Schloss Lehenhof: Die Scheibbser Version von Dornröschen

Die neuen Lehenhof-Schlossherren wollen die Gemeinde und die Bevölkerung bei der Gesamtprojekterstellung miteinbinden.

Erstellt am 10. November 2021 | 04:30

Sie sind bis zum 18. Lebensjahr gemeinsam in St. Georgen an der Klaus (Gemeinde Waidhofen) aufgewachsen. Dann haben sich Gerhard Aigner und Gerhard Buchinger aus den Augen verloren. Gerhard Aigner wohnt mittlerweile in Wien und führt dort unter anderem eine Schadenssanierungsfirma. Gerhard Buchinger lebt in Steinakirchen und betreibt erfolgreich das Bowlingcenter Purgstall.

Beide haben daneben auch eine Immobilienfirma. Ein Immobilienprojekt in Mattersburg hat sie auch wieder zusammengeführt. Seit der letzten Oktoberwoche sind sie nun gemeinsam Schlossbesitzer – oder genauer gesagt Besitzer des 25,4 Hektar großen Lehenhof-Areals inklusive dem denkmalgeschützten Schloss aus dem Jahre 1845.

Aigner und Buchinger – beide 50-Prozent-Gesellschafter der neu gegründeten Schloss Lehenhof Besitz GmbH & Co KG – haben bereits vor sechs Monaten bei der Versteigerung um 2,16 Millionen Euro den Zuschlag erhalten. Aber erst am 28. Oktober beschloss der Wiener Gemeinderat endgültig den Verkauf.

Das Areal war seit 1982 in Besitz der Stadt Wien, die dort von 1939 bis 2010 – mit Unterbrechung der Kriegsjahre – ein Kinder- und Jugenderholungsheim führte. Elf Jahre standen Areal und Gebäude jetzt leer.

Der Zufall führte vor fünf Jahren Regie

„Gerhard Aigner und Gerhard Buchinger küssen das Areal sozusagen aus dem Dornröschenschlaf“, freut sich der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner (ÖVP). „Wir haben vor fünf Jahren den Auftrag erhalten, Sanierungsarbeiten im Schloss durchzuführen. Seit damals wusste ich, das Schloss will ich haben. Mit Gerhard Buchinger habe ich dann einen passenden Geschäftspartner in der Region gefunden und mit Leopold Grubhofer von der Raiffeisenbank aus der Region auch die richtige Bank dahinter, mit der man etwas langfristig entwickeln kann – und mit Architekt Hannes Toifel auch den Fachmann, der das richtige Gespür für den Umgang mit historischen Gebäuden hat“, betont Gerhard Aigner.

„Gerhard Aigner und Gerhard Buchinger küssen das Areal sozusagen aus dem Dornröschenschlaf“

Dass das Lehenhof-Areal ein langfristig angelegtes Projekt ist, unterstreichen alle Seiten. „Wir sind keine Spekulanten, die das Schloss oder das Areal möglichst schnell zu Geld machen wollen. Das ginge, denn die Telefone laufen seit der Vorwoche bei uns heiß. Es gibt genug, die einen schönen Wohnsitz ohne Nachbarn wollen und auch genug Geld hätten“, erzählt Gerhard Buchinger.

„Wir sind keine Spekulanten, die das Schloss oder das Areal möglichst schnell zu Geld machen wollen"

Aigner und Buchinger wollen hier aber gemeinsam mit Partnern etwas Nachhaltiges für die Region entwickeln. Die Scheibbser Gemeinde sei in dieser Phase erster Ansprech- und möglicher Kooperationspartner. „Ideen für die Nutzung gibt es sehr viele“, erklärt Gerhard Buchinger, will aber nicht über „ungelegte Eier“ sprechen.

Vor allem, weil die Gemeinde sich bei der Gesamtkonzeptplanung auch über den mit 2022 startenden Dorferneuerungsprozess einbringen will. „Wir wollen, dass auch die Scheibbser Bevölkerung Teil dieses Projekts wird und das Schloss samt Areal insgesamt mehr in die Stadt hineinwächst. Hier kann etwas Großes für viele Generationen entstehen“, ist Stadtchef Franz Aigner – übrigens nicht verwandt mit Gerhard Aigner – überzeugt.