Traumhaus bauen um jeden Preis im Bezirk Scheibbs. Obwohl Bauen immer teurer wird, ist in fast allen Gemeinden die Nachfrage nach Gründen ungebrochen hoch.

Von Karin Katona. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:27)
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Das Eigenheim mit Garten ist Wohntraum Nummer eins der Österreicher. Und obwohl die Preise für‘s Bauen in die Höhe klettern, sind Baugründe auch in fast allen Gemeinden im Bezirk Scheibbs heiße Mangelware.

In der Bezirkshauptstadt Scheibbs erlegt auch die geografische Situation den Raumplanern enge Grenzen auf: „Viele Grundstücke, wie etwa die in der Herzog-Albrecht-Siedlung, haben eine instabile Hanglage“, erklärt Stadtamtsdirektor Gerhard Nenning.

„Die Nachfrage nach Baugründen ist prinzipiell immer höher als das Angebot“Stadtamtsdirektor Gerhard Nenning

Was für die Bauherren erhöhte Baukosten bedeute: Die Häuser müssen auf Piloten tief im tragenden Untergrund verankert werden. Dennoch seien die Hanglagen sehr begehrt. „Die Nachfrage nach Baugründen ist prinzipiell immer höher als das Angebot“, sagt der Stadtamtsdirektor. „Älteres Bauland zu mobilisieren, ist so gut wie unmöglich, wenn die Besitzer das nicht möchten. Auf neu aufgeschlossenes Bauland gibt es einen Bauzwang für fünf Jahre.“

 

„Wenn neue Baugründe aufgeschlossen werden, sind sie innerhalb kürzester Zeit weg.“ Scheibbser Bürgermeister Harald Riemer

Die jungen Scheibbser Familien müssen oft abwandern – etwa in die Nachbargemeinde Purg stall. Dort sind die Durchschnittspreise für Bauland sogar um etwa ein Drittel günstiger als in der Bezirkshauptstadt – wenn es denn Baugründe gäbe.

Was derzeit, wie Bürgermeister Harald Riemer bedauert, nicht der Fall ist: „Wir haben ständig Anfragen auf der Gemeinde. Wenn neue Baugründe aufgeschlossen werden, sind sie innerhalb kürzester Zeit weg.“ In der Marktgemeinde seien wohl rund 37 Hektar Baugrund aus Altwidmungen im Privatbesitz. Für die Gemeinden gebe es jedoch keine gesetzliche Handhabe, einen nachträglichen Bauzwang zu erlassen.

Ähnlich ist die Lage in Wieselburg, die aktuell am schnellsten wachsenden Gemeinde im Bezirk. „Bei Anfragen verweisen wir Interessenten an die Immobilienbüros weiter“, heißt es aus dem dortigen Bauamt. „Wenn sich ein Grundbesitzer zum Verkauf entschließt, sind die Gründe meist sofort wieder weg.“ Neuwidmungen seien in näherer Zeit nicht in Sicht.

Privates Bauland kann nicht mobilisiert werden

Die günstigsten Baugründe gibt es in den Gemeinden im Süden des Bezirks. In Göstling ist das ein durchschnittlicher Quadratmeter-Preis von 49 Euro, in Gaming sind es 42 Euro. „In der Gemeinde Gaming gibt es Baugründe in verschiedenen Katastralgemeinden“, lässt Amtsleiter-Stellvertreter Andreas Fallmann wissen: „In Kienberg ist in der Alten Straße noch ein Baugrund frei. In Gaming gibt es in der Lehensiedlung Baugründe der ÖBF mit Baurechtsvertrag sowie Gründe in der Umbergstraße.“

Auch in Göstling sind Baugründe nur noch sehr vereinzelt verfügbar. „Für die zuletzt gewidmeten Baugründe gab es große Nachfrage und diese sind weitgehend verkauft“, sagt Bürgermeister Friedrich Fahrnberger. Für künftig verfügbare Flächen werde derzeit ein Konzept erarbeitet, verrät der Bürgermeister.

„Der Wunsch, nach dem Eigenheim ist groß und durch Corona noch enorm verstärkt. “ Martin Zehetner, Geschäftsführer von Remax Immo-Service Wieselburg

„Bei Bauland ohne Bauverpflichtung ist der Gedanke der Wertanlage auf längere Zeit sicher ein starkes Kaufmotiv“, sagt Martin Zehetner, Geschäftsführer von Remax Immo-Service Wieselburg. „Eine Grundstückspekulation, wo beispielsweise Grünland gekauft und darauf gewartet wird, dass es in Bauland umgewidmet wird, sehe ich in unserer Region nicht.“

Viele Gemeinden seien im ständigen Austausch mit ihren Grundbesitzern, um verfügbares Bauland zu lukrieren. Denn: „Der Wunsch, nach dem Eigenheim ist groß und durch Corona noch enorm verstärkt. Deshalb ist die Nachfrage nach Baugründen im Bezirk gut bis sehr gut.“

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