Lunz am See

Erstellt am 04. Dezember 2016, 05:07

von Karin Katona

Opfer sollen nicht vergessen werden. WasserCluster Lunz gedenkt der Verbrechen der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Lunz mit einer Erinnerungsstätte.

Die Künstler, die am Wettbewerb für die Gestaltung des Mahnmals teilnehmen, ließen sich bei ihrem Besuch vom Ort inspirieren.  |  NOEN, WasserCluster

Idyllisch und ruhig präsentiert sich das Gelände des WasserClusters am Ufer des Lunzer Sees. Dass hier während des Zweiten Weltkriegs unvorstellbare Grausamkeiten begangen wurden, kann man sich kaum mehr vorstellen.

Genau hier jedoch wurden damals in einem Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend junge Burschen auf den Kriegseinsatz vorbereitet. Besonders tragische Ereignisse haben sich in Lunz in den letzten Tagen vor Kriegsende abgespielt. Bei Massakern in Göstling und Randegg, bei denen im April 1945 über 170 jüdische Zwangsarbeiter ermordet wurden, waren auch die Lagerführer maßgeblich beteiligt. „Die Hitlerjungen wurden gezwungen, an den Massakern mitzuwirken und Menschen zu töten“, schildert der Wieselburger Historiker Johannes Kammerstätter. „Drei Burschen sollen sich geweigert haben. Auch sie sind von den NS-Bonzen ermordet worden.“

Bis heute seien nicht alle Namen der Opfer bekannt. Tragisch endete auch das Leben des kommunistischen Widerstandskämpfers Rudolf Obendorfer, der in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 ins HJ-Lager gebracht und ermordet wurde.

Dieser schweren Last der Vergangenheit soll auf Initiative des WasserClusters Rechnung getragen werden. „Im Gedenken an die Opfer des NS-Regimes und besonders der Ermordeten der letzten Kriegstage in Lunz und Umgebung soll auf dem Gelände des WasserClusters ein permanentes Mahnmal entstehen“, kündigt WasserCluster-Geschäftsführer Thomas Hein an.

Mahnmal wird bereits im Juli 2017 errichtet

In Kooperation mit der Abteilung „Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes NÖ wurden Künstler zu einem Wettbewerb eingeladen. Die Projektvorschläge werden im Frühjahr von einer Jury bewertet, das Gewinnerprojekt soll dann im Rahmen der wellenklaenge 2017 eröffnet werden.

Vergangene Woche fand eine erste Begehung des Geländes statt. Die eingeladenen Künstler konnten sich dabei auf dem Gelände des WasserClusters nicht nur von diesem heute so idyllischen Ort inspirieren lassen, sondern hatten auch die Möglichkeit, mit einem Zeitzeugen zu sprechen.

WasserCluster-Geschäftsführer Thomas Hein betont die Wichtigkeit der Geschichtsaufarbeitung: „Wir können uns glücklich schätzen, dass heute hier genau das möglich ist, was die Ideologie des Nazi-Regimes abgelehnt hat: Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit, die einen wertvollen Beitrag zur Völkerverbindung leistet.“ Der geschichtsträchtige Ort am See berge auch schöne Erinnerungen: „Im Ferienheim haben hier von 1945 bis 2003 junge Menschen schöne Zeiten verbracht.“

Bürgermeister Martin Ploderer unterstreicht die Bedeutung des Mahnmals für die Gemeinde: „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser tragische Teil der Vergangenheit für künftige Generationen in Vergessenheit gerät.“