Schild entfernt„: Fürchten um Sicherheit der Kinder“. Erlaubte 100 km/h statt 50er-Tempolimit sorgt bei den Anrainern im Lunzer Ortsteil Hinterleiten für Ärgernis.

Von Claudia Christ. Erstellt am 17. Juni 2020 (17:17)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7872609_erl25lunz_raser.jpg
privat

Seit 20 Jahren wohnt Andreas Habertheuer im Lunzer Ortsteil Hinterleiten an der Mariazeller Straße. Seit mehr als 20 Jahren war hier für Verkehrsteilnehmer eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zulässig. Bis zum Vorjahr. Denn da wurde im Zuge einer Baustelleneinrichtung – der Straßensanierung der Landesstraße zwischen Lackenhof und Lunz – festgestellt, dass das Tempolimit rechtswidrig ist. Das 50km/h-Schild verschwand daraufhin – zum Ärger der Anrainer.

„Auf der langen Geraden vor unserer Hauseinfahrt wurde der 50er schon früher nicht eingehalten. Jetzt sind 100 km/h erlaubt. Die Strecke verleitet nicht nur die Motorradfahrer zum Rasen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Sicherheit der Kinder“, erklärt der zweifache Familienvater Andreas Habertheuer. Gemeinsam mit seinen beiden Nachbarn forderte Habertheuer nun die Wiedereinführung des „Fünfzigers“. Eine Beschwerde bei der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs blieb jedoch erfolglos. „Lediglich ein Schild ‚Achtung Hausausfahrten‘, wurde aufgestellt“, kritisiert der Anrainer.

Straßenmeister Erich Pfeffer von der Straßenmeisterei in Gaming ist mit dem Fall betraut, er erklärt: „Nachdem bekannt wurde, dass die 50er-Tafel in diesem Bereich illegal aufgestellt wurde, wurden natürlich Verkehrssachverständige zurate gezogen.“ Im Juli des vergangenen Jahres fand eine Verkehrsverhandlung statt.

„Es wurde festgestellt, dass aufgrund der kurvenreichen Strecke laut Straßenverkehrsordnung ohnehin nur ein Fahren auf Sicht mit nicht mehr als 50 km/h Geschwindigkeit möglich ist. Zudem lässt auch die geringe Fahrbahnbreite mit fünfeinhalb bis sechs Metern keine höhere Geschwindigkeit zu“, erklärt Juristin Anja Salber von der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs. Ein wichtiger Aspekt für den Sachverständigen war laut Salber auch, dass es sich um keinen Gefahrenbereich handle. Denn bislang ist auf diesem Streckenabschnitt noch nie ein Unfall passiert.

„Die Strecke verleitet nicht nur die Motorradfahrer zum Rasen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, um die Sicherheit der Kinder.“Andreas Habertheuer

Ein Ergebnis, mit dem sich die drei Anrainer-Familien nicht zufrieden geben können. Sie suchten Unterstützung beim FP-Bezirksobmann Reinhard Teufel sowie dem Lunzer FP-Gemeinderat Wolfgang Fuchs. Teufel fordert den zuständigen Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko auf, der anhaltenden Gefährdung der Anrainer in diesem Bereich ein Ende zu setzen und „die 50 km/h-Beschränkung auf dem rund zwei Kilometer langen Teilstück der Mariazeller Straße per Verordnung unverzüglich wieder einzuführen.“

Tatsächlich sei es laut Teufel in der Vergangenheit auf Niederösterreichs Straßen immer wieder zu Aufstellung von Tempolimit-Tafeln ohne Rechtsgrundlage gekommen. Teufel fordert daher eine generelle Durchforstung der Tempolimits. „Dabei geht es nicht nur um die Lebensqualität und Lärmschutz für Anrainer, sondern vor allem um eine Verkehrsbehinderung zum Schutz unserer Kinder“, betont der FP-Bezirksobmann.