Raufhandel: Keiner kann sich mehr erinnern

Erstellt am 06. August 2022 | 04:14
Lesezeit: 2 Min
Gericht Symbolbild
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Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com
Eine Schlägerei zweier Burschengruppen in einem Lunzer Lokal hatte ein Nachspiel auf Landes- und Bezirksgerichtsebene.
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Man nehme zwei Gruppen junger Burschen, die einander schon von vornherein nicht gut gesinnt sind, ein gedrängt volles Lokal, jede Menge Alkohol und ein bisschen Stänkern – die typischen Zutaten vieler Fälle wegen Körperverletzung vor Gericht. So auch am Landesgericht St. Pölten und am Bezirksgericht Scheibbs, wo zwei Teile derselben Rauferei in einem Lunzer Lokal im vergangenen November verhandelt wurden.

Ein 22-Jähriger soll dort einem 16-Jährigen mit einem Schlag ins Gesicht den Kiefer gebrochen haben, weil dieser seinen Bruder geschlagen habe. Der Fall, der vor dem Landesgericht St. Pölten verhandelt wurde, erwies sich als äußerst zäh. Konnten sich doch die Zeugen teilweise nur dunkel an die Ereignisse der fraglichen Nacht erinnern. Erwiesen war für den Richter in St. Pölten schließlich die Schuld des 22-jährigen Lunzers: Dieser muss 100 Stunden soziale Arbeit leisten und dem 16-Jährigen 750 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der 16-jährige Zweitangeklagte wurde freigesprochen.

Der bei der Rauferei ebenfalls im Gesicht verletzte Bruder des verurteilten Lunzers stand am folgenden Tag vor dem Scheibbser Bezirksgericht – als Angeklagter. Er sollte einem 17-Jährigen einen „Headbutt“ versetzt haben, worauf dieser zwei Tage lang Kopfschmerzen gehabt habe. Die gerufenen Zeugen konnten dies jedoch nur zum Teil bestätigen. „Ich war betrunken“, „Es ist so lange her“, „Ich war woanders“, lauteten die häufigsten Antworten dieser Zeugen auf die Fragen des Richters.

Keine Einigkeit herrschte auch über die Menge des genossenen Alkohols, von Vorglühen und drei bis acht Bargetränken war die Rede. „Sind sie sicher, dass die Schmerzen vom Schlag waren oder vom Alkohol“, fragte der Scheibbser Bezirksrichter schließlich trocken. Aus Mangel an Beweisen wurde der Angeklagte freigesprochen.

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