Hotellerie im Bezirk Scheibbs: „Wir sind optimistisch“. Seit Freitag haben die meisten Hotels wieder geöffnet. Ein Lokalaugenschein.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 02. Juni 2020 (14:48)
Dagmar Nahringbauer, Chefin des Vier-Stern-Hotels Fahrnberger in Lassing bei Göstling, freut sich, seit dem Wochenende wieder die ersten Gäste begrüßen zu dürfen. „Das Haus war in den letzten Wochen schon ziemlich leer. Ich bin froh, wenn sich jetzt wieder etwas rührt.“
Georg Perschl

Freitagabend im Vier-Sterne-Hotel Fahrnberger in Lassing. Die ersten Gäste beziehen gerade ihre Zimmer. Über 17 Genießerzimmer verfügt das Hotel, das seit 1919 im Besitz der Familie Nahringbauer ist. Etwas über ein Drittel davon sind am Pfingstwochenende belegt. Trotz der schlechten Wetterprognose, die dieses Mal leider stimmen sollte, gab es fast keine Stornierungen. „Die Gäste haben sich genauso wie wir schon auf Abwechslung gefreut und wollen raus“, schildert Chefin Dagmar Nahringbauer, die das Hotel gemeinsam mit Helmut Heider seit 2004 führt.

Auch wenn die Masken beim Servicepersonal ungewohnt sind, herrscht im Hotel Fahrnberger schnell wieder diese besondere Gemütlichkeit. „Wir haben reichlich Platz, sodass die Gäste genug Freiraum haben“, betont Nahringbauer und freut sich, auch die ersten Stammgäste wiederzusehen.

„Die Gäste haben sich genauso wie wir auf Abwechslung gefreut und wollen raus.“Dagmar Nahringbauer

Elf Wochen – seit 15. März – hatte ihr Hotel zuletzt geschlossen. Dabei wäre man im März und April bis Ostern (12. April) vor allem an den Wochenenden noch praktisch ausgebucht gewesen. „Natürlich geht dir dieser Monat ab. Das holt man auch nicht mehr auf. Daran ändert auch nichts, dass wir von Mitte April bis Mitte Mai ohnehin zugesperrt gehabt hätten“, weiß Helmut Heider.

Noch dazu fehlen im Juni die ausländischen Stammgäste. „Wir haben zum Beispiel seit Jahren im Juni eine französische Fischergruppe, die immer eine Woche bei uns verbringt, oder etliche belgische und deutsche Gäste. Die reißen schon ein gewisses Loch auf, das wir aber hoffentlich mit österreichischen Gästen vor allem im Juli und August stopfen können. Denn die Anfragen in den letzten Tagen sind spürbar mehr geworden. Wir sind für den Sommer optimistisch“, sagt Dagmar Nahringbauer.

Dabei sei es für Familienbetriebe wie das Hotel Fahrnberger einfacher, wieder hochzufahren, als für die großen Hotels im Westen Österreichs. Dort braucht es alleine wegen der Personalkosten schon eine Auslastung von mindestens 60 Prozent, damit sich das Aufsperren rentiert. Das weiß auch Herbert Zebenholzer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Göstlinger Alpen: „Da sind unsere Familienbetriebe in einer einfacheren Situation. Sie holen ihre Mitarbeiter jetzt sukzessive von der Kurzarbeit zurück oder haben saisonales Stammpersonal.“

Generell ist auch Zebenholzer durchaus optimistisch für die Sommersaison, vor allem weil der Großteil der Touristen der Region aus Österreich kommt, wie auch die Grafik links zeigt. „Die Rückmeldungen der Zimmervermieter sind gut. Vor allem Appartements- und Urlaub am Bauernhof-Anbieter oder Privatzimmervermieter vermelden bereits eine sehr gute Buchungslage“, sagt Zebenholzer.

Und noch etwas ist feststellbar: Die Gäste buchen durch die Bank etwas länger. Liegt normalerweise der Schnitt bei zwei bis drei Nächtigungen, erlebt die einwöchige Sommerfrische in den Ybbstaler Alpen jetzt eine Renaissance. Auch dank der Wilden Wunder Card, deren Bestellzahlen von den Beherbergern heuer nach oben geschossen ist. Die Erwartungen sind also durchaus positiv.