Betrüger verurteilt: Gefängnis statt Hausbau. Vermögensberater brachte Häuslbauer um insgesamt 1,6 Millionen Euro: Vier Jahre Haft. Die Geschädigten wollen weiter klagen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 01. März 2021 (16:38)
Das Urteil am Landesgericht St. Pölten lautet sechs Monate bedingte Haft
APA

Am letzten Verhandlungstag eines großen Betrugsprozesses am Landesgericht St. Pölten wird im Gerichtssaal nicht mehr viel diskutiert, vor dem Saal jedoch schon.

In über 20 Fällen in Scheibs und anderen Orten in Niederösterreich hat ein ehemaliger Vermögensberater zahlreiche Häuslbauer um ihr Geld gebracht. Viele stehen vor dem nichts, haben keine oder unfertige Häuser und hohe Schulden. Mehrere von ihnen sind an diesem Tag als Zuschauer anwesend und warten auf das Urteil.

„Ich habe die Hoffnung schon fast aufgegeben. Ich werde Schulden abbezahlen bis ich 70 bin. Ein Kind können wir uns jetzt nicht mehr leisten“, sagt etwa ein 39-Jähriger aus dem Bezirk Scheibbs, den der Angeklagte um 82.000 Euro gebracht hat.

Um das Dach, die Einfahrt und etliche andere Teile seines Hauses fertigzustellen, musste der Mann einen weiteren Kredit für 90.000 Euro aufnehmen und sich Geld von der Familie borgen. Seine Konten sind im Minus, sein Gemütszustand auch. „Ich kenne ihn von früher. Mag schon sein, dass er kein schlechter Mensch ist, aber mit dem was er getan hat, hat er Familien zerstört“, sagt der 39-Jährige über den Angeklagten.

Rechnungen gefälscht und Geld verspielt

Dass die Geschädigten irgendetwas von dem Geld von dem 57-jährigen Angeklagten zurückbekommen, ist sehr unwahrscheinlich. Er ist in Konkurs, das Geld ist weg, sein eigenes Haus verliert er auch. Doch es laufen noch andere Verfahren, denen sich einige Geschädigte angeschlossen haben. Klagen wollen sie auf jeden Fall weiter, auch gegen die Banken, mit denen der Vermögensberater zusammenarbeitete. "Sie hätten ihn genauer prüfen sollen", sagt eine der Geschädigten aus dem Raum St. Pölten.

Über Jahre war der 57-Jähriger als angestellter Vermögensberater zuverlässig und erfolgreich. Die Probleme begannen für ihn mit der Selbstständigkeit im Jahr 2017. Im sei alles über den Kopf gewachsen, darin sind sich Angeklagter, Verteidiger, Staatsanwältin und Richter einig.

Anstatt das ihm anvertraute Kundengeld für die Bezahlung von deren Baustellenrechnungen zu verwenden, hat der 57-Jährige damit offene Rechnungen seiner Firma bezahlt, private Operationen und die Rechnungen anderer Kunden. Teilweise hat er dabei Rechnungen gefälscht um weiterhin Kreditzahlungen der Banken zu erhalten. Einen Teil des verlorenen Geldes versuchte er erfolglos durch Glücksspiel wieder hereinzuholen. 2020 schließlich hatte das Ganze ein Ende. Seit Juli saß er in Untersuchungshaft. 

Schwerer gewerbsmäßiger Betrug: vier Jahre Haft 

Am ersten Verhandlungstag war der Angeklagte nach mehreren Stunden bereit, Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen und legte ein Geständnis zu mehreren der größeren Anklagepunkte ab. Bei kleineren Punkten sprach er sich gegen die ihm vorgeworfene Schadenshöhe aus.

Im Beweisverfahren überprüfte das Gericht diese Fälle, von einigen der Vorwürfe sprach es den Angeklagten in Folge dessen frei oder reduzierte die Höhe des von ihm verursachten Schadens. Denn, auf mehreren betroffenen Baustellen wurden einige Leistungen bar und ohne Rechnung bezahlt, bestätigen Zeugen. „Er hat lange geglaubt, dass er das schon noch geschafft und das Geld wieder zusammenbringt. Er hat nicht in böser Absicht gehandelt und will nicht als Betrüger dastehen“, so der Verteidiger über seinen Mandanten. 

Von den angeklagten rund zwei Millionen Euro, bleiben am Ende trotzdem mindestens 1,6 Millionen Euro Schaden übrig. Wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges, Veruntreuung und Urkundenfälschung geht der 57-Jährige für vier Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wir hatten berichtet: