Historische Bären-Funde hinter Glas. Ende der 90er-Jahre wurden bei Ausgrabungen Knochen von Bären gefunden. Zu sehen sind diese heute im WasserCluster.

Von Claudia Christ. Erstellt am 14. März 2021 (05:27)

Dass vom Ötscherbären, der 2011 das letzte Mal in der Ötscherregion gesichtet wurde, seither jede Spur fehlt, ist vielen bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass es in Lunz am See zwei Höhlen gibt, in denen bis heute Reste von Bärenknochen aus der Eiszeit in den Gesteinschichten vorhanden sind.

Ende der 90er-Jahre wurden deshalb Grabungen von renommierten Paläontologen durchgeführt. „Die beiden Lunzer Bärenhöhlen gehören zu den wichtigsten Fundstellen von eiszeitlichen Bären und Löwen in den Alpen“, erklärt Professor Gernot Rabeder vom Institut für Paläontologie der Universität Wien, der die Erforschung der Höhlen zwischen 1983 und 1989 in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum in Wien geleitet hat.

Die Funde in der Herdengelhöhle machten es damals erstmalig möglich, die Entwicklung des Höhlenbären über einen großen Zeitraum nachzuvollziehen. In der Höhle, die heute über einen markierten Wanderweg erreichbar ist, wurden damals zahlreiche gut erhaltene Knochen freigelegt. „In allen Fossillagern dominierten die Reste des Höhenbären. Bemerkenswert sind aber auch die gut erhaltenen Reste des Höhlenlöwen sowie des Wolfes“, heißt es im Abschlussbericht der Grabungen von Professor Rabeder und Christa Frank.

In der Nähe der Herdengelhöhle, in der die Grabungen abgeschlossen sind, gibt es eine weitere bedeutende Fundstelle, nämlich die Schwabenreith-Höhle. Der kleine, schwer zu findende Höhleneingang ist rund eine halbe Stunde Fußmarsch von der Herdengelhöhle entfernt. „In dieser Höhle gibt es nach wie vor unter einer dicken Sinterdecke zahlreiche Reste von Höhlenbären in einzigartig gut erhaltenem Zustand“, erklärt der Professor. Ein Zutritt ist jedoch nicht möglich, der Eingang mit einem Gitter versperrt. „Weitere Grabungen sind derzeit nicht geplant, weil das bisher geborgene Fossilmaterial für die derzeitigen Forschungen ausreichend ist“, ergänzt er.

Funde im WasserCluster und Museum ausgestellt

Wer die historischen Knochenfunde bestaunen will, hat in der Biologischen Station, im WasserCluster Lunz die Gelegenheit dazu. Hier lagern besonders schöne Stücke von Höhlenbären und Höhlenlöwen aus der Herdengelhöhle in Vitrinen. Besichtigungen sind am Tag der offenen Tür oder bei geplanten Führungen möglich. „Diese entfallen jedoch heuer aufgrund der Pandemie. Eventuell können wir im Mai oder Juni etwas anbieten, in Kooperation mit der Eröffnung des Hauses der Wildnis, das ist aber noch offen“, erklärt Romana Hödl vom WasserCluster Lunz. Zudem wurde ein Großteil der Funde von Schädeln aus der Schwabenreith-Höhle an das NÖ Landesmuseum in St. Pölten überstellt.