Rotes Kreuz Scheibbs: "Nichts wird weggeschmissen". Immer mehr Lebensmittel landen im Abfall, ein Negativ-Trend dem im Bezirk jedoch mit einigen innovativen Projekten und Initiativen gegengesteuert wird.

Von Claudia Christ. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:37)
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Jeden Samstag werden beim Roten Kreuz in Scheibbs eine Tonne Lebensmittel abgegeben. Im Bild zu sehen sind die Mitarbeiter: Josef Gnadenberger, Petra Lasselsberger und Monika Reiter.
 
Rotes Kreuz

Samstagabend, 18.30 Uhr in der Rot-Kreuz-Stelle Scheibbs. Das Team Österreich Tafel Scheibbs ist mit dem Aufräumen beschäftigt. Innerhalb einer halben Stunde wechselten hier eine Tonne an Lebensmitteln ihre Besitzer. 80 Schachteln vollgepackt mit abgelaufenen oder falsch etikettierten Waren werden so jede Woche an einkommensschwache Personen ausgegeben. 144 Klienten, darunter Jungfamilien, alleinerziehende Mütter und Mindestpensionsbezieher – werden vom Team regelmäßig betreut und so mit Grundnahrungsmitteln versorgt.

Care-Pakete für weniger Abfall

Für sie ist es oft kein leichter Weg, „denn es kostet den Menschen Überwindung, sich in die Reihe um Lebensmittel zu stellen“, weiß Caroline Schalhaas, Fachbereichsleiterin für Gesundheit- und Soziale Dienste. Die Waren werden von den 63 Ehrenamtlichen, die in vier Teams von je 10 Personen arbeiten, abwechselnd von den insgesamt 20 Geschäften im Bezirk zusammengetragen. „Vor Corona konnten sich die Klienten ihre Waren selbst aussuchen. Jetzt stellen wir für jeden ein Care-Paket zusammen. Alles wird aufgeteilt, nichts wird weggeworfen“, betont Schalhaas.

Seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Klienten um 40 Prozent gestiegen. „Das stimmt schon nachdenklich“, meint Schalhaas, die wie viele ihrer Kollegen ihr Einkaufsverhalten und den Bezug zu Lebensmitteln durch ihre Tätigkeit verändert hat: „Ich kaufe jetzt selbst viel öfter Waren mit abgelaufenen Ablaufdatum ein, weil die Waren zum überwiegenden Großteil noch völlig in Ordnung sind.“

„Verwenden statt Verschwenden“

Abgelaufene Lebensmittel nicht verschwenden, sondern verwenden, dieses Ziel hat sich auch das Team rund um Sabine Rottenschlager in Wieselburg gesetzt. Jeden Dienstag und Freitagnachmittag von 14 bis 16 Uhr stehen die Freiwilligen deshalb im „Verwenden statt Verschwenden“-Laden im Haus der Begegnung in der Manker Straße. Hier gibt es alles von Milchprodukten, mit abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum, Brot und Gebäck vom Vortag, Mehlspeisen bis hin zu Gemüse und Obst. Die von den Partner-Supermärkten abgeholten und in Ordnung befundenen Waren gehen hier zu kleinen Preisen – ein Produkt kostet maximal einen Euro – über den Ladentisch.

„Wir wollen einfach etwas dagegen tun, dass so viele Lebensmittel in den Müll geworfen werden“ Sabine  Rottenschlager

Und so wie die neun Vereinsmitglieder hier denken auch immer mehr ihrer Kunden. „Wir können beobachten, dass ein Umdenken stattfindet. Viele kommen zu uns, nicht weil sie es sich nicht leisten könnten im Supermarkt einzukaufen, sondern weil ihnen die Idee hinter unsrem Laden gefällt. Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Rottenschlager. Waren, die nicht verkauft werden, werden an eine Bäuerin aus der Region abgegeben. Sie verwerte die Produkte weiter, sodass nichts im Abfall landet. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas gegen diese sinnlose Verschwendung tun zu können“, sind sich die Damen einig.

Bioabfall wird falsch entsorgt

Allein 5.000 Tonnen Bioabfall landen pro Jahr beim Gemeindeverband für Umweltschutz Scheibbs (GVU), darunter viele Lebensmittel. Tendenz steigend. „Das Problem für uns ist aber nicht der Bioabfall an sich, sondern dass dieser immer mehr im Restmüll landet“, erklärt GVU-Obmann Johann Wurzenberger. Hier brauche es ein Umdenken. Und so wird seit heuer stichprobenartig kontrolliert und ein Ampelsystem eingeführt. Ein oranger Anhänger an der Tonne bedeutet eine Verwarnung, ein roter Aussortieren, oder die Tonne wird nicht geleert.

Landesklinikum Scheibbs achtet auf Bedarf

Damit in der Großküche im Landesklinikum Scheibbs so wenig Essensreste wie möglich entsorgt werden müssen, achtet Küchenleiter Gerhard Zehetner auf eine bedarfsgerechte Zubereitung und bedarfsgerechte Ausgabe der Speisen.

So werden die Patienten bei der Essensanforderung nicht nur zu ihrem Wunschmenü befragt, sondern auch die Portionsgröße kann variiert werden. „Dann wird in der Küche je nach Anforderung eine größere oder kleinere Portion ausgegeben. Je nach Geschmacksvorlieben ist auch eine Komponentenwahl zwischen den Menüs möglich“, erklärt der Koch.

Auch die Vorbereitung der Mitarbeiter-Essen beruht auf jahrelanger Erfahrung. Täglich werden an die 400 Mittagsmenüs zubereitet. Alle Speisen, die die Küche bereits einmal verlassen haben, müssen den Hygienerichtlinien entsprechend – auch wenn sie unangetastet retour kommen – entsorgt werden. Die Speisereste werden im gekühlten Trankraum gesammelt und von der GVU abgeholt. „Dabei handelt es sich wirklich um minimalste Mengen, die verworfen werden müssen“, betont Zehetner.

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