgen. Acht Millionen Euro sollten in Lackenhof in die Beschneiung und ein neues Sommertourismus-Konzept für einen erfolgreichen Ganzjahresbetrieb gesteckt werden. Geld das bislang noch nicht geflossen ist.

Sommertourismus läuft, Winterbetrieb scheidet die Geister

Der Sommertourismus war am Ötscher auch im heurigen Jahr durchaus erfolgreich. Der 3D-Bogenparcours, der auch von den Ötscherliften betrieben wurde, erfreute sich starker Zuwächse. Auch die Liftfahrten im Sommer waren zufriedenstellend, wenngleich sie mit dem "Super-Sommer" im Jahr 2020 nicht mithalten konnten. Dennoch: Ötscherlift-Geschäftsführer Andreas Buder, der im Sommer erstmals auch das Wandertaxi am Ötscher ins Leben gerufen hatte, zeigte sich mit der Sommerbilanz durchaus zufrieden.

New Image
Am Donnerstag hoffte man auf der Ötscher-Homepage noch auf einen Saisonstart mit 4. Dezember
Screenshot Eplinger

Doch beim Winterbetrieb scheiden sich nach wie vor die Geister der beiden Gesellschafter. Während das Land weiterhin die Zusammenlegung der beiden Gesellschaften Hochkar und Ötscher favorisiert, signalisiert Markus Schröcksnadel Ablehnung für diese Pläne. Sogar ein endgültiger Ausstieg der Schröcksnadel-Gruppe von der Liftgesellschaft steht im Raum, wobei sich das Land laut inoffiziellen Informationen nicht in der Lage sieht, das Skigebiet alleine weiterzubetreiben. Vor der Gesellschaftersitzung am Freitagvormittag wollte aber keine der beiden Seiten öffentlich eine Aussage dazu treffen.

Markus Schröcksnadel hat 2020 die Geschäfte seines Vaters, Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, endgültig übernommen. Das Innsbrucker Familienunternehmen hat neben etlichen Skigebieten in Österreich und der Schweiz auch die IT-Firma Feratel und die Werbetochter Sitour als weitere Standbeine. Feratel verkauft Softwarelösungen (unter anderem Buchungssysteme) für die Tourismuswirtschaft und offeriert Livestreams von 400 Orten.

Gamings Bürgermeisterin Rakwetz: "Absolutes Horrorszenario"

Für Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz, die selbst erst am Donnerstag von diesen neuerlichen Diskussionen erfahren hatte, wäre ein Stillstand der Lifte am Ötscher oder gar deren völliges Aus das absolute "Horrorszenario". "Wir haben im Vorjahr durch die Diskussion schon einen Imageschaden erlitten. Wenn es jetzt wirklich zu einer Schließung der Liftanlagen kommen würde, wäre es eine Katastrophe für alle Lackenhofer, die dortigen Wirtschaftstreibenden, die teilweise gerade wieder neu investiert haben, die Gemeinde und die gesamte Region", sagt Renate Rakwetz auf Anfrage der NÖN und hofft auf ein Wendung zum Positiven in der Gesellschaftersitzung.

Am 1893 Meter hohen Ötscher wird seit den 60er-Jahren Ski gefahren. 1963 wurde der rund 2,4 Kilometer lange Einzelsessellift auf den Großen Ötscher eröffnet. Die Ötscherlifte standen in den ersten 37 Jahren in Besitz der Gemeinde Gaming, wobei im Laufe der Jahre auch zwei Minderheitsgesellschafter (die Schuster Gruppe mit 35 Prozent und die Firma Girak mit fünf Prozent) dazugestoßen waren. Mit 1. Mai 2000 übernahm die Vereinigte Bergbahnen GmbH von Peter Schröcksnadel die Liftgesellschaft. 2012 stieg das Land Niederösterreich mit der NÖ Bergbahnen Beteiligungs Gesellschaft mit 40 Prozent als Gesellschafter ein.

Oder doch ein Saisonstart am 4. Dezember?

Ganz hat man im Ötscherdorf Lackenhof und den Ybbstaler Alpen aber vor der Sitzung die Hoffnung auf ein neuerliches "happy end" noch nicht aufgegeben. Und selbst auf der Homepage der Ötscherlifte zeigte man sich am Donnerstagabend noch zuversichtlich, dass die Wintersaison am Ötscher bei ausreichender Schneelage am 4. Dezember starten könnte.