Wildunfälle im Bezirk Scheibbs: Tendenz ist steigend

Jäger, Polizei und ÖAMTC geben Tipps, wie Autofahrer Zusammenstöße mit Wild auf der Straße vermeiden können.

Erstellt am 14. Oktober 2020 | 03:35
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Foto: jörg röse-oberreich/Shutterstock.com

Sie sind ein Albtraum für den Autofahrer, ein großer Schaden für die Jägerschaft: Die Tendenz der Wildunfälle sei steigend, warnt der NÖ Landesjagdverband. „Bis zu ein Drittel des vorgegebenen Abschusses ist Fallwild“, sagt Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster. Bei den Rehen waren das 2018 noch 558 Tiere, 2019 stieg die Zahl des Fallwilds auf 571. Dafür ging die Zahl der Feldhasen, die ihr Leben auf der Straße lassen mussten, von 221 auf 201 zurück. „Ganz vermeiden lassen sich die Unfälle kaum“, bedauert der Bezirksjägermeister.

Obwohl die Jäger sich wahrlich viel einfallen lassen, um das Wild vor dem Tod auf der Straße zu schützen. Reflektoren, Lichtsignale, manche auch kombiniert mit akustischen Signalen und Duftzäune helfen nur begrenzt. „Das Wild gewöhnt sich an die Dinge, dann muss man wieder nachschärfen“, schildert Schuster. Sinn mache es auch, den Wildbestand in der Nähe der Straßen gering zu halten. Doch auch diese Maßnahme ist nicht immer auf Dauer erfolgreich: „Wenn in einem Gebiet mehr Platz ist, zieht wieder neues Wild hin“, sagt Schuster.

Deshalb heißt es jetzt im Herbst für die Verkehrsteilnehmer besonders aufpassen. Um Unfälle mit Wildtieren zu vermeiden, sollte man im Bereich von Wildwechsel-Warnschildern besonders aufmerksam fahren und den Abstand zum Vorderfahrzeug möglichst groß halten.

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Richtiges Verhalten bei Wild-Sichtung

Am häufigsten passieren Wildunfälle in der Dämmerung, dichter Bewuchs am Straßenrand erhöht die Gefahr zusätzlich“, weiß Gerhard Prantner ÖAMTC-Stützpunktleiter der Dienststelle Scheibbs. Ist ein Wildtier in Sicht, rät der Verkehrexperte die Geschwindigkeit zu reduzieren, das Fernlicht auszuschalten und zu hupen. Hat das Tier die Fahrbahn überquert oder läuft es davon, heißt es weiter vorsichtig sein, denn die Wildtiere sind meistens in Gruppen unterwegs. Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, dann gilt laut Prantner folgendes zu tun: „Nach Möglichkeit an sicherer Stelle halten, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen, Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern, eventuell verletzte Personen versorgen und Polizei oder einen Jagdaufseher verständigen, auch wenn das verletzte Tier weiterläuft.“ Die Unfallmeldegebühr auch „Blaulichtsteuer“ genannt, fällt in der Regel nicht an. Diese muss bezahlt werden, wenn die Polizei zu einem Verkehrsunfall mit bloßem Sachschaden gerufen wird.

Ganz wichtig: Verletzte Tiere nicht berühren oder mitnehmen. „Wer ein verletztes oder getötetes Wild mitnimmt, macht sich wegen Diebstahls strafbar“, informiert Prantner.

 „Das Wild gewöhnt sich an Reflektoren und Lichtsignale, dann muss man wieder nachschärfen“. Ferdinand Schuster, Bezirksjägermeister

 Hohe Verletzungsfolgen bestehen bei einem Wildunfall für den Autolenker in den meisten Folgen kaum, beruhigt der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant Johannes Buchebner: „Das Gewicht der Tiere bei uns, hauptsächlich Rehwild und Feldhasen, ist dafür zu gering. Auch zu Totalschäden am Auto kommt es so gut wie nie.“ Das hauptsächliche Problem bei Wildunfällen: Sie kommen meistens plötzlich und unerwartet, zu Zeiten, wenn auch der Autofahrer schlechte Sicht hat. Bei Rehen besonders gefährlich sind die Brunftzeiten, generell kann es aber jederzeit vorkommen, dass Rehe oder andere Wildtiere die Fahrbahn kreuzen.

„Als Autofahrer muss man die Gefahr vorwegnehmen. Wir haben im Bezirk verhältnismäßig viele Straßen, die durch Wälder und landwirtschaftliche Flächen führen. Meistens sind diese Straßen zum Ausweichen zu schmal“, sagt der Bezirkspolizeikommandant. Da hilft nur eins: Augen auf und runter vom Gas.

Sollte es doch durch einen Wildunfall zu einem Schaden am eigenen Fahrzeug kommen, dann bekommt man diesen nur von der Kaskoversicherung ersetzt. Für diese braucht man eine polizeiliche Meldebestätigung des Unfalls.

„Versicherungsschutz bietet auch der ÖAMTC-Schutzbrief. Wurde ein Fahrzeug, das auf eine schutzbriefgeschützte Person zugelassen ist, durch einen Wildunfall in Österreich – oder im Gültigkeitsgebiet des Schutzbriefes im Ausland – beschädigt, werden 80 Prozent der Reparaturkosten bzw. des Selbstbehaltes bis maximal 600 Euro rückvergütet“, erklärt Prantner.

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